Denkmäler für Frauen in Breslau

Ein Postskriptum zum Internationalen Frauentag

Anlässlich des Frauentages konnte man in Breslau (Wrocław) an der Fahrradtour „Frauen auf die Denkmäler!“ teilnehmen.

Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März konnte man in Breslau (Wrocław) an verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen, u.a. an einer Fahrradtour unter dem Titel „Frauen auf die Denkmäler!“ Während der Tour wurden bekannte und weniger bekannte Denkmäler, Schilder, Plätze und Murals präsentiert, die den Frauen gewidmet sind. Hier eine kleine Auswahl davon: 

Denkmal „Der gläserne Planet“ von Ewa Rossano

Das Denkmal entstand 2012 für die Ausstellung OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) in Paris. Als die Statue vor den Sitz der Organisation: das Palais La Muette gestellt wurde, hat sie der ehemalige Stadtpräsident von Breslau – Dr. Rafal Dutkiewicz – gesehen und entschied sich sofort, sie für das damals neu entstehenden Viertel der Vier Konfessionen in Breslau (Wroclaw) zu kaufen. Die Frau in dem Kleid, das an die Welterdkugel erinnert, sollte die Einheit der Welt trotz der religiösen Unterschiede ausdrücken. Für den Viertel, in dem in einer kleinen Entfernung voneinander sich drei Kirchen: eine römisch-katholische, evangelische, orthodoxe und eine Synagoge befinden, sollte die Skulptur ideal sein. Bis heute bildet das Denkmal einen symbolischen Eingang ins Viertel der gegenseitigen Achtung.

Die Hochwasserfrau (Powodzianka) von Stanislaw Wysocki

Das Denkmal stellt eine Frau dar, die aus den Wellen der Oder hervorsteigt und Bücher auf dem Arm trägt. Es ist allen Einwohnern gewidmet, die mit dem großen Hochwasser des Jahres 1997 gekämpft haben. Die „Hochwasserfrau“ ist ein Dankeschön an die Freiwilligen, die während der Katastrophe geholfen haben, Dokumente, Archivalien und Bücher zu retten. Das Denkmal wurde am ersten Jahrestag der Flut enthüllt.

Der Boulevard der Stimmrechte für Frauen

Der vor einigen Jahren (2018) renovierte Sonnenboulevard (Bulwar Słoneczny) in Breslau wurde den Frauen gewidmet. Neben dem Geh- und Fahrradweg wurden Tafel eingemauert, die über das Frauenstimmrecht in verschiedenen Ländern der Welt informieren. Am schnellsten haben die Frauen das Stimmrecht in Finnland (1906), Norwegen (1915) und Dänemark (1917) bekommen. In Deutschland, Russland, Ukraine, Lettland, Litauen, Estland kam es 1918 zustande. In Polen haben die Frauen ihre Rechte auch 1918 bekommen, nachdem der polnische Staat nach dem Ersten Weltkrieg wieder die Unabhängigkeit gewonnen hatte. Dieser Anlass (das 100. Jubiläum der Unabhängigkeit Polens und das 100. Jubiläum der Gewährung von Stimmrechten für Polinnen) wurde in Breslau in Form von diesem Boulevard gedenkt. Auf dem Boulevard steht auch das Betondenkmal „Mutterschaft“ von Jadwiga Skomorowska aus dem Jahre 1970.

Bunte Hinterhöfe im Odertor-Viertel (Stadtteil Nadodrze)

Im Odertor-Viertel (Nadodrze) befinden sich ganz viele Innenhöfe, die jahrzehntelang vernachlässigt und von allen vergessen wurden. Zwei davon ziehen seit einiger Zeit Breslauer und Touristen an – das ist den Breslauer Künstlern (u.a. Mariusz und Jan Mikołajkowie, Witold Liszkowski und Miłosz Flis) zu verdanken, die 2013 eine Stiftung OK! ART gründeten. Sie entschieden sich, im Hof an der Roosevelta-Str. 5 das Zentrum für kulturelle Hofanimation (OKAP) zu eröffnen und im Rahmen ihrer Tätigkeit Mal- und Kunstworkshops für die Bewohner von Nadodrze zu organisieren. Mit der Zeit wurden die „Ergebnisse“ der Workshop an die Fassaden befestigt, thematisch angeordnet und durch die Murals ergänzt. Es entstanden die sog. bunten Hinterhöfe, die sich einer großen Popularität erfreuen. Hier findet man Porträts von vielen Frauen, u.a. Frida Kahlo.

Denkmal „Warten“

Im Jahre 1979 fand in Twardogóra ein Mal- und Bildhauer-Pleinair statt, bei dem viele interessante Gemälde und Skulpturen entstanden sind. Eine davon ist die Freilichtkomposition „Warten”. Sie zeigt zwei große, stilisierte Sessel. Auf einem davon sitzt eine attraktive, geheimnisvolle Frau. Die Skulptur wurde 1980 gegenüber dem Nationalmuseum aufgestellt. Die Autoren der Komposition sind die bekannten Breslauer Bildhauer Anna Malicka-Zamorska und Ryszard Waldemar Zamorski. Alle Elemente der Skulptur sind aus Keramik gefertigt, die bei einer Temperatur von 700 °C in den Keramikwerken in Żarów gebrannt wurden.

Die Breslauerin

Die junge Breslauerin erinnert ein bisschen an Pipi Langstrump. Aber das ist nur der erste Eindruck. Der Schöpfer des Denkmals Waldemar Szmatuła wollte, dass die Skulptur die weiblichen Elemente der Stadt verkörpert: Jugend, Dynamik, mit einem Hauch von Koketterie und gespielter Bescheidenheit. Die Silhouette drückt die Schwungkraft der Breslauer Gotik, die Zöpfe wecken die Assoziationen mit dem Zifferblatt der Rathausuhr. Die Blume in den Händen ist eine Erinnerung an das Breslauer Blumenfest. Das Denkmal wurde 2010 in der Nähe der Dominikaner-Galerie enthüllt.

Die geheimnisvollen Liebenden

Dort, wo vor dem Zweiten Weltkrieg ein Etablissement Wappenhof stand, befindet sich heute das Institut für Niedrigtemperatur- und Strukturforschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften (an der Straße ul. Okólna). Vor dem Institut steht ein Skulpturenbrunnen, der als „Die Liebenden” oder „Die Verliebten” bekannt ist. Er entstand um 1970 und wurde 1987 an seinen heutigen Standort verlegt. Leider ist der Autor des schönen Brunnens nicht bekannt.

Die jagende Diana

Das Originaldenkmal von Ernst Seger wurde 1898 im Scheitniger Park aufgestellt. Es stellte die Jagdgöttin Diana mit einem Speer in Begleitung von zwei Hunden dar. Die Skulptur ging 1945 während der Belagerung von Breslau verloren. 70 Jahre lang blieb nur ein leerer Sockel aus Felsbrocken im Park stehen. Dank der Bemühungen von Jägern wurde im September 2015 eine originalgetreue Rekonstruktion der Statue enthüllt. Die jagende Diana ist in Begleitung von Hunden (polnischen Jagdhunden) zu sehen. Der Autor der Rekonstruktion ist der Bildhauer Ryszard Zarycki.

Denkmal für Krankenschwestern

Bis vor kurzem war das Denkmal für Krankenschwestern in Breslau wahrscheinlich die einzige Skulptur dieser Art in Europa! Dieses drei Meter hohe Werk von Feliks Kocianowski entstand 1974 auf Initiative der Polnischen Krankenpflegegesellschaft. Das Denkmal steht bis heute in der Straße ul. Bartla 5, im Innenhof der Fakultät für öffentliche Gesundheit der Medizinischen Universität Breslau.

Mural von der Partnerstadt Breda

Das Wandbild von Robin Nas (bekannt auch als Zenk One) in der Straße ul. Łukasiewicza 16 ist ein Geschenk von Breda, der holländischen Partnerstadt von Breslau. Es stellt eine junge elegante Dame vor – es ist eine symbolische Hommage an die Leistungen der Frauen aus Breslau beim Wiederaufbau der nach dem Krieg zerstörten Stadt und bei der Entwicklung der Wissenschaft. Auf dem Mural sind auch polnische Soldaten zu sehen – es ist die Anknüpfung an die Befreiung von Breda durch die polnische 1. Panzerdivision während des Zweiten Weltkriegs vom 28. bis 30. Oktober 1944.

Text und Bilder: Małgorzata Urlich-Kornacka