Neuerscheinung: Wanderer im Riesen-Gebirge. Anthologie der Reiseberichte aus dem 17.-20. Jahrhundert

Im Juni 2020 erscheint eine zweibändige deutsch-polnische Anthologie alter Reiseberichte aus dem Riesen-Gebirge

Gemeinsame Veröffentlichung des Schlesischen Museums zu Görlitz und des polnischen Verlages Wydawnictwo Wielka Izera.

Die Lektüre der fast 40 Reiseberichte eröffnet faszinierende Einblicke in die verschwundene Welt des Iser- und Riesengebirges des 17.-20. Jahrhunderts.

Das Iser- und Riesengebirge, früher gemeinsam als Riesen-Gebirge bezeichnet, zieht seit Jahrhunderten neugierige Wanderer an. Aufgeklärte Beamte, Gelehrte, Geistliche und Künstler – unter ihnen viele bekannte Zeitgenossen wie Benjamin Schmolck, Adolf Traugott von Gersdorf, Ida Gräfin Hahn-Hahn, Karl von Wachsmann, Carl Theodor Mattis oder der spätere US-amerikanische Präsident John Quincy Adams – begriffen das Reisen als Bildung und den Reisebericht als Erfüllung eines Bildungsauftrags zur Weitergabe ihrer Erkenntnisse an Dritte. Je nach Alter, Beruf und Reisezweck der Wanderer variieren die Schwerpunkte der einzelnen Berichte. In ihrer Gesamtheit ergeben sie ein vielfarbiges Kaleidoskop an Informationen über den Lebensalltag im Riesen-Gebirge, über Land und Leute, Freud und Leid, Arbeit und Essen, Sitten und Kleidung, über Reiseführer, Glashüttenarbeiter, Schmuggler und Bauden-Bewohner.

Und nicht zuletzt erfahren wir viel über die Autoren selbst. Die Texte sind voller überraschender Details, persönlicher Exkurse und kurzweiliger Anekdoten. Individuell und situativ geprägt, legen die Texte der Anthologie offen, was in Geschichtsbüchern kaum zu finden ist. Sie sind heutzutage eine unerschöpfliche Quelle von wertvollen Informationen über die kulturelle und sozial-ökonomische Wirklichkeit der beschriebenen Zeit. Um diese besser zu verstehen wurde die Anthologie um ein Verzeichnis der Münzen und Währungen sowie der alten Maße und Gewichte ergänzt. Die Biogramme der einzelnen Autoren geben Auskunft über ihren sozialen und beruflichen Hintergrund.

Auf über 400 Seiten begleiten wir die Wanderer durch mehr als 200 Jahre und unzählige Kilometer. Die alten Grafiken der deutschen Meister des 18. und 19. Jahrhunderts in der polnischen und die modernen Illustrationen des polnischen Künstlers Jakub Woynarowski in der deutschen Sprachversion lassen den Blick zwischen den Zeiten schweifen und erinnern kontrastreich daran, dass die Berge zeitlos sind und jeder Generation die Möglichkeit gegeben wird, sie mit den eigenen Sinnen zu erleben.

Es ist ein großer Verdienst des Übersetzers und Verlegers Marcin Wawrzyńczak, mit seiner Übersetzung eine Brücke zwischen der deutschen Vergangenheit und der polnischen Gegenwart der Landschaft zu schlagen. Er gibt den alten Wanderern und Bewohnern der Region eine Stimme, die diese verschwundene Welt erstmalig auch den polnischsprachigen Lesenden zugänglich macht und ihnen damit einen Baustein ihrer kulturellen Identität vor Augen führt.

Wanderer im Riesengebirge. Anthologie der Reiseberichte aus dem 17.-20. Jahrhundert, Autor der Auswahl: Marcin Wawrzyńczak, Zusammenarbeit: Agnieszka Bormann,  Jowita Selewska, 436 Seiten, ISBN 978-3-9819999-6-9, 18 Euro, Bestellung unter: kontakt@schlesisches-museum.de, Lieferung ab Juni 2020. Beide Bücher (deutsch und polnisch) sind ab Juni auch im Museumsladen erhältlich und kosten zusammen 25 Euro.

Die fast 40 Reiseberichte erscheinen erstmalig in polnischer Sprache, übersetzt von Marcin Wawrzyńczak:

Podróżnicy w Górach Olbrzymich. Antologia tekstów źródłowych z XVII-XX wieku. Wybrał i przełożył: Marcin Wawrzyńczak, współpraca: Jowita Selewska, 412 Seiten, ISBN 978-83-952293-6-7, 15 Euro. Bestellung jetzt schon möglich über: https://wielkaizera.com.pl

Die deutsch-polnische Veröffentlichung unter der Redaktion von Agnieszka Bormann wurde gefördert aus Mitteln der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien über das Kulturreferat für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz sowie – dank des Sächsischen Ministeriums des Inneren – mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes.

Text: Agnieszka Bormann