Zwei Vorschläge rund um Gottesberg (Boguszów-Gorce)
Die ehemalige Bergbaustadt sucht ihre Entwicklungschancen im Tourismus.
Die regionale Niederschlesische Bahn – Koleje Dolnośląskie – bietet immer neue Verbindungen an. Es ist schnell, preiswert und (meist) pünktlich. Von Breslau (Wrocław) aus hat man immer mehr Möglichkeiten, Ausflüge in die Umgebung und weitere Region zu machen.
Hier ein Vorschlag – der Ausflug nach Boguszów-Gorce (früher Gottesberg) mit dem Zug und von hier ins Gebirge. Da gibt es mindestens zwei Möglichkeiten zur Wahl: Steingebirge (Góry Kamienne) mit dem Großen Wildberg / Dzikowiec Wielki – 836 m ü.d.M., auf dem sich ein neuer schöner Aussichtturm befindet oder ins Waldenburger Gebirge (oder Waldenburger Bergland, Góry Wałbrzyskie) mit dem Hochwald / Chełmiec (851 m ü.d.M.). Die Stadt Boguszów-Gorce liegt nämlich im westlichen Teil der Mittelsudeten zwischen zwei Gebirgsmassiven. Beide Wanderungen sind etwas anspruchsvoll, garantieren aber auch schöne Aussichten!


Die Stadt Boguszów-Gorce (Gottesberg) liegt an der Strecke zwischen Waldenburg (Wałbrzych) und Hirschberg (Jelenia Góra). Von Breslau (Wrocław) braucht man mit der Bahn hierher 1,5 Stunden. Die Fahrkarte (hin und zurück) kostet 50 PLN (ca. 12 EUR). Für die Wanderungen soll man je ca. 4-5 Stunden einplanen.

Die Stadt zählt heutzutage ca. 13.460 Einwohner. Jahrhunderte lang war sie mit Bergbau verbunden. Nachdem in den 1990er Jahren die letzten Gruben geschlossen wurden, mussten die Stadteinwohner nach neuen Arbeitsmöglichkeiten suchen. Die Stadt musste sich im laufenden Strukturwandel umorientieren und sieht heute neue Chancen im Tourismus. Boguszów-Gorce verfügt über den höchstgelegenen Markplatz in Polen (581,58 m ü.d.M.), liegt auf der internationalen Route des heiligen Adalberts und hat schöne Wanderwege. Die letzten ziehen die Touristen aus der ganzen Region an. Unten zwei Vorschläge für Wanderungen.


1: Die Wanderung zum Großen Wildberg (Dzikowiec)
10,8 km, ca. 3,5 Stunden
Vom Bahnhof führt auf den Berg der grüne Weg: über den Kleinen Wildberg bis zum Großen Wildberg. Hier befindet sich ein neuer Aussichtsturm, der eine wunderschöne Panorama auf das Waldenburger Bergland und die anderen schlesischen Berge bietet. Der Eintritt auf den Turm ist frei und das ganze Jahr möglich. Nicht weit von dem neuen Turm (500 Meter weiter) befindet sich ein alter Turm, bei dem man ein Lagerfeuer mit Würstchen machen kann. Hier befindet sich auch die obere Station der Seilbahn, die an Wochenenden und Feiertagen von 10:00 bis 16:30 Uhr in Betrieb ist. Von hier kann man auf eine der steilsten Pisten in Polen blicken – sie ist sogar für erfahrene Wintersportler eine Herausforderung. Nach unten kann man den roten Weg nehmen und auf diese Art und Weise eine schöne Runde drehen.


2: Die Wanderung zum Hochwald (Chełmiec)
8,7 km, ca. 3 Stunden
Vom Bahnhof die Straße ul. Racławicka entlang (gegenüber dem Bahnhof) und dann ul. Sienkiewicza – ganz nach oben bis zum Marktplatz. Von hier ist die Route sehr gut ausgeschildert: die grüne Route führt direkt bis zum Hochwald. Wenn man mit dem PKW kommt, lässt man das Auto am besten auf dem Parkplatz am Ende der Straße ul. Słodowa in Boguszów-Gorce. Er befindet sich direkt am grünen Wanderweg, ist ziemlich groß und kostenlos. Auf dem Rosochatka-Pass kann man einen kürzeren, aber steileren Weg (gelbe Markierungen geradeaus) oder eine etwas längere Variante (grüne Markierungen nach links) wählen. Mit der gelben Variante erreicht man das Ziel nach 30 Minuten, mit der grünen nach 35 Minuten. Es lohnt sich, nach oben die gelbe Route zu nehmen und vom Gipfel die grüne zu wählen – sie ist milder und angenehmer für die Füße. Und auf diese Weise kann man auch eine Runde drehen (nur ein kleiner Abschnitt deckt sich). Unterwegs zum Hochwald lohnt es sich einen kleinen Abstecher zur Aussichtsplattform auf dem Fingerberg (Paluch, 706 ü.d.M.) zu machen.


An der Spitze des Hochwaldes sind Tische, Bänke und Plätze für Lagerfeuer. Was die Besucher jedoch am meisten interessiert, ist der als Ruine gestaltete Steinturm. Er wurde auf Initiative des Waldenburger Bergvereins in den Jahren 1887-1888 errichtet und von der Familie Hochberg (Besitzer des Schlosses Fürstenstein) finanziert. Er verfügte früher über eine Gaststätte und eine Schutzhütte. Der Turm auf dem Hochwald (Chełmiec) ist 22 Meter hoch und ist nur in der Sommersaison freitags, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr zugänglich. Den Stempel, der als Nachweis für den Besuch auf dem Berg ist, kann man an der Eingangstür des Gebäudes finden.


Einige Meter unterhalb des Gipfels befindet sich ein 45 Meter hohes Kreuz – das sog. Millenium-Kreuz. Es bildet einen Abschluss des sog. Kreuzwegs der Bergleute (Droga Krzyżowa Trudu Górniczego), der den Bergleuten aus allen in der Nähe liegenden Gruben gewidmet ist. Nachts wird das Kreuz, das aus Spenden der Gläubigen finanziert wurde, von großen Scheinwerfern beleuchtet.


Wenn nach der Wanderung etwas Zeit bleibt, kann man in der Stadt eine regionale Spezialität probieren: Teigtaschen aus Gottesberg mit Buchweizen und Speck. Sie schmecken wirklich ausgezeichnet und sind im Restaurant „Smaki świata“ zu finden (Vorsicht – das Restaurant ist nur vom Donnerstag bis Sonntag geöffnet). An anderen Tagen soll man lieber etwas zum Essen mitnehmen. Leider findet man hier kein Café und kein anderes Restaurant. Bestimmt wird sich das mit der Zeit und Tourismusentwicklung ändern…
Text und Bilder: Małgorzata Urlich-Kornacka
