Der Vorzeigebau der Moderne von Adolf Rading beherbergte bis 2011 ein Kino
Jetzt gehört das Gebäude der Stadt und wird gründlich saniert. Über die Nutzung wird noch diskutiert.
Die Perle der Architektur der Moderne von Adolf Rading wird gerettet. Das Gebäude des ehemaligen Kinos „Lwów” (dt. Lviv) wurde von der Stadt für 4,7 Millionen Zloty von einem privaten Investor gekauft und soll nun gründlich renoviert werden.
Das Kino wurde 2011 aufgrund des schlechten technischen Zustands des Gebäudes geschlossen. Was könnte im ehemaligen Kino „Lwów” entstehen? Mögliche Nutzungsarten sind unter anderem ein Kulturzentrum, ein Ausstellungs- und Messezentrum, ein Kongress- und Konferenzzentrum. Eine Umwandlung dieses Gebäudes beispielsweise in ein Einkaufszentrum, ein Hotel oder ein Wohngebäude ist nicht zulässig. Das gesamte Gebäude hat eine Fläche von fast 3000 m².


Das modernste Gebäude der Stadt
Das modernistische Gebäude in der ehemaligen Kürassierstr. 15, heute Hallera-Allee, wurde in den Jahren 1925–1927 nach einem Entwurf von Adolf Rading erbaut. Der deutsche Architekt war von Berlin nach Breslau gezogen und verbrachte hier von 1919 bis 1933 seine besten beruflichen Jahre. In dem Gebäude, das ursprünglich für repräsentative, gesellschaftliche und administrative Zwecke gedacht war, hatte eine Wohltätigkeitsorganisation Odd Fellows-Loge aus England ihren Sitz. Die Odd Fellow-Loge war bei ihrer Eröffnung im Jahr 1927 das modernste Gebäude der Stadt. Ihre Ästhetik war von der niederländischen Künstlergruppe De Stijl inspiriert. Die graue Fassade wurde durch weiße Akzente aufgelockert. Die breite Eingangstreppe, die durch niedrige Stufen hervorgehoben wurde, wurde von zwei hohen, halbzylindrischen Lampen aus mattem Glas beleuchtet. Im Erdgeschoss befanden sich eine prächtige Eingangshalle und die Wohnung des Hausmeisters. Eine repräsentative, mit geometrischen Motiven verzierte Treppe führte in die oberen Stockwerke. Im ersten Stock befanden sich ein Clubraum, eine Bibliothek und Konferenzräume. Im zweiten Stock gab es zwei unterschiedlich große Säle für Empfänge usw. Im Untergeschoss befanden sich eine Küche und eine Kegelbahn.

Kino für Propagandazwecke
Als die Nazis an die Macht kamen, wurde die Organisation (als Freimaurerorganisation interpretiert und als „schädlich“ angesehen) 1935 abgeschafft. Das Gebäude wurde beschlagnahmt und in ein Kino „Roxy-Film-Palast“ umgewandelt. Die Fassade wurde nicht deutlich umgebaut, aber die Innenräume wurden total für die neuen Zwecke verändert.
Das Roxy-Film-Palast wurde am 1. März 1938 für die breite Öffentlichkeit eröffnet (am 28. Februar fand die feierliche Eröffnung für eingeladene Gäste statt), es bot Platz für 800 Zuschauer (600 im Parkett und 200 auf dem Balkon). Der erste Film, der in diesem Kino gezeigt wurde, war der französische Film „Der König” („Le roi”). 1942 wurde das Kino in „Rex” umbenannt, nach dem Krieg wurde es am 7. November 1950 als „Przodownik” (dt. Vormann) wiedereröffnet. Ende der 1980er Jahre wurde der Name in „Lwów“ verändert (es sollte die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat und die Verbindung zwischen Breslau und Lemberg unterstreichen). Für die südlichen Stadtteile von Breslau war es jahrzehntelang eine wichtige kulturelle Einrichtung.


Das Kino „Lwów“ wurde 2011 geschlossen. Das stillgelegte und verfallende Gebäude ging 2019 in private Hände über. Die regionale Kultureinrichtung Odra-Film hat es an ein Unternehmen aus der Fitnessbranche – die Firma Verdano Investment aus Krakau – verkauft, die vorhatte, hier einen Sportclub zu eröffnen. Sie reichte sogar einen Antrag beim Rathaus ein und erhielt die Genehmigung für den Umbau, aber die Investition wurde nie wirklich in Angriff genommen. Der offizielle Grund für die Aufgabe der Pläne war die Pandemie.
Jetzt soll das Gebäude neue Chance bekommen. Die genauen Nutzungspläne (z. B. ob es wieder ein Kino oder ein Kulturzentrum wird) sind nach Jahren der Zerstörung des Gebäudes immer noch Gegenstand von Diskussionen. „Ich möchte, dass es uns weiterhin dient. Wir haben viel Arbeit vor uns. Aber der erste Schritt ist getan“ – sagte der Stadtpräsident Jacek Sutryk nach dem Kauf.


Text: Małgorzata Urlich-Kornacka
Bilder: www.wroclaw.pl
