Schlesisches Nachtlesen am 18. April in Görlitz

Arbeit, Freizeit, Schichtwechsel: Das Schlesische Nachtlesen 2026 in Görlitz verbindet Menschen, Texte und Orte rund um das Thema Arbeit 

An 15 ungewöhnlichen Orten wird Schlesien in literarischen Texten präsentiert.

Polizeipräsidium, Bioladen, Maschinenhalle: Am Samstag, den 18. April, verwandeln sich 15 Orte in und um Görlitzer Jugendkulturzentrum RABRYKA (Werk I) in ungewöhnliche Lesebühnen. Im Alltag oft unzugänglich, werden sie an diesem Abend Gastgeber von Lesungen, die von 17 bis 22 Uhr parallel stattfinden. Menschen aus Görlitz und Region, Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Handel, Kultur und Öffentlichem Dienst, lesen Texte über Schlesien und die Lausitz vor. Das Publikum beginnt seinen literarischen Spaziergang am beliebigen Ort und flaniert nach Lust und Laune von einem Vorlesevergnügen zum anderen.

Arbeit im Wandel der Zeiten

Zentrum des Geschehens ist das Jugendkulturzentrum RABRYKA. Die weiteren Vorleseorte liegen in seiner (post)industriell geprägten Umgebung, wo Fortschritt und Unternehmergeist des 19. Jahrhunderts immer noch spür- und sichtbar sind. Passend dazu werden Texte zu Gehör gebracht, die unterschiedliche Facetten der Arbeitswelt beleuchten und dabei auch regionaltypische Berufe der Vergangenheit und der Gegenwart zum Thema haben. Wir begegnen Glasmachern („Aus Salz und Asche“ von Ivonne Hübner), Bergleuten („Die schiefe Kirche“ von Karin Lednická), Weinbauern und Winzern („Grünberger Schattenseite“ von Heinrich Lee), Webern und Spinnern („Friedrich Sadebeck, ein schlesischer Baumwollspinner“ von Brigitte Weiß-Kobayashi), Tuchfabrikanten („Horn und Söhne“ von Carl Hoinkes), Wissenschaftlern („Oskar Ostersetzer 1867-1945, Industriepionier und Familienmensch“ von Tilmann Bechert), lernen aber auch Professionen in der Kunstbranche („Warum ist Kamilla schön?“ von Hugo Perls), Kriminalpolizei („Glatz“ von Thomas Duszyński) oder im Zirkus („Das Spiel meines Lebens“ von Paula Busch) kennen. Im Sinne einer gesunden Work-Life-Balance kommt auch eine Welt zur Sprache, in der Arbeit keine große Rolle spielt („Die Glühbirnendiebe“ von Tomasz Różycki, „Die Flucht der Bärin“ von Joanna Bator, „Sommer gab es nur in Schlesien“, hrsg. von Jochen Hoffbauer). Von der Gegend zwischen Görlitz und Weißwasser (ent)führen die vorgetragenen Texte das Publikum über Niederschlesien bis nach Oberschlesien sowie Tschechisch-Schlesien und überzeugen davon, dass Literatur nach wie vor der schönste Weg ist, sich einer Region zu nähern und ihren Geist zu erspüren.

Lesebühne für besondere Menschen

Wie jedes Mal lesen auch beim diesjährigen Schlesischen Nachtlesen besondere Menschen. Es sind Görlitzer Urgesteine, bekannt für langjähriges Engagement in ihrem beruflichen Umfeld, wie Christiane Hoffmann, seit 30 Jahren Projektleiterin des Straßentheaterfestivals Via Thea, oder Helmut Goltz, dessen Seilerei dieses Jahr ihr 190-jähriges Bestehen feiert und als Familienbetrieb in achter Generation geführt wird. Die Künstlerin Anja-Christina Carstensen, der Musiker Frank Pschichholz, der Investor Bernhard Icking von der Energiefabrik oder Chefdramaturg Martin Stefke vom Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau kamen vor mehreren Jahren nach Görlitz und wirken hier seitdem gestalterisch in die Gesellschaft hinein. Neue Gesichter unter den Vorlesenden sind Dr. Stephan Aderhold, der neue Geschäftsführer der Kirchlichen Stiftung evangelisches Schlesien, oder Frank Zeiler, der neue Geschäftsführer der RABRYKA. Von außerhalb kommen Christiane Lehmann, die Leiterin des Glasmuseums in Weißwasser, und der Künstler Klaus Weingarten aus Hannover, bekannt vor allem unter Jacob-Böhme-Freunden.

Ein besonderer Moment ist es jedes Mal, wenn Gastgeber der Vorleseorte selbst zum Buch greifen. Friederike Saur vom Görlitzer Stofflädchen überrascht damit ihre Kunden und andere Gäste. Und auch in der Polizeidirektion, bei CASUS und im Atelier Sebastian Hähnel schlüpfen Polizist (Tobias Sprunk), Wissenschaftler (Michael Beerbaum, Dr. Martin Laqua) und Künstler (Sebastian Hähnel, Sascha Röhricht) selbst in die Rolle der Vortragenden.

Schichtwechsel – eine kleine Hommage auf den Görlitzer Waggonbau

Einen kleinen Vorgeschmack auf das Nachtlesen erleben die Gäste von „Schichtwechsel“ bereits ab 14 Uhr in der RABRYKA (Conrad-Schiedt-Straße 23). Die Auftaktveranstaltung Schichtwechsel – Gespräche und Kulinarisches aus der Kantine vereint einen Blick auf Geschichte und Gegenwart des Waggonbaus in Görlitz mit einem Menü wie aus der Betriebskantine. Entlang von Vorspeise, Hauptgericht und Dessert gibt es literarische Beiträge, Erinnerungen, Gespräche und Raum für Unterhaltungen am Tisch.

Stadtbibliothek lädt Kinder zur interaktiven Lesung ein

Für kleine Bücherwürmer zwischen 5 und 10 Jahren hat die Görlitzer Stadtbibliothek um 15 Uhr eine interaktive Lesung aus „Fuchs & Ferkel – Torte auf Rezept“ von Bjørn F. Rørvik vorbereitet. Die wichtige Frage hier lautet: Welche Medizin braucht man eigentlich, wenn man mal so richtig krank ist? Fuchs und Ferkel haben darauf eine klare Antwort: „Zwei Liter Limonade und vier Schokoküsse – viermal täglich.“ Doch was passiert, wenn Arzt und Patient gleichermaßen Appetit auf Süßes haben? Fuchs und Ferkel legen sich hierfür einen Plan zurecht, der sich schnell herumspricht …

Organisatorisches: Veranstalter, Förderer, Eintritt

Schlesisches Nachtlesen (18. April, 17 bis 22 Uhr) ist eine Veranstaltung des Kulturreferates für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz. Tickets: 10 Euro im VVK (bis 17. April im Schlesischen Museum) und 13 Euro am Veranstaltungstag (Schlesisches Museum und RABRYKA). Die Veranstaltung wird gefördert vom Bundesministerium des Innern.

Schichtwechsel (18. April, 14 bis 16:30 Uhr) ist eine Veranstaltung der RABRYKA in Zusammenarbeit mit Polyformers, dem Kollektiv für freie Theaterprojekte und dem Kulturreferat für Schlesien. Tickets: 10 Euro; 5 Euro für Gäste des Schlesischen Nachtlesens. Anmeldung erforderlich. Die Veranstaltung wird gefördert vom LOKAL – Programm für Kultur und Engagement, einem Programm der Kulturstiftung des Bundes, der Bundeszentrale für Politische Bildung / bpb und der European Cultural Foundation. Die Kulturstiftung des Bundes wird gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Kinderlesung (18. April, 15 Uhr) ist eine Veranstaltung der Stadtbibliothek Görlitz, Jochmannstraße 2-3, Dauer ca. 1 Stunde, Eintritt frei.

Weitere Informationen zum Programm hier.

Kuratorin, Organisatorin, Ansprechpartnerin:
Agnieszka Bormann, Kulturreferentin für Schlesien
Kontakt: abormann@schlesisches-museum.de