Das Schlesische Museum zu Görlitz feierte drei Jubiläen

Am 30. Mai 2026 fanden eine Festveranstaltung und eine Ausstellungseröffnung statt

Etwa 130 Gäste aus Politik, Kultur und der Museumslandschaft waren beim Festakt anwesend.

Mit einer feierlichen Veranstaltung in der Görlitzer Synagoge beging das Schlesische Museum zu Görlitz am 30. Mai 2026 mehrere Jubiläen, die in diesem Jahr zusammentreffen: Vor 30 Jahren wurde die Stiftung gegründet mit dem Ziel, eine zentrale Einrichtung in Deutschland zu schaffen, die sich der Bewahrung schlesischen Kulturgutes und der Vermittlung schlesischer Geschichte und Kultur widmet. Als Stiftungspartner schlossen sich die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Sachsen, die Stadt Görlitz und die Landsmannschaft Schlesien zusammen. Ein weiterer wichtiger Höhepunkt war die Eröffnung des Schlesischen Museums im Jahr 2006 im Schönhof. Das Gebäude war nach jahrelanger Sanierung und Restaurierung zu einem modernen Ausstellungs- und Veranstaltungsort geworden. Seither ist das Renaissancehaus, das in diesem Jahr auf sein 500-jähriges Bestehen zurückblickt, wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Festveranstaltung des Schlesischen Museums zu Görlitz in der Synagoge

Etwa 130 Gäste aus Politik, Kultur und der Museumslandschaft in Deutschland und Polen waren bei der Festveranstaltung anwesend. Museumsdirektorin Dr. Agnieszka Gąsior und das Mitarbeiterteam danken allen Gästen für ihr Kommen und ihre Gratulationen. Als Redner traten auf: Jarosław Rabczenko, Vizemarschall der Woiwodschaft Niederschlesien, Aline Fiedler, Abteilungsleiterin Kunst im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu, Margarethe Ziegler-Raschdorf als Vertreterin der Landsmannschaft Schlesien – Nieder und Oberschlesien e. V. sowie der Direktor des Nationalmuseums Breslau, Prof. Dr. hab. Piotr Oszczanowski. Mit einer Videobotschaft übermittelte Dr. Bernd Fabritius, der Beauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten im Bundesministerium des Innern, seine Anerkennung und Glückwünsche. Dr. Agnieszka Gąsior gab in ihrer Ansprache einen Überblick über die Entwicklung des Museumsprojektes und dankte allen Wegbegleitern.

v. l.: Markus Franke, Bevollmächtigter des Freistaates Sachsen beim Bund; Museumsdirektorin Dr. Agnieszka Gąsior, Oberbürgermeister Octavian Ursu, Jarosław Rabczenko, Vizemarschall der Woiwodschaft Niederschlesien – Dolny Śląsk

Gratulationen und Bestätigung für das Museum

In ihren Grußworten bescheinigten die Gastredner dem Museum eine erfolgreiche Bilanz und hoben seine Bedeutung in mehrfacher Hinsicht hervor. Mit dem Schlesischen Museum zu Görlitz sei ein Ort geschaffen worden, der das kulturelle Erbe Schlesiens bewahrt und mit seinen Ausstellungen, Veranstaltungen, Projekten und Publikationen lebendig hält. Auf diese Weise trage es dazu bei, die Erinnerungen und die Identität vieler Menschen, deren Biografien mit Schlesien verbunden sind, zu unterstützen und zu erhalten. Darüber hinaus erfülle das Museum einen wichtigen Auftrag in der Vermittlung von Wissen über Schlesien. Mit seinem Sitz in Görlitz biete es die besten Möglichkeiten, die schlesische Geschichte und Gegenwart vor Ort zu erkunden und grenzüberschreitende Kooperationen einzugehen.

Das Museum als Kulturbrücke über die Neiße

Besonders berührend waren die anerkennenden Worte von Jarosław Rabczenko, des Vizemarschalls der Woiwodschaft Niederschlesien. Er erwähnte die anfängliche politische Zurückhaltung der polnischen Seite gegenüber der Museumsgründung und betonte, entgegen manchen Befürchtungen habe das Schlesische Museum in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten bewiesen, dass die Geschichte Schlesiens das verbindet und zusammenführt, was die Vergangenheit einst getrennt hat. „Sie haben hier einen Raum von unschätzbarer Bedeutung geschaffen – eine moderne Kulturbrücke über die Neiße hinweg.“ Das Museum trage zur Überwindung von Tabus und zum Aufbau eines klugen Dialogs bei. „Hier werde die schwierige Geschichte der damaligen Bewohner und die Entstehung einer neuen polnischen Identität Schlesiens nach 1945 objektiv und mit großem Respekt vor den menschlichen Schicksalen dargestellt.“

Auch Prof. Dr. Piotr Oszczanowski, Direktor des Muzeum Narodowe we Wrocławiu (Nationalmuseum in Breslau) würdigte das Schlesische Museum zu Görlitz als eine unverzichtbare Institution der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Er hob besonders die hohe Qualität der Ausstellungen, der Bildungsarbeit sowie das zweisprachige Kulturprogramm hervor. Für die Zukunft wünschte Oszczanowski dem Museum, seinen erfolgreichen Weg fortzusetzen und weiterhin durch Dialog und Zusammenarbeit die Menschen über die Grenzen hinweg miteinander zu verbinden.

Ein Ort der Erinnerung und Identität

Diesen Auftrag zur kulturellen Bildung, Erinnerungskultur und Verständigung unterstrich ebenfalls Dr. Bernd Fabritius, der Beauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten im Bundesministerium des Innern. In seiner Videobotschaft verwies er auf die Bedeutung des Museums für die Aussiedler- und Minderheitenpolitik der Bundesregierung. Es trage dazu bei, das Bewusstsein jüngerer Generationen in Deutschland und auch im Dreiländereck für das Schicksal von geflüchteten und vertriebenen Menschen zu schärfen.

Als Vertreterin der Landsmannschaft Schlesien – Nieder und Oberschlesien e. V. beglückwünschte Margarete Ziegler-Raschdorf das Museum zu seiner erfolgreichen Bilanz. Seine Entstehung sei von zentraler Bedeutung für die Landsmannschaft. In ihren Grußworten bezeichnete sie das Museum als einen Ort der Bewahrung und Vermittlung des schlesischen Kulturerbes, der Erinnerung und Identität sehr vieler Menschen. Mit seiner Arbeit trage es bei zum Dialog und Perspektivenwechsel über Ländergrenzen und Generationen hinweg. Für die Zukunft wünschte sie dem Haus dauerhafte Finanzierung, noch größere nationale und internationale Ausstrahlung sowie weitere Fortschritte in der Bildungsarbeit und Digitalisierung.

Verbundenheit mit Görlitz und dem Schönhof

Alle Gastredner gingen auf das 500. Jubiläum des Schönhofes ein und betonten den großen architektonischen Wert des Hauses. Das Renaissancegebäude verleihe dem Museum einen besonderen Rahmen und trage wesentlich zu seiner Ausstrahlung bei. Aline Fiedler, Abteilungsleiterin Kunst im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, stellte das Schlesische Museum als ein wichtiges kulturelles Aushängeschild der Stadt dar. Es stärke Görlitz als Ort europäischer Geschichte, ziehe Besucher aus dem In- und Ausland an und bereichere das kulturelle Leben der Stadt. Dies brachte auch Oberbürgermeister Octavian Ursu zum Ausdruck: „Das Schlesische Museum bewahrt nicht nur die Geschichte Schlesiens – es macht sie lebendig und verbindet Menschen über Grenzen hinweg. Gerade in unserer Europastadt Görlitz/Zgorzelec zeigt sich jeden Tag, wie wichtig Orte des Dialogs, der Erinnerung und der gemeinsamen kulturellen Identität sind.“

Bilanz des Museums und Ausblick

In ihrer Festrede schilderte Museumsdirektorin Dr. Agnieszka Gąsior den Entwicklungsweg der Institution. Die Pläne für ein Schlesisches Museum existierten in den Altbundesländern seit den 1970er Jahren und wurden nach der politischen Wende nach Görlitz gelenkt. So entstand das Museum in einer historisch zu Schlesien gehörenden Stadt und an der deutsch-polnischen Grenze. Damit habe von Beginn an auch die Aufgabe bestanden, einen Beitrag zu einer aktiven Erinnerungskultur und zur Verständigung über Grenzen hinweg zu leisten.

Die Direktorin schätzte ein: „Im Umgang mit den schwierigen Kapiteln von Diktatur, Krieg, Flucht und Vertreibung bewegt sich das Museum bis heute in einem Spannungsfeld unterschiedlicher Erwartungen – aus Deutschland ebenso wie aus Polen. Dieser Verantwortung stellt sich das Museum seit 20 Jahren in seinen wechselnden Sonderausstellungen, in seiner Kommunikation und Vermittlungsarbeit. Mit der Zeit entwickelten sich vertrauensvolle und vielfältige Partnerschaften mit polnischen Institutionen – begünstigt durch die unmittelbare Nachbarschaft. Zugleich hat sich der Blick auf Schlesien seit den Anfängen des Projekts deutlich verändert. Ein Schlesisches Museum im 21. Jahrhundert (…) richtet sich auch an Menschen, die zunächst einmal keine persönliche Beziehung zur Region haben, und soll Schlesien als gemeinsamen europäischen Kulturraum sichtbar machen, der weit über seine Grenzen hinaus strahlt.“

Die Festveranstaltung war Anlass für Danksagungen an Wegbereiter, Förderer, Partner und an die Mitarbeiter des Museums. Stellvertretend für die Menschen, die über viele Jahre in besonderer Weise zum Erfolg und zur Entwicklung dieses Museums beigetragen haben, bedankte sich das Museum mit Ehrengaben bei Dr. Markus Bauer, Direktor des Schlesischen Museums 1999-2021, Julita Zaprucka, Direktorin des Riesengebirgsmuseum in Hirschberg (Jelena Góra) und Margrit Kempgen, ehemalige Geschäftsführerin der Kirchlichen Stiftung evangelisches Schlesien und Leiterin der Geschäftsstelle Evangelisches Schlesien.

v. l.: Museumsdirektorin Dr. Agnieszka Gąsior, Margrit Kempgen, Dr. Steffen Menzel und Dr. Marius Winzeler vom Stiftungsvorstand des Museums, Dr. Markus Bauer, Direktor des Schlesischen Museums 1999-2021, und Julita Zaprucka, Direktorin des Riesengebirgsmuseum in Hirschberg (Jelena Góra)

Museum präsentiert seine Jubiläumsausstellung „Wir sind SCHÖNHOF!“

Am Abend des Festtages strömten viele Besucherinnen und Besucher in das Museum, um die Eröffnung der Jubiläumsausstellung „Wir sind SCHÖNHOF!“ mitzuerleben. Sie stellt die Bau- und Nutzungsgeschichte des Hauses dar und führt zu seinen architektonischen Sehenswürdigkeiten. Auch die beeindruckenden Leistungen bei der Sanierung und Restaurierung in den Jahren 1995 bis 2005 werden vor Augen geführt. Die Ausstellung vermittelt interessant und eindrucksvoll, welche Bedeutung der Schönhof für Görlitz und seine Menschen hat. An Hörstationen berichten Zeitzeug*innen und Expert*innen von ihrer Arbeit und ihren Erlebnissen im Haus. Besondere Objekte aus der Sammlung des Museums und Ausstellungsplakate vermitteln einen Eindruck vom Entwicklungsweg des Schlesischen Museums. Eine besondere Attraktion der Ausstellung ist ein eigens hergestellter Animationsfilm: Er führt Kinder und Erwachsene auf unterhaltsame Weise durch die wechselvolle Geschichte des Schönhofes.

Text: Martina Pietsch, SMG

Fotos: Paul Glaser / glaserfotografie.de