Im Juni 1866 brach ein Krieg zwischen Preußen und Österreich aus
In Schlesien sind nur noch wenige Spuren dieser Ereignisse erhalten.
Der Deutsche Krieg von 1866 (auch als Deutscher Bruderkrieg, Deutsch-Deutscher Krieg, Preußisch-Österreichischer Krieg oder zweiter deutscher Einigungskrieg bezeichnet) war die kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem Deutschen Bund unter Führung Österreichs einerseits und Preußen sowie dessen Verbündeten (kleinere deutsche Staaten und Italien) andererseits. Die eigentliche Ursache für den Deutschen Krieg war die Rivalität von Österreich und Preußen um die Führungsrolle im Deutschen Bund.
Das Königreich Preußen und das Österreichische Kaiserreich rivalisierten im 19. Jahrhundert um die Vorherrschaft im Deutschen Bund, der 1815 auf Grundlage der Beschlüsse des Wiener Kongresses gegründet worden war. Dieses politische Gebilde war jedoch Mitte des 19. Jahrhunderts bereits überholt. Die Aussicht auf eine deutsche Einigung zeichnete sich immer deutlicher ab. Bei der Rivalität zwischen Preußen und Österreich ging es in der Praxis darum, welches dieser zwei Staaten dies bewerkstelligen würde. Österreich galt als die Präsidialmacht, wollte seine Stellung bewahren und den Deutschen Bund im Wesentlichen erhalten. Preußen hingegen drang darauf, den Deutschen Bund in einen Bundesstaat umzuwandeln.
Der Deutsche Krieg in Schlesien
In Schlesien weckte die Aussicht auf einen Krieg mit Österreich Besorgnis. Vor allem wegen der Nähe und Länge der Grenze sowie des großen Potenzials der österreichischen Armee. Auch die Katholiken aus Schlesien drückten in dieser Auseinandersetzung nicht unbedingt Preußen die Daumen. Man darf auch nicht vergessen, dass die preußische Herrschaft über Schlesien damals erst etwa 100 Jahre andauerte und die Vorstellung einer erneuten Grenzänderung und der Rückkehr der gesamten Region unter die Herrschaft Wiens nicht als reine politische Fiktion erschien.
Der Krieg begann am 14. Juni 1866. Die Kämpfe fanden in verschiedenen deutschen Ländern statt, auf der Seite Preußens trat auch Italien auf, doch die für den Ausgang dieses Konflikts entscheidenden Schlachten wurden auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik ausgetragen, die damals zur österreichischen Monarchie gehörte.
Schlachtfelder direkt hinter der schlesischen Grenze
Ein großer Teil der preußischen Truppen war entlang der Sudeten konzentriert – von Hirschberg (Jelenia Góra) im Westen bis zur Neisse (Nysa) im Osten. Ende Juni 1866 überquerten sie die österreichische Grenze über die Sudetenpässe. Zu erbitterten Kämpfen kam es direkt hinter der Grenze, unter anderem bei Nachod und bei Trautenau (Trutnov). In der letztgenannten Schlacht siegten die Österreicher, und dies war ihr einziger größerer Erfolg in diesem Krieg, der sich jedoch als fruchtlos erwies.
Am 3. Juli kam es zur kriegsentscheidenden Schlacht bei Königgrätz (Hradec Kralove), in der die preußischen Truppen die Österreicher und ihre sächsischen Verbündeten besiegten. Diese Auseinandersetzung erwies sich als entscheidend für den Ausgang des gesamten Krieges. Am 24. Juli kapitulierte Kaiser Franz Joseph I. Am 23. August wurde in Prag ein Friedensvertrag zwischen Berlin und Wien unterzeichnet.
Dieser Krieg stellte einen Meilenstein auf dem Weg zur deutschen Einigung unter der Führung Preußens und ohne Österreich dar. Sein Ausgang hatte enormen Einfluss auf das Schicksal Europas. Die entscheidenden militärischen Operationen gingen an Schlesien vorbei. In der Gegend von Berun (Bieruń) und Auschwitz (Oświęcim) kam es zwar zu einem kurzen Gefecht, bei dem die Österreicher die Oberhand behielten. Dies hatte jedoch keinerlei Bedeutung für den Verlauf und den endgültigen Ausgang dieses Krieges.
Außerdem fanden an der Grenze zwischen Schlesien und Galizien hauptsächlich kleine Scharmützel statt. In den Sudeten, auf der schlesischen Seite der Grenze, kam es praktisch zu keinen Kämpfen, obwohl sich gerade hier die Hauptschlagkraft der preußischen Armee konzentrierte.
Natürlich mussten die Einwohner von Liebau (Lubawka), Landeshut (Kamienna Góra) und Umgebung im Jahr 1866 nervenaufreibende Momente durchleben, als im nicht weit entfernten Trautenau eine heftige Schlacht tobte, nach der die Verwundeten in Scharen herbeiströmten. Damals wusste noch niemand, wie die gesamte Auseinandersetzung enden würde. Von Anfang an setzten die preußischen Stabsoffiziere jedoch darauf, so schnell wie möglich in das Gebiet des Gegners vorzudringen und dort eine entscheidende Schlacht zu führen. So kam es auch.
Wenige Spuren der Vergangenheit in Schlesien
Im heutigen Niederschlesien ist der Krieg heute so gut wie unbekannt. Es gibt hier kein einziges großes Schlachtfeld, es kam zu keiner Belagerung der hiesigen Festungen, die seit Jahrzehnten auf einen solchen Fall vorbereitet waren, es gibt keine Erzählungen über dramatische Ereignisse usw. In der Region sind nur wenigen Spuren des Gedenkens an jene Zeit erhalten geblieben. Man findet sie vor allem im Süden der Region. In der bereits erwähnten Stadt Landeshut (Kamienna Góra), auf dem Parkberg, steht ein großer Obelisk, der den verwundeten Soldaten gewidmet ist, die in dieser Stadt starben. Ein Denkmal für die in diesem Krieg Gefallenen ist auch in Neurode (Nowa Ruda) zu sehen, ein weiteres findet man auf dem Friedhof in Reichenbach (Dzierżoniów).


In Żarów (Saarau) beispielsweise steht ein stark beschädigtes Denkmal, das heute in einem sehr schlechten Zustand ist, aber höchstwahrscheinlich den Soldaten aus dieser Gegend gewidmet war, die in den Kriegen von 1864 (gegen Dänemark), 1866 und gegen Frankreich 1870/71 gefallen sind. Es gibt in Niederschlesien noch weitere solcher Objekte, doch befinden sie sich oft auf alten Friedhöfen oder sind bereits schwer zu identifizieren.
Der erste Bismarckturm
Ein spektakuläres Bauwerk ist nach wie vor – da es sich in einem sehr schlechten technischen Zustand befindet – der sogenannte Bismarckturm auf dem Jańska Góra in Ober-Johnsdorf, unweit von Sobótka (Zobten). Es ist der erste und älteste Turm dieser Art überhaupt. Er wurde 1869 eröffnet und von Major Friedrich Schröter errichtet, der von den Siegen in den Kriegen von 1864 und 1866 beeindruckt war. Kurz darauf kamen noch Inschriften hinzu, die an den Sieg im Krieg gegen Frankreich und an die deutsche Einigung erinnerten.


Eine Folge des preußisch-österreichischen Krieges, die in gewisser Weise bis heute spürbar ist, war die Eröffnung der ersten grenzüberschreitenden Eisenbahnübergänge in den Sudeten – in Liebau (Lubawka, 1869), in Mittelwalde (Międzylesie, 1875) und in Mieroszów (Friedland in Niederschlesien, 1877). Zuvor hatten weder Preußen noch Österreich solche Eisenbahnverbindungen zugelassen, damit der Feind sie nicht nutzen konnte.
Text: Sławomir Szymański
