2008 wurden hier kostbare Wandmalereien aus dem 16.-19. Jh. entdeckt
Seit 2022 gibt es im Schloss ein privates Museum mit großer Sammlung an zeitgenössischer Kunst aus der Region.
Im östlichen Teil des Hirschberger Tals, am gewöhnlich ruhigen Lauf des Flusses Bober (Bóbr), liegt das Dorf Rudelstadt (Ciechanowice), ein Ort, der lange im Schatten bekannterer Sehenswürdigkeiten in der Umgebung stand. Dies änderte sich 2008, als während der Renovierung des Schlosses einer der bedeutendsten Wandmalereikomplexe Schlesiens entdeckt wurde. Unter dem Putz kamen Polychromien aus mehreren Jahrhunderten zum Vorschein, von 1556 bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, verteilt über fast alle Räume des ersten Obergeschosses und mehrere Säle im Erdgeschoss. Die Entdeckung wurde als Sensation bezeichnet und machte Schloss Ciechanowice zum Highlight der kulturelle Landkarte Niederschlesiens.

Das Schloss, dessen heutige Gestalt auf Friedrich Bernard von Prittwitz zurückgeht, diente nach dem Zweiten Weltkrieg als Waisenhaus und später als Schule. Nach Jahren des Verfalls erwarb Andrzej Meller das Anwesen im Jahr 2010. Er restaurierte es über zwölf Jahre lang und eröffnete 2022 ein privates Museum. Heute gilt das Ensemble aufgrund seiner Renaissance-Fresken, darunter der berühmte Zyklus der römischen Kaiser, als „Niederschlesischer Wawel“.
Mit der Wiederbelebung des Schlosses begann ein neues Kapitel, in dem Geschichte und zeitgenössische Kunst eine Symbiose eingehen. Die historischen Räume und der weitläufige Park wurden zu einem Ort, an dem Glas, Metall, Keramik und Stein mit der Architektur des neunzehnten Jahrhunderts in einen subtilen Dialog treten. Die heutige Gestaltung der Gärten, inspiriert durch die Weltreisen des Schlossherrn, verbindet französische, italienische und englische Einflüsse zu einem harmonischen Landschaftsbild.
Der erste Künstler, der seine Werke im Schloss hinterließ, war Mateusz Grobelny, ein renommierter Bildhauer und Keramiker aus Bolesławiec. Seine monumentalen, organischen Formen prägen die Innenräume des Schlosses. Im Renaissance-Saal stehen seine Schachfiguren: nackte Frauenkörper, die in Kombination mit sakralen Elementen eine starke, überraschende Spannung zwischen Körperlichkeit und Spiritualität erzeugen. Die Darstellungen der Vier Jahreszeiten im Park verbinden Grobelnys kraftvolle Symbolik mit der offenen Landschaft.

Während Grobelny den ersten künstlerischen Impuls setzte, prägen heute Marcin Zieliński und weitere herausragende Künstlerinnen und Künstler der Region das zeitgenössische Profil des Schlosses. Der Glasgraveur und Bildhauer aus Altenberg (Radzimowice) erschafft aus farbigen Glaselementen dreidimensionale Welten, die im Licht der Schlossfenster vielschichtige Reflexionen erzeugen.
Zielińskis Glasobiekte bilden eine stimmige Ergänzung zu den Grobelnys Keramiken. Im historischen Kabinett im Erdgeschoss sind zwei gläserne Schiffe zu sehen, die auf die Leidenschaft des Schlossherrn für das Segeln anspielen. Einen besonderen Höhepunkt bilden jedoch seine modernen Skulpturen. In einem Musiksalon in der ersten Etage befinden sich zehn fein gravierte Glasbüsten, die mit ihren Motiven eng mit der Welt der Musik verbunden sind. An der Wand stehen seine drei großformatige Figuren der Venezianischen Tänzer, deren geschichtetes Glas Bewegung und Eleganz einfängt. Zusammen stehen die Glasarbeiten im Dialog mit weiteren Werken anderer Künstlerinnen und Künstler des Schlosses. Mit dieser Vielfalt beherbergt das Schloss heute die größte private Sammlung von Zielińskis Arbeiten in Polen.


Im Schloss und Park sind weitere Werke herausragender Künstlerinnen und Künstler der Region zu sehen, die das Ensemble zu einem kulturellen Zentrum im Herzen der Region machen. Architektur, Malerei, Skulptur und Gartenkunst verweben sich zu einem vielschichtigen Erlebnisraum, in dem historische Wandmalereien und zeitgenössische Kunst einander ergänzen. So entsteht ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander in Austausch treten. Ein offener Raum, der sich immer wieder neu zeigt.
Mehr Informationen zum Schloss Rudelstadt, eindrucksvolle Bilder, Eintrittspreise und Öffnungszeiten finden Sie unter Schloss Ciechanowice (auch in deutscher Sprache).
Text und Bilder: Iza Liwacz
Hinweis der Redaktion: Im Rahmen von SATELLITEN – Begegnungen mit zeitgenössischer Kunst in Schlesien organisiert das Kulturreferat für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz eine Tagesfahrt zum Thema Marcin Zielińskis Glaskunst im Schloss Rudelstadt und in seinem Atelier in Altenberg am 22. August 2026.
