Das Wahrzeichen des Riesengebirges in die Liste niederschlesischer Baudenkmäler eingetragen

Die Wetterstation auf der Schneekoppe ist jetzt offiziell ein Baudenkmal

“Das Bauwerk ist zugleich von historischer, künstlerischer und wissenschaftlicher Bedeutung”, so der Denkmalpfleger der Woiwodschaft Niederschlesien.

Mit dem Beschluss der zuständigen Denkmalbehörde (Dolnośląski Wojewódzki Konserwator Zabytków) vom 8. Juni 2020 wurde das Tadeusz-Hołdys-Observatorium auf der Schneekoppe (Śnieżka) ins Denkmalregister der Woiwodschaft Niederschlesien aufgenommen.

Das Gebäude wurde 1967 bis 1974 nach einem Entwurf der polnischen Architekten Witold Lipiński und Waldemar Wawrzyniak von der Technischen Universität Breslau (Politechnika Wrocławska) erbaut. Der Siegerentwurf wurde bei einem Wettbewerb gekürt. Als Wahrzeichen der Region ist die Wetterstation ein fester Bestandteil der niederschlesischen Landschaft. Die Bauwerksform wurde bereits in ihrer Entstehungszeit als ungewöhnlich angesehen und mit einer fliegenden Untertasse verglichen. Die architektonische Vision versuchte man auf die damals weit verbreitete UFO-Thematik zurückzuführen. Die Architekten betonten aber mehrmals, sie hätten ihre Inspiration in der kargen und pflanzenarmen Gipfellandschaft der Schneekoppe gesucht.

Das Gebäude beherbergte neben der Wetterstation auch eine Gaststätte und musste extremen Witterungsbedingungen standhalten. Dieser durchaus innovative Entwurf, sowohl von seiner Konstruktion als auch seiner Funktionalität her, stieß bei der Presse im In- und Ausland auf große Aufmerksamkeit, was wiederum zur steigenden Popularität des Riesengebirges beitrug.

In einem Interview sagte Witold Lipiński: „Ich ließ mich von den für das Riesengebirge charakteristischen durch Erosion geformten Felsformationen inspirieren. Die Silhouette des Berg-Observatoriums ist den aufeinanderliegenden Felsblöcken von elliptischer Form nachempfunden worden. Eine große Rolle spielten dabei auch aerodynamische Aspekte, die im Flugzeugbau vorherrschend sind und über die ich als passionierter Segelflugzeugpilot so viel gelesen habe. Aufgrund der starken Winde auf der Schneekoppe war eine stromlinienförmige, aerodynamische Silhouette unvermeidlich, um eine entsprechende Dauerhaftigkeit zu gewährleisten. Auch die Aufgaben, die das Observatorium zu erfüllen hat, waren nicht weniger wichtig.“

Das Gebäude sei in historischer, künstlerischer und wissenschaftlicher Hinsicht authentisch und eigenartig, heißt es in der Beschlussbegründung des Denkmalpflegers der Woiwodschaft Niederschlesien.

Trotz durchgeführter Umbau- und Renovierungsmaßnahmen, die mit dem täglichen Gebäudebetrieb und den in dieser Hochgebirgslage herrschenden Witterungsbedingungen zusammenhängen, ist die ursprüngliche Form bis heute deutlich erkennbar. Das Gebäude besteht aus drei scheibenförmigen Bauteilen von unterschiedlicher Größe, die durch einen zentralen Kommunikationskern verbunden sind. Der futuristisch anmutende Bau knüpft an ein ehemals auf der Schneekoppe befindliches Bauwerk an und steht im Einklang mit der St.-Laurentius-Kapelle aus dem 17. Jahrhundert, die auch auf einem kreisförmigen Grundriss errichtet wurde.

„Die Wetterstation ist in ihrer Form fest in der niederschlesischen Landschaft verankert. Sie gilt als Wahrzeichen und Erkennungsmerkmal der Region. Das Gebäude ist ein wesentlicher Bestandteil der hiesigen Gebirgslandschaft und prägt überdies die lokale kulturelle Identität“, heißt es weiter in der Beschlussbegründung des Denkmalpflegers.

Textvorlage: Dolnośląski Wojewódzki Konserwator Zabytków, red. Agnieszka Bormann
Übersetzung: Jowita Selewska