Mit dem Fahrrad durch die Niederschlesische Heide

Was es hier zu sehen gibt und wie man dort radelt

Ein Tipp für alle, die Natur, Ruhe, gute Waldwege und Orte mit einer interessanten Geschichte schätzen.

Die Niederschlesische Heide (Bory Dolnośląskie) ist das größte zusammenhängende Waldgebiet in Polen und eines der größten in Mitteleuropa. Sie erstreckt sich – grob gesagt – von der Autobahn A4 im Süden bis zur Muskauer Heide oder den Dalkauer Bergen im Norden, von der Lausitzer Neiße im Westen bis nach Bunzlau (Bolesławiec), Kotzenau (Chocianów) und dem Landschaftsschutzpark Primkenau (Przemków) im Osten.

In der Niederschlesischen Heide gibt es nur sehr wenige markierte Radwege. Es gibt nach wie vor keine einzige Fernroute, die diese ausgedehnten Wälder in Ost-West-Richtung durchquert. In den letzten Jahren sind einige neue lokale Routen hinzugekommen, doch die Gemeinden entdecken das Potenzial dieser Gebiete für den Radtourismus nur sehr langsam. In diesem Beitrag geht es um den Teil der Niederschlesischen Heide, der Görlitz am nächsten liegt und den Namen Görlitzer Heide trägt. Hier findet ihr einige Routen, von denen einige direkt an der Grenze beginnen.

Mit dem Fahrrad über die Neiße

Wenn man direkt mit dem Fahrrad anreist, z. B. aus Görlitz, empfiehlt es sich, die Oder-Neiße-Route zu nehmen und die Grenze entweder über die Fußgänger- und Radfahrerbrücke in Deschka oder bei der Kulturinsel Einsiedel über die Schwimmbrücke zu überqueren. An beiden Orten findet man direkt hinter der Grenze Schilder mit einer Übersicht über die Radwege der Gemeinde Penzig (Pieńsk) und Informationen auch auf Deutsch. Die Wege sind vor Ort recht gut ausgeschildert und verlaufen auf guten Wegen.

Leider hat der Betreiber der polnischen Eisenbahn vor kurzem die Waldbahnübergänge zwischen Kohlfurt (Węgliniec) und Horka gesperrt (aufgrund der Einführung von Personenzügen, die dort mit hoher Geschwindigkeit fahren), was eine Änderung der Streckenführung erforderlich macht und die Planung einer Radtour in Form einer Rundstrecke erschwert.

Karte der Wanderwege in der Umgebung von Pieńsk. Quelle: Website der Gemeinde Pieńsk 

Was es dort zu sehen gibt

Ein Ausflug in die Niederschlesische Heide ist vor allem für diejenigen zu empfehlen, die Natur und Ruhe schätzen. Auf der westlichen Seite der Grenze, insbesondere entlang der Oder-Neiße-Route, herrscht an Feiertagen reger Radverkehr. In den Wäldern auf der östlichen Seite trifft man eher Rehe oder Hasen. Es gibt hier auch einige interessante Orte (dort wurden Informationstafeln aufgestellt, deren Texte auch auf Deutsch verfasst sind).

Es handelt sich vor allem um die Überreste des Untertage-Braunkohlebergwerks Kaławsk, der ehemaligen „Grube Stadt Görlitz“. Braunkohle wird selten auf diese Weise abgebaut, meist erfolgt die Gewinnung im Tagebau. Ein Untertagebergwerk dieser Art war sehr gefährlich. Im Jahr 1970 kam es zu einer Katastrophe, bei der fünf Bergleute ums Leben kamen. Drei Jahre später wurde das Bergwerk geschlossen. Wer ihre Spuren finden will, muss sich etwas Mühe geben. Im Wald sind die Ruinen einiger Gebäude erhalten geblieben, und an den Stellen der ehemaligen Schächte befinden sich heute große kleine Seen, die auf den Karten Rygle I und Rygle II genannt werden. Heute sind dies malerische Orte mit Moorvegetation. Nach Rygle I führt der rote Wanderweg, nach Rygle II der blaue. Vor kurzem hat die Gemeinde Kohlfurt (Węgliniec) auch einen Radweg „Auf den Spuren der Kohlengrube Kaławsk“ (gelb markiert) eingerichtet, der jedoch nicht direkt von und zur Grenze führt. 

In der Nähe von Pieńsk liegt der malerische Krauscha-Teich, der unter anderem einen Lebensraum für Biber und sehr seltene Vorkommen atlantischer Pflanzen beherbergt. Und direkt daneben befinden sich die sogenannten „Skałki“ („Felsen”), der ehemalige Sandsteinbruch. Genau von hier stammt der Stein, aus dem die Peterskirche in Görlitz erbaut wurde. Diese Orte liegen am blauen Wanderweg.

Weg durch einen Buchenwald unweit des Ortes Nieder Bielau (Bielawa Dolna)

In der Nähe von Nieder Bielau (Bielawa Dolna) sieht man wunderschöne, schattige Buchenwälder. Einige Exemplare erreichen eine Höhe von 30 Metern und erinnern sich sicherlich noch an die Zeit der Napoleonischen Kriege. Die Buchenwälder liegen am roten Wanderweg.

Mit dem Fahrrad zum Zug

Wenn man einen Ausflug von Görlitz aus unternimmt, kann man auch die regionalen Zugverbindungen nutzen. Steigt man in Penzig (Pieńsk) aus, ist man nach wenigen Kilometern bereits am Krauscha-Teich, direkt neben dem alten Steinbruch.

Man kann auch nach Kohlfurt (Węgliniec) fahren. Dort am Bahnhof mit seinen zwei wunderschön renovierten, historischen Gebäuden beginnen zwei Radwege:

1) Der erste davon führt um die Parowskie-Teiche herum. Grün, Wasser, Ruhe – so lässt sich der Weg beschreiben. Er ist mit einem blauen Seeadler auf weißem Hintergrund markiert und etwa 20 km lang. Leider bildet er keine Rundstrecke, sondern endet in der Ortschaft Stary Węgliniec, von wo aus man aber auch mit dem Zug direkt nach Görlitz zurückfahren kann.

2) Die zweite Route ist rot markiert und führt größtenteils auf den Spuren einer ehemaligen Eisenbahnstrecke nach Rothwasser (Czerwona Woda) und zurück. Sie ist jedoch nicht besonders malerisch. Das ist etwas für Fans der Eisenbahngeschichte. Die Gesamtlänge der Strecke beträgt etwas mehr als 10 km.

Praktische Informationen

  • Mit welchem Fahrrad kann man in die Görlitzer Heide fahren? Da man hier recht bequem unterwegs ist, kommen verschiedene Fahrradtypen in Frage – von MTBs oder Gravelbikes bis hin zu Trekking- oder Crossrädern.
  • Wer mehr in diesen Wäldern fahren möchte, nicht unbedingt markierte Wege braucht und ein Faible für (moderate) Abenteuer hat, kann getrost die Waldwege nutzen. Die gesamte Niederschlesische Heide wird von guten Wegen durchzogen, wobei man sich besser an diejenigen halten sollte, die mit großen Zahlen gekennzeichnet sind. Das sind Feuerwehrwege, die meist eine gute Oberfläche haben. Die Nebenstraßen hingegen sind ein Glücksspiel – sie können sogar vielversprechend aussehen, aber nach 1–2 Kilometern enden oder sich in einen Sumpf oder eine Sandgrube verwandeln…
  • Noch eine wichtige Information: In den Wäldern gibt es fast keine touristische Infrastruktur. Man muss auch einen ausreichenden Vorrat an Wasser und Kalorien mitnehmen, da man nur in den selten verstreuten Ortschaften einkaufen kann, und selbst das ist nicht immer möglich, da die Geschäfte an Feiertagen geschlossen sein können.

Text und Bilder: Sławomir Szymański