Dietrich Bonhoeffers Spuren in Breslau/ Wrocław

Vor 115 Jahren wurde in Breslau der berühmte evangelische Theologe geboren

Sein geistiges Erbe wirkt bis heute in der Stadt.

Vor 115 Jahren wurde in Breslau der berühmte evangelische Theologe, Vorkämpfer der Ökumene und führender Vertreter des kirchlichen Widerstandes – Dietrich Bonhoeffer geboren. Und obwohl er in der niederschlesischen Hauptstadt nur die ersten sechs Jahre seines Lebens verbrachte, sind sein Geist und seine Botschaft hier bis heute präsent. Man findet in Breslau sein Geburtshaus, ein ihm zu Ehren aufgestelltes Denkmal an der Elisabethkirche, seine Büste in der Galerie der berühmtesten Bürger der Stadt im Rathaus.

Das Denkmal zu Ehren des großen Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer. Es wurde im April 1996 vor der Elisabethkirche in Breslau hingestellt.

Sein Leben inspirierte auch den verstorbenen Breslauer Dichter Tadeusz Różewicz, der sein Gedichtband „Nauka chodzenia“ („Gehen lernen“) dem Theologen widmete. Von Bonhoeffer sollte der berühmte polnische Dichter wieder gehen, lesen, schreiben und denken gelernt haben. Die Ideen von Dietrich Bonhoeffer fanden auch Verwirklichung in dem Breslauer „Viertel der vier Konfessionen“, bekannt auch als „Viertel des Gegenseitigen Respekts“, wo in einer kleinen Entfernung voneinander eine Synagoge, eine evangelische, eine römisch-katholische und eine orthodoxe Kirche stehen und wo vier verschiede Religionen vertreten sind. Hier wird Bonhoeffers Ökumene-Gedanke fort- und umgesetzt.

Die Büsten von Dietrich Bonhoeffer und Edith Stein. Dietrich Bonhoeffer setzte sich gegen die Judendiskrimination und den Arier-Paragraphen, der u.a. die jüdisch-christlichen Pfarrer ausschloss.

Am 4. Februar 1906 wurden in Breslau Zwillinge Sabine und Dietrich geboren. Die Familie Bonhoeffer wohnte in einer schönen Villa in dem Wohnviertel Grüneiche – am Birkenwäldchen 7 (heute ul. Bartla 7). Der Vater Karl Bonhoeffer war Leiter der Psychiatrischen- und Nervenklinik in Breslau. Im Jahre 1907 wurde die Klinik in ein neues Gebäude, in die Auenstrasse 42 a (ul. O. Bujwida 42), nicht weit von Bonhoeffers Familienhaus verlegt. Karl Bonhoeffer beschäftigte sich vor allem mit den Alkoholsüchtigen und Delirium-Kranken. Die Klinik befand sich gegenüber dem Laurentiusfriedhof, deshalb konnte sich der kleine Dietrich vor allem an die Beerdigungszüge und die vielen Beerdigungslieder erinnern. Vielleicht blieben sie ihm auch deswegen im Kopf, weil alle Kinder (es waren insgesamt acht) sehr musikalisch waren. Dietrich spielte hervorragend Klavier. Im Jahre 1912 wurde der Vater zur Charité-Klinik nach Berlin berufen, die Familie zog um. Die Leitung der Klinik in Breslau hat dagegen Alois Alzheimer übernommen (s. SILESIA News ).

In Berlin besuchte Bonhoeffer das Gymnasium und studierte Theologie (teilweise in Tübingen, teilweise in Berlin). Zwei Tage nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, hielt Bonhoeffer am 1. Februar 1933 einen Rundfunkvortrag zum Thema „Wandlungen des Führerbegriffs in der jungen Generation“. Bonhoeffer warnte davor, dass der Führer zum Idol gemacht wird. „Führer und Amt, die sich selbst vergöttern, spotten Gottes“. Der Vortrag wurde vorzeitig durch die Redaktion unterbrochen. Als sich die katholische Kirche den Nationalsozialisten unterordnete, suchte er nach einer Alternative. Er entschied sich, aus der Kirche auszutreten und die bekenntnistreue Kirche (Bekennende Kirche) zu gründen.

Das Eingangstor zum Laurentiusfriedhof. Gegenüber befand sich die Klinik, wo der Vater von Dietrich Bonhoeffer arbeitete.

Ende 1933 reiste er nach London, wo er anderthalb Jahre lang arbeitete und seine ökumenischen Horizonte erweiterte. Im März 1935 kehrte er nach Deutschland zurück, um das Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde (heute Stettin) zu übernehmen, das er später auch illegal führte, nachdem er das Lehr-, Rede- und Veröffentlichungsverbot erhielt. Er schloss sich dem Widerstand an und wurde Doppelagent der Abwehr. Am 5. April 1943 verhaftet, wurde er zwei Jahre später auf ausdrücklichen Befehl Adolf Hitlers im KZ Flossenbürg kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges hingerichtet. Seine bekanntesten Verse „Von guten Mächten wunderbar geborgen…“ wurden vertont und in viele Sprachen, auch ins Polnische übersetzt.  

Text und Fotos: Małgorzata Urlich-Kornacka