Idylle im Schatten des Krieges: Die Schlesischen Beskiden im Jahre 1940

Seit neuestem ist auf Youtube ein 13-minütiger Farbfilm des deutschen Filmamateurs Walther Bever-Mohr zu sehen

In beinahe künstlerischer Form zeigt er Szenen aus dem Leben der dörflichen Bevölkerung der Westbeskiden.

Auf Youtube ist seit neuestem ein 13-minütiger Farbfilm „Beskidenland“ des deutschen Filmamateurs Walther Bever-Mohr zu sehen. In beinahe künstlerischer Form zeigt er Szenen aus dem Leben der dörflichen Bevölkerung der Westbeskiden.

In der Filmbeschreibung ist zu lesen, dass der Film vermutlich in einer deutschsprachigen Siedlung am Dunajez oder im Raum Zakopane gedreht worden sei. Das ist ein Fehler. Ortskundige hatten kein Problem mit der Identifizierung der präsentierten Schauplätze. Der Filmemacher besuchte 1940 die weit westlicher gelegene Gegend um Istebna im Teschener Schlesien (heute nahe dem polnisch-tschechisch-slowakischen Dreiländereck). Selbst einer der Protagonisten, nämlich der seinerzeit relativ bekannte Istebnaer Maler und Bildhauer Jan Wałach (1884-1979), wurde erkannt. Der Film besteht aus ca. 20 Szenen, die unter anderem malerische Gebirgslandschaften, Schafbeweidung, Menschen bei der Feldarbeit, beim Kirchengang und beim Tanzen sowie Dorfbebauung zeigt. Großes Interesse zeigt der Regisseur auch an den Details der Volkstracht der schlesischen Goralen, wie man die ländliche Bevölkerung dieses Teiles der Westbeskiden nennt.

Was Bever-Mohrs Motivation war und ob der Film in irgendeinem Zusammenhang mit der Politik des nationalsozialistischen Staates stand, ist nicht bekannt. Der Streifen ist nicht vertont. In welcher Sprache sich die Protagonisten unterhalten, weiß der Betrachter daher nicht. Mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit kann man jedoch davon ausgehen, dass sie die Teschener Mundart des slawisch- bzw. polnisch-schlesischen Dialekts sprachen. Auch die Volkstracht, die man im Film sieht, ist für die schlesischen Goralen charakteristisch. Der Streifen entstand etwa ein Jahr nach dem deutsch-sowjetischen Überfall auf Polen in einem Gebiet, das formell nicht unter deutscher Besatzung stand, sondern dem „Dritten Reich“ direkt einverleibt wurde. Die idyllischen Bilder sind nur eine Seite der Medaille. Die mehrheitlich slawischen Bewohner des Teschener Schlesien gerieten 1939 in die Mühlen der Rassen- und Nationalitätenpolitik des NS-Staates. Viele Männer wurden unabhängig von ihrer tatsächlichen ethnischen Zugehörigkeit zum Kriegsdienst in der deutschen Wehrmacht verpflichtet.

Walther Bever-Mohr (1901-1955) war ein Türschlossfabrikbesitzer aus dem westfälischen Schwelm. Mehrere seiner Amateurfilme wurden mit Preisen ausgezeichnet. Nach dem jetzigen Wissensstand ist sein „Beskiden-Land“ der älteste Streifen, der die schlesischen Beskiden in Farbe zeigt.

Alle Bilder: Szenen aus „Beskiden-Land“, Quelle: Xerxes – It’s All History/YouTube

Text: Dawid Smolorz