Neuer Glanz für einzigartige Wand- und Deckenmalereien

Die Wand- und Deckenmalereien in der Papiermühle in Bad Reinerz/ Duszniki-Zdrój werden renoviert

Das polnische Ministerium für Kultur und Nationales Erbe sowie die Wojewodschaft Niederschlesien fördern die Maßnahmen.

Sie sind ein Unikat. In der historischen Papiermühle in Bad Reinerz/ Duszniki-Zdrój, in der das Muzeum Papiernictwa (Papiermuseum) seinen Sitz hat, werden gerade außergewöhnliche Wand- und Deckenmalereien restauriert. Erst 1969 freigelegt, blieben sie lange Zeit verborgen. Erstaunlicherweise waren sie den letzten Hausbesitzern, der Familie Wiehr, völlig unbekannt. Reich bemalte Decken und Wände gibt es in zwei Räumen im zweiten Obergeschoss: im sog. „Saal unter der Kuppel” und im „Josephsaal“. Dieses Jahr werden insgesamt über 55 Quadratmeter bemalter Fläche restauriert.

„Malereien dieser Art kommen überwiegend in Kirchen und Schlössern vor, und wohl gar nicht in Fabriken. Die Papiermühle in Bad Reinerz zählt zu den wenigen – wenn nicht dem einzigen – Industriegebäuden, die im 17. und 18. Jahrhundert eine polychrome Ausschmückung bekamen. Aus diesem Grund gelten diese Dekors der Innenräume als europaweit einzigartig. Sie zeugten von einer hohen Stellung der Papierfabrikanten und dienten gleichzeitig als Ausdruck ihrer Zugehörigkeit zur Elite des Glatzer Berglandes“, erklärt der Direktor des Papiermuseums in Bad Reinerz Dr. habil. Maciej Szymczyk.

Dieser Teil der Papiermühle, in dem es Wand- und Deckenmalereien gibt, diente einst repräsentativen Zwecken. Die Paraderäume wurden möglicherweise als Empfangsräume genutzt, um Handelsgespräche zu führen. Die Dekorationen stellen Genreszenen und Pflanzenmotive dar. Im „Josephsaal“ sind die Wandmalereien an ein Bühnenbild angelehnt. Auch gemalte Scheinarchitektur ist in diesem Raum vorhanden. Auf den Wandmalereien sind überdies Friedrich der Große und vermutlich der damalige Besitzer der Papiermühle, Joseph Ossendorf, abgebildet.

„Eine der Szenen zeigt die biblische Erzählung von Joseph und der Frau des Potiphar und ist eine Anspielung auf die Lebensgeschichte Ossendorfs. Er war der jüngste Sohn eines reichen Papierfabrikanten in Böhmen. Von seinen älteren Brüdern seiner Habe beraubt, kam er im Glatzer Bergland an. Durch seinen Fleiß gewann er bald das Vertrauen des hiesigen Papiermüllers. Er wurde sein Schwiegersohn und Erbe der bekanntesten Papiermühle Schlesiens.  Derjenige also, der von seinen Brüdern aus der Heimat vertrieben wurde, kam in einem fremden Land zu Ehren und Würden. Die Reinerzer Papiermacher waren doch königliche Papiermacher“, so Dr. habil. Maciej Szymczyk.

In der Welt der ehemaligen Manufakturen gelten die dekorativen Malereien als Unikat, deshalb macht das Papiermuseum alles, damit sie so lange wie möglich erhalten bleiben. Die von hier stammenden Papiermacher waren so reich, dass sie sich nicht nur Dekors dieser Art leisten konnten, sondern auch eine Papiermühle, deren Außenform mehr an einen Adelssitz als ein Industriegebäude erinnert.

Das Museum ließ 2018 einen Plan für die Restaurierungsarbeiten entwickeln. Die zweite Phase dauert gerade an. Dafür ist die Krakauer Firma Ars Fortis Sp. z o.o. unter der Leitung von Maria Lelek-Pietrzak zuständig. Und die Arbeiten machen gute Fortschritte! Im „Josephsaal“ wurden zunächst sichernde Maßnahmen durchgeführt und nur ein Teil der Dekors aufgefrischt. Jetzt wird die Restaurierung sonstiger Wand- und Deckenmalereien fortgesetzt. Grundlegend wird das Deckengemälde im „Saal unter der Kuppel“ konserviert. Es ist an die illusionistische Malerei aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert angelehnt und knüpft an die Werke von Andrea Pozzo, dem Maler der Barockzeit, an.

Polnisches Ministerium für Kultur und Nationales Erbe hat dem Papiermuseum eine Förderung für die konservatorischen Maßnahmen im Rahmen des Programms „Denkmalschutz“ zugewiesen. Auch die Selbstverwaltung der Wojewodschaft Niederschlesien ist finanziell beteiligt. Die Papiermühle befindet sich gerade auf dem Weg zum UNESCO-Weltkulturerbe und die Ausführung von Konservierungsarbeiten ist einer der Schritte, dieses Ziel zu erreichen.

Text: Joanna Lamparska
Übersetzung: Jowita Selewska
Foto: Papiermuseum/ Muzeum Papiernictwa Duszniki-Zdrój