Frédéric Chopin in Niederschlesien

Vor 200 Jahren kam der größte polnische Komponist zur Kur nach Niederschlesien

Ende 2025 kam er wieder… im Film. Auf der Leinwand ist auch viel von der Region zu sehen.

Im Jahre 2026 sind es zweihundert Jahre her, seitdem der sechzehnjährige Frédéric Chopin nach Niederschlesien gekommen ist, um seine schwache Gesundheit zu stärken. Chopin litt an fortschreitender Lungentuberkulose (er starb im Alter von 39 Jahren an den Folgen einer tuberkulösen Perikarditis und Herz-Kreislauf-Versagen). Zu dieser Zeit gab es noch keine wirksamen Behandlungsmethoden für diese Krankheit. Die Ärzte verschrieben Medikamente, Spaziergänge, eine Diät und viel Ruhe.

Nachdem Frédéric die letzte Klasse des Warschauer Gymnasiums abgeschlossen hatte, beschloss seine Mutter, ihn zur Kur mitzunehmen. Der Aufenthalt in den Kurorten Niederschlesiens wurde der Familie u.a. von Chopins Lehrer Joseph Elsner wärmstens empfohlen. Und so brach Frédéric Chopin Ende Juli 1826 zusammen mit seiner Mutter zu einer Reise nach Niederschlesien auf: die Kur in Bad Reinerz (Duszniki-Zdrój) hat vom 3. August bis zum 8. September 1826 gedauert.

Vor kurzem kehrte Chopin noch mal nach Niederschlesien zurück, aber diesmal … im Film. Im Oktober 2025 kam in die Kinos der Film „Chopin, Chopin!” unter der Regie von Michał Kwieciński. Der Film zeigt den Komponisten in der Zeit von 1825 – als er auf der Höhe seines Schaffens und seiner Popularität war bis zu seinem Tode im Jahre 1849. Er lässt die bekanntesten Episoden aus dem Leben von Chopin im Hintergrund (z.B. die glücklichen Jahre mit George Sand und ihren Kindern (die Kinder wurden überhaupt nicht gezeigt), stellt dafür andere – wenig bekannten, wie. z.B. die enge Freundschaft mit Franz List (Victor Meutelet) oder die Geschichte mit dem Wunderkind Carl Fritsch dar. Chopin, der normalerweise keine Kinder unterrichtete, machte eine Ausnahme für den begabten Jungen und betrachtete ihn wie den eigenen Sohn (leider starb Carl an Tuberkulose). Es kann auch wundern, dass das Komponieren dem Chopin nicht leicht fiel, im Gegenteil – es ähnelte einem Kampf. Chopin wollte immer perfekt sein, deshalb ließ er seine unvollendeten Werke verbrennen. Die Episoden wurden aus Chopins privaten Briefen und Büchern geschöpft.

Eryk Kulm als Frédéric Chopin.

Besonders beeindruckend ist Eryk Kulm in der Hauptrolle. Er hat als Kind eine gute Musikausbildung bekommen und später von dieser Rolle geträumt. Für den Film übte er über drei Monate lang intensiv Klavierspielen. Deshalb hat er wirklich in allen Szenen Klavier gespielt. Nur die schwierigsten Partien wurden von den hervorragendsten Chopin-Spielern übernommen.

Die zweite Pariser Wohnung wurde im Breslauer Filmstudio (WFF) eingerichtet.

Das Filmbudget betrug 72 Millionen Zloty. In der Produktion haben 260 Schauspieler und über 5 Tausend Statisten teilgenommen. Auch dreihundert historische Fahrzeuge wurden für den Film eingesetzt. Liebhaber von Niederschlesien werden sich darüber freuen, dass man in dem Film zahlreiche Aufnahmen aus der schlesischen Region sehen kann, darunter das Henryk-Wieniawski-Kurtheater und die Promenadenhalle in Bad Salzbrunn (Szczawno-Zdrój), die Burg Bolkenhain (Bolków), die Klosterkirche in Leubus (Lubiąż) – als das verlassene Kloster auf Mallorca, der ehemalige Augustinerklosterkomplex in Sagan (Żagań) oder Breslau – im Atelier des Spielfilmstudios in Wrocław entstand Chopins zweite Pariser Wohnung. Auch das Treffen mit Carl Fritsch wurde auf dem Treppenhaus eines von Langhans entworfenen Gebäudes in Breslau realisiert. 

Einer der größten Drehorte war jedoch das Schloss in Rohnstock (Roztoka), das bis 1945 der Familie von Hochberg (den Eigentümern von Schloss Fürstenstein) gehörte. Hier wurde Chopins erste Pariser Wohnung eingerichtet (wenn Chopin aus dem Fenster auf Paris blickt, ist dies der Innenhof des Schlosses Rohnstock). Im Musiksalon des Grafen Bolko von Hochberg (Hans Heinrich XIV. Bolko) wurde die Wohnung der Familie Wodziński und das Treffen Chopins mit seiner späteren Verlobten – der Malerin und Pianistin Maria Wodzińska – inszeniert, und in der Eingangshalle des Schlosses entstand ein Thermotherapie-Raum, in dem Kranke für „drei Ave Maria” in einen speziellen Ofen gelegt wurden.

In der Eingangshalle des Schlosses entstand ein Thermotherapie-Raum, in dem Kranke für „drei Ave Maria” in einen speziellen Ofen gelegt wurden.

Dieser Ofen und weitere Requisite können bei einer Besichtigung des Objekts bewundert werden, sobald das Schloss ab Frühling wieder zugänglich wird). Die Besitzer des Schlosses und Gründer der Stiftung „Zamek Roztoka – Ocalić od zapomnienia” (Schloss Rohnstock – Vor dem Vergessen bewahren) – Małgorzata und Arkadiusz Śnieżkowie – haben auch dafür gesorgt, dass man in Chopins Filmwohnung weiterhin seinen Geist spüren kann. Sie wurden im Stil der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingerichtet. Dort steht auch ein historischer Flügel – so, als hätte Frédéric Chopin ihn nur für einen Moment verlassen …

Text und Bilder: Małgorzata Urlich-Kornacka