2026 jährt sich der Geburtstag von Andrzej Wajda zum 100. und sein Todestag zum 10. Mal
Breslau spielte eine besondere Rolle im Leben des berühmten polnischen Regisseurs.
Vor 100 Jahren, am 6. März 1926, wurde Andrzej Wajda geboren, ein polnischer Film- und Theaterregisseur, Oscar-Preisträger des Jahres 2000 (für sein Lebenswerk), Mitbegründer der „polnischen Filmschule“. Im Jahr 2026 jährt sich auch sein Todestag – zum 10. Mal. Aus diesem Grund hat der Senat der Republik Polen beschlossen, das Andrzej-Wajda-Jahr 2026 auszurufen.
Die polnische Filmschule war eine künstlerische Strömung im polnischen Kino der Jahre 1956–1963, die mit der Ästhetik des Sozialistischen Realismus brach und sich mit dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Besatzungszeit auseinandersetzte. Die Filmemacher konzentrierten sich auf die Tragik des Einzelnen, die Psychologie der Figuren und moralische Dilemmata und orientierten sich dabei häufig am italienischen Neorealismus.

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, eine Geschichte zu erzählen, die von einem anderen bekannten Regisseur Sylwester Chęciński erzählt wurde und mit der Hauptstadt Niederschlesiens verbunden ist. Daraus geht hervor, dass Andrzej Wajda der Erste war, der unbestreitbar bewiesen hat, dass alle Wege nach Breslau führen…


Der Meister des polnischen Kinos lernte während der Dreharbeiten zu einem seiner Filme in Wrocław das Autofahren. Er trainierte in der Halle des Spielfilmstudios (der Breslauer WFF). Zunächst ohne den Motor zu starten – das Auto wurde von seinem Freund, dem Regisseur Sylwester Chęciński und einem der Assistenten des Regisseurs geschoben, die ihm die Kommandos „rechts” und „links” zuriefen.


Als Wajda das Autofahren richtig gelernt und seinen Führerschein gemacht hatte, machte er sich mit seiner damaligen Frau auf die Rückreise nach Warschau. Es war Spätherbst, und es schneite ziemlich stark. Wajda war noch kein sicherer Fahrer, deshalb fuhr er sehr langsam. Irgendwann überholte ihn – schon hinter Breslau – ein Lastwagen. Während des Überholens spritzte von den Rädern des Lkws Schneematsch auf, der die ganze Windschutzscheibe des Pkws vollständig bedeckte. Andrzej Wajda hielt das Lenkrad fester, schloss für einen Moment die Augen, trat auf die Bremse und als er die Augen wieder öffnete, stand er genau am Straßenrand. Er atmete tief durch, schaltete den ersten, dann den zweiten Gang ein und sagte zu seiner Frau: „Siehst du, wie einfach das ist”. Er fuhr los und kam in… Breslau an. Er bemerkte nicht einmal, dass sein Auto durch einen Lkw so stark ins Schleudern geriet, dass es umgedreht wurde. Und so landete Wajda statt in Warschau wieder in Breslau!


Der Regisseur war viele Jahre lang mit dem Spielfilmstudio (Wytwórnia Filmów Fabularnych) in Breslau verbunden. Hier entstand sein Debütfilm „Pokolenie” („Die Generation“) aus dem Jahr 1954 (erwähnenswert ist, dass hier episodische Rollen von damaligen Studenten der Regie an der Staatlichen Filmhochschule in Łódź gespielt wurden: Roman Polański, Kazimierz Kutz, Ryszard Ber, Jerzy Gruza, Julian Dziedzina und Mieczysław Waśkowski) sowie „Popiół i diament” („Asche und Diamant“) aus dem Jahr 1958, eines seiner berühmtesten Werke. Im Jahr 2003 wurde Andrzej Wajda zum Ehrenbürger der Stadt Breslau ernannt. Damals wurde ein Teil der Wróblewskiego-Straße nach ihm genannt. Auf diese Weise wurde das Andenken an den herausragenden Regisseur in Breslau gewürdigt (die Straße befindet sich in der Nähe des Spielfilmstudios).

„Breslau ist eine außergewöhnliche und inspirierende Stadt. Als ich noch an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau studierte, nahm ich in der Hauptstadt Niederschlesiens eine Stelle bei der Ausstellung der wiedergewonnenen Gebiete an. Einige Jahre später drehte ich hier, in dem Breslauer Spielfilmstudio, meine ersten wichtigen Filme. Damals hatte ich sogar vor, mich in dieser Stadt niederzulassen”, erinnerte sich Andrzej Wajda zu Lebzeiten. (zit. nach: Maciej Kozioł: „Wrocławska Fabryka Snów” [Die Breslauer Traumfabrik], S. 5).

Text: Małgorzata Urlich-Kornacka
