Neuerscheinung: “Auf den Spuren der Juden Oberschlesiens”

Katalog des jüdischen Kulturerbes in Oberschlesien von Beata Pomykalska und Paweł Pomykalski

Spuren jüdischen Lebens in über 40 Dörfer und Städten in einem umfangreichen, aber handlichen Reiseführer.

Sich auf die Spuren der Juden in Oberschlesien zu begeben, bedeutet Friedhöfe und leere Plätze einstiger Synagogen oder Gedenk- und Informationstafeln aufzusuchen, denn viele Stätten jüdischen Lebens existieren heute nicht mehr.

„Wenn wir Kattowitz vor dem Jahr 1900 besucht hätten, dann…“ So beginnt in dem Reiseführer „Auf den Spuren der Juden Oberschlesiens“ von Beata Pomykalska und Paweł Pomykalski in dem Kapitel über Kattowitz der Abschnitt, der das jüdische Leben in der Stadt vor 1900 rekonstruiert. Gesehen hätte man zum Beispiel die Alte Synagoge, die 1862 im neoromantischen Stil erbaut wurde. 1900 wurde sie abgetragen. An ihrer Stelle entstand ein Mietshaus.

Im Oberschlesischen Landesmuseum stellten Jan und Katarzyna Opielka, Übersetzer und Projektkoordinatorin aus Gleiwitz, dem Publikum vergangenen Sonntag diese bemerkenswerte Publikation vor. Herausgeber ist das Haus der Erinnerung an die oberschlesischen Juden, eine Zweigstelle des Museums in Gleiwitz, das mit einer attraktiven und modernen Form der Vermittlung die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Oberschlesien vor dem Vergessen bewahren will. Der Vortrag begleitete die aktuelle Sonderausstellung „Im Fluss der Zeit. Jüdisches Leben an der Oder“ (bis 23.2.2020 im Oberschlesischen Landesmusuem in Ratingen) vom Deutschen Kulturforum östliches Europa e.V.

Über 40 Dörfer und Städte, in denen Spuren jüdischen Lebens erhalten geblieben sind, haben die Autoren besucht und in ihren umfangreichen, aber handlichen Reiseführer aufgenommen. Und so gibt es für jeden Ort auch einen solchen Rückblick auf die Zeit vor 1900. Das Ehepaar Opielka referierte spannend und anschaulich mit Bildern und Filmausschnitten über das Projekt und informierte die Gäste darüber hinaus über die Arbeit des Gleiwitzer Museums, das vor vier Jahren in einer ehemaligen jüdischen Friedhofshalle eingerichtet wurde. Auch Bezüge zwischen dem Rheinland und Oberschlesien wurden herausgestellt. Aus Köln, der ältesten jüdische Gemeinde nördlich der Alpen, wanderten viele Juden infolge der mittelalterlichen Pogrome in osteuropäische Länder aus. Und von Kattowitz über Basel führte schließlich der Weg nach Israel. So fand in Kattowitz im Jahr 1884 erstmals eine internationale Konferenz der Organisation Hovevei Zion (hebräisch Zionsliebe) statt. Sie führte über den ersten Zionistenkongress in Basel von 1897 schließlich ein halbes Jahrhundert später zur Gründung des Staates Israel. Weitere spannende und bewegende Geschichten stellten Jan und Katarzyna Opielka dem interessierten Publikum vor, das viele Fragen stellte und eigene Erlebnisse und Eindrücke beisteuerte.

Abschließend versicherte Dr. David Skrabania, Referent des beim OSLM angesiedelten Kulturreferats für Oberschlesien, dass er künftig weitere Vorträge dieses Formats in Kooperation mit dem OSLM anbieten wird. Den Gästen der gut besuchten Lesung empfahl Frau Dr. Peters-Schildgen die Publikation mit der Begründung: „Orte jüdischen Lebens sind ein bedeutender Teil unseres gemeinsamen kulturellen Erbes. Deshalb ist es wichtig und auch einleuchtend, dass dieser Reiseführer heute hier bei uns im Oberschlesischen Landesmuseum vorgestellt wird“.

Beata Pomykalska und Paweł Pomykalski: Auf den Spuren der Juden Oberschlesiens,
Hg. Haus der Erinnerung an die Juden Oberschlesiens,
Zweigstelle des Museums von Gleiwitz,
400 Seiten, ca. 180 Abbildungen, Preis: 14,90 EUR

Text: Dr. Susanne Peters-Schildgen
Fotonachweis: OSLM