Aleksander-Gieysztor-Preis für Professor Ewa Chojecka

Am 19. März erhielt die herausragende Kunsthistorikerin im Königsschloss zu Warschau die prestigeträchtige Auszeichnung

Professor Chojecka setzte sich seit den frühen 1980er Jahren für Kunstwerke ein, die aus verschiedenen Gründen als unerwünscht galten.

Professor Ewa Chojecka wurde mit dem Aleksander-Gieysztor-Preis ausgezeichnet. In der Laudatio bei der Verleihung des Preises betonte Prof. Jacek Purchla, Vorsitzender des Ehrenausschusses, dass Prof. Chojecka eine Fachfrau von höchstem Rang sei, die die gegenwärtigen Sichtweisen vor allem auf die oberschlesische Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt habe. Noch vor wenigen Jahrzehnten, so Prof. Purchla, habe die Meinung dominiert, dass es in dieser Region keine wertvolle Kunst gebe. Dank Prof. Chojecka sei es gelungen, diese ungerechtfertigte Behauptung zu ändern.

Prof. Ewa Chojecka nach der Verleihung des Preises im Warschauer Königsschloss. Quelle: Facebook-Account Muzeum Śląskie.

Die Preisträgerin setzte sich bereits seit der Liberalisierung nach der Gründung der freien Gewerkschaft „Solidarność“ 1980 für Kunstwerke ein, die aus verschiedenen Gründen als unerwünscht galten oder in Vergessenheit geraten waren. Konsequent bemühte sie sich nicht nur um die Bewahrung des polnischen, sondern auch des tschechischen, deutschen, österreichischen und jüdischen Erbes. Überdies rang und ring sie immer noch mit großem Engagement darum, der deutschen Sprachinsel Bielitz. einen entsprechenden Platz im historischen Gedächtnis einzuräumen.

Prof. Chojecka kam 1933 im ostschlesischen Bielitz (Bielsko) zur Welt. Damals machten die Deutschen noch einen großen Anteil der Einwohner der Stadt aus, die in den 1950er Jahren mit dem kleinpolnischen Biala (Biała) zusammengeschlossen wurde. Chojecka ist Absolventin der Jagiellonen-Universität in Krakau (Kraków), an der sie nach ihrem Studienabschluss unterrichtete. In den späten 1970er Jahren wechselte sie an die frisch gegründete Schlesische Universität in Kattowitz (Katowice).

Bei der Entgegennahme der Auszeichnung sagte Prof. Chojecka, dass sie diese als Krönung ihres langjährigen Wirkens betrachte. „Es war mir immer ein Anliegen, die Erinnerung an die zu Unrecht vergessenen Kunstwerke wiederherzustellen. Man soll sie nicht in polnische, deutsche oder andere teilen. Manchmal ist dieses Erbe unbequem oder sogar unerträglich, aber wir dürfen uns nicht davon distanzieren, denn all diese Werke sind vor allem Teil unseres gemeinsamen europäischen Erbes“, betonte sie.

Das habsburgisch geprägte Bielitz., aktuelle Luftaufnahme. Quelle: http://kocjan.pl, Wikimedia Commons

Der Aleksander-Gieysztor-Preis wird seit dem Jahr 2000 von der Leopold-Kronenberg-Stiftung für herausragende Verdienste im Bereich der Erhaltung des kulturellen Erbes in Polen verliehen.

Text: Dawid Smolorz