RATHAUS kehrt zurück an das ehemalige Verwaltungsgebäude in Mikultschütz (Mikulczyce)

Restaurierung einer weiteren deutschen Inschrift in Oberschlesien

Mehrere Jahrzehnte lang blieb der Schriftzug unter einer Platte verdeckt. Davor wurde er abgemeißelt.

Man konnte schon erahnen, dass sich hinter einer Platte auf dem repräsentativen Bau eine historische Spur barg. Nach 1945 verschwand die deutsche Aufschrift RATHAUS im Rahmen der in den gesamten neuen Nord- und Westgebieten Polens durchgeführten „Entdeutschungsaktion“. Im Falle des Mikultschützer Rathauses wurde diese in zwei Schritten durchgeführt. Zunächst hat man die sieben Buchstaben abgemeißelt. Da aber deren Spuren auch danach immer noch deutlich zu sehen waren, beschloss man später, sie mit einer Platte zu verdecken. Vor etwa 20 Jahren fiel ein Teil der Platte ab, so dass ein Fragment des Schriftzuges wieder zum Vorschein kam.

Dieser Zustand dauerte bis zum vergangenen Jahr an, als die Stadt Hindenburg (Zabrze), zu der Mikultschütz heute gehört, mit der Renovierung dieses charakteristischen Gebäudes begann. Da es unter Denkmalschutz steht, mussten die geplanten Arbeiten von dem Beauftragten für Denkmalschutz der Woiwodschaft Schlesien genehmigt werden. Dieser beschloss, dass auch die historische deutsche Inschrift restauriert werden soll. Wie zu erwarten war, gibt es Befürworter und Gegner dieser Initiative. Bisher beschränken sich diesbezügliche Diskussionen auf Internetforen, wo die positiven Stimmen eindeutig überwiegen.

Das Rathaus in Mikultschütz auf einer Postkarte aus den späten 1930er Jahren. Quelle: fotopolska.eu

Das Rathaus für die damals selbständige Landgemeinde Mikultschütz wurde in den Jahren 1910-1911 erbaut. Damals gehörte der Ort, der dank der neuen Jugendstil-Bürgerhäuser und Industriebetriebe zunehmend einen städtischen Charakter annahm, zum Kreis Tarnowitz (Tarnowskie Góry). In den 1930er Jahren zählte die Gemeinde mit seinen über 20.000 Einwohnern zu den größten Orten ohne Stadtrecht in Deutschland.

Sanierung des Gebäudes im Dezember 2025. Foto: Dawid Smolorz

Sechs Jahre nach dem Anschluss Westoberschlesiens an Polen wurde Mikultschütz 1951 nach Hindenburg eingemeindet. Mit dem Anschluss an die Stadt verlor das Verwaltungsgebäude seine bisherige Funktion. Fortan diente es mehrere Jahrzehnte lang als Geburtsklinik. Heute ist dort eine Ambulanz untergebracht.

Der deutsche Schriftzug während der Restaurierung im Dezember 2025. Foto: Dawid Smolorz

Das ehemalige Mikultschützer Rathaus gehört zu den Objekten, die als „Träger“ von deutschen Inschriften in Zeichen der Zeit“, der neuen Veröffentlichung des Kulturreferates für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz, präsentiert werden.

Text: Dawid Smolorz