Neue touristische Attraktion im Nordosten Oberschlesiens
Die ehemalige Gräflich Ballestrem´sche Brennerei verwandelte sich kürzlich in ein modernes Zentrum für Kultur und lokale Geschichte, dessen Herz eine multimediale Ausstellung ist.
Jahrelang hatte das Objekt keine Funktion und verfiel zusehends, bis die lokale Gemeindeverwaltung vor einigen Jahren über die Sanierung der historischen Anlage beschloss. Die gräfliche Brennerei in Kochtschütz (Kochcice), deren Turm seit mehr als einem Jahrhundert eine Landmarke in der Gegend ist, bekam somit ein neues Leben.


Das in architektonischer Hinsicht sehr interessante Gelbe Vorwerk (polnisch: Żółty Folwark) birgt nun in seinem Inneren eine moderne Ausstellung, die multimediale Elemente mit authentischen Exponaten verbindet. Der Stolz der Einrichtung ist eine originale Dampfmaschine, die ursprünglich in der Brennerei arbeitete. Die Ausstellung berücksichtigt mehrere Aspekte. Ein Teil von ihr widmet sich der Geschichte der Familie von Ballestrem, da der 13.000 Morgen große Herrschaftssitz Kochtschütz zwischen 1903 und 1945 einem Vertreter dieses Geschlechts, dem Grafen Ludwig Karl, gehörte. Sein Schloss, das heute ein Rehabilitationszentrum beherbergt, befindet sich unweit des Gelben Vorwerks. Die Familie von Ballestrem besaß außer Kochtschütz auch zahlreiche Industriebetriebe in Oberschlesien sowie landwirtschaftliche Güter, vor allem in Ober- und in Niederschlesien. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen überdies die Vergangenheit des Ortes und seiner Umgebung, das Alltagsleben der Bevölkerung, die sozialen Verhältnisse und die lokalen Bräuche sowie die Industrialisierung Oberschlesiens im 19. Jahrhundert. Die Ausstellung wurde so konzipiert, dass sie auch für junge Besucher spannend und attraktiv ist.


In der historischen Anlage, die dank der Initiative der lokalen Verwaltung vor dem Verfall gerettet wurde, befindet sich zudem ein kleiner Kinosaal, ein Café sowie ein Aussichtspunkt auf dem Turm. Die Einrichtung bietet überdies thematische Workshops an – unter anderem zu einem derart frappierenden Thema wie „Der Unterricht in einer preußischen Schule“.
Derzeit wird das ehemalige Gutsverwalterhaus als weiteres Element des Gelben Vorwerks renoviert. Die Gemeindeverwaltung beabsichtigt, in Zukunft auch die anderen, heute funktionslosen Teile der historischen Gutsanlage zu sanieren.
In diesem Video kann man das sanierte Objekt und die gesamte Anlage noch vor der offiziellen Eröffnung des musealen Teils sehen.
Text: Dawid Smolorz
