Sehenswert: Die Stadt Bielitz-Biala und ihr Historisches Museum

Bielitz-Biala (Bielsko-Biała) ist polnische Kulturhauptstadt 2026

Eine wichtige Kultureinrichtung der Stadt ist das Historische Museum mit seinen vier Standorten, die wir heute vorstellen.

Bielitz-Biala (Bielsko-Biała) ist eine ca. 165.000 Einwohner zählende Stadt im Süden Polens. Sie liegt in der Wojewodschaft Schlesien etwa 60 km südlich von Kattowitz (Katowice) und entstand 1951 durch den Zusammenschluss der (ehemals österreichisch-)schlesischen Stadt Bielitz (Bielsko) und der kleinpolnischen bzw. galizischen Stadt Biala (Biała). Die Stadt ist das wirtschaftlich-kulturelle Zentrum eines Gebiets, das als Beskidenland bezeichnet wird. Manchmal wird Bielitz-Biala auch als „Klein-Wien” bezeichnet, da seine historische Entwicklung, Architektur und Lebensweise der Einwohner lange Zeit stark an Wiener Vorbilder angelehnt waren. Die Stadt lag innerhalb der Grenzen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und fungierte als wichtiges Verwaltungs- und Industriezentrum, das kulturell und wirtschaftlich eng mit der Hauptstadt des Reiches verbunden war. In der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte die Stadt einen dynamischen Aufschwung, und die wohlhabende Bürgerschaft gestaltete den städtischen Raum bewusst nach dem Vorbild Wiens, indem sie repräsentative Mietshäuser, öffentliche Gebäude, Theater und Kulturinstitutionen im Jugendstil und im historistischen Stil errichtete. Ähnlich wie Wien war die Stadt multikulturell und mehrsprachig – hier lebten zusammen Polen, Deutsche und Juden und das intensive gesellschaftliche, Kaffeehaus- und Kunstleben schuf die Atmosphäre einer kleinen Metropole. Der Begriff „Klein-Wien” betont also nicht nur die architektonischen Ähnlichkeiten, sondern auch die Ambitionen der Stadt, ihre bürgerliche Eleganz und das Gefühl der Zugehörigkeit zum gemeinsamen Kulturraum der Habsburgermonarchie.

Polnische Kulturhauptstadt 2026

Die polnische Kulturhauptstadt ist eine Initiative des polnischen Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe, die ins Leben gerufen wurde, um das kulturelle Leben in polnischen Städten zu unterstützen und zu fördern. Die Idee entstand während des Wettbewerbs um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2029”, den die ostpolnische Stadt Lublin gewonnen hat. Dank der Initiative „Polnische Kulturhauptstädte 2026-2028” können die Finalisten des Wettbewerbs ihr künstlerisches und kulturelles Potenzial präsentieren: Bielitz-Biala (Bielsko-Biała) im Jahr 2026, Kattowitz (Katowice) im Jahr 2027 und Kolberg (Kołobrzeg) im Jahr 2028.

Das Motto der Kulturhauptstadt Bielitz-Biala lautet „Wir weben Wohlstand (Tkamy dobrostan)”, bezieht sich auf die historische Bedeutung als Tuchmacherstadt und vermittelt die Vision einer Stadt als Webstuhl, auf dem der Wohlstand der Einwohner auf der Grundlage des Dialogs zwischen verschiedenen sozialen Gruppen und Bereichen des sozialen und wirtschaftlichen Lebens gewebt wird.

Das Historische Museum in Bielitz-Biala

Das Historische Museum in Bielitz-Biala gehört zu den wichtigsten Kultureinrichtungen der Stadt und setzt sich aus vier Standorten zusammen. Dazu gehören: das Schloss der Fürsten Sułkowski, die Alte Fabrik, das Weberhaus und die „Fałatówka”.

Das Schloss der Fürsten Sułkowski

Das im Zentrum von Bielsko-Biała gelegene Schloss ist das älteste und größte historische Gebäude in der historischen Stadt Bielsko und Hauptsitz des Historischen Museums in Bielsko-Biała. Das Schloss in Bielsko, das im Laufe der Zeit schrittweise erweitert und umgebaut wurde, diente über zwei Jahrhunderte lang als einer der Sitze der Teschener Piasten. Im Jahr 1572 wurde es zum Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum des unabhängigen Staatsgebiets Bielsko, das von Vertretern der Adelsfamilien Promnitz (1572–1582), Schaffgotsch (1582–1592), Sunnegh (1592–1724), Solms (1728–1742) und Haugwitz (1742–1752) regiert wurde.

Im Jahr 1752 ging der Sitz in den Besitz der Fürstenfamilie Sułkowski über, die hier bis 1945 residierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in dem vom polnischen Staat übernommenen Schloss mehrere kulturelle Einrichtungen untergebracht, darunter ein Museum, das seit 1998 der einzige Nutzer des historischen Gebäudes ist.

Die Dauerausstellungen im Schloss umfassen folgende Themen: „Archäologisch-historische Entwicklung von Bielsko-Biała und Umgebung”, „Prähistorische, mittelalterliche und neuzeitliche Denkmäler aus dem Gebiet Podbeskidzie”, „Geschichte von Bielsko und Biała vom 16. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg”, „Geschichte der Städte und Umgebung bis 1989”, „Ethnografie und Religionen”, „Salons der Fürsten Sułkowski”, „Rittersaal – archäologisches und architektonisches Schutzgebiet”, „Saal der Alten Kunst”, „Galerie europäischer und polnischer Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts”, „Galerie der Grafik der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert”, „Galerie für Porträtmalerei des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts”, „Galerie für zeitgenössische Kunst der Region Bielsko-Biała”, „Biedermeier-Salon”, „Musiksalon”, „Schießstand” und  die Schlosskapelle St. Anna (Mausoleum der Fürstenfamilie Sułkowski).

Alte Fabrik

Eine weitere bemerkenswerte Abteilung des Historischen Museums in Bielsko-Biała ist die Alte Fabrik. Die Abteilung befindet sich in einem Industriegebäude, das seit 1887 als Fabrik für Stoffe und Wollwaren diente und vom Bielitzer Tuchmacher Karl Büttner (1833-1884) gegründet wurde.  Das Unternehmen beschäftigte 150 Arbeiter in zwei Werken. Neben der Herstellung von Tuch-, Schur- und Kammgarnstoffen begann man auch mit der handwerklichen Herstellung von Teppichen. Es gab Vertretungen in Posen und Danzig, und die Produkte wurden unter anderem in Länder des Nahen Ostens geliefert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik verstaatlicht und in die Wollindustriebetriebe Leon Laska eingegliedert (Zakłady Przemysłu Włókienniczego), später bekannt als ZPW „Bewelana”. Nach Beendigung der industriellen Tätigkeit wurde das Anwesen unter neuen Eigentümern aufgeteilt, wobei ein Teil der Gebäude für die Bedürfnisse des Museums vorgesehen wurde, das 1983 hier einzog. Seitdem wurde die Sammlung nach und nach um Maschinen und Geräte erweitert, die hauptsächlich aus lokalen Industriebetrieben stammen. Derzeit können in der Alten Fabrik folgende Ausstellungen besichtigt werden: „Von der Textilindustrie zum kleinen Fiat”, „Die Industrie von Bielsko-Biała im 19. und 20. Jahrhundert”, „Wolf, Selbstaktor, Schermaschine…” und „Denkmäler der Textiltechnik”.

Das Weberhaus

Die Geschichte des dritten Teils des Museums, des „Weberhauses”, reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts befanden sich hier die Wohnung und die Werkstatt eines Tuchmachers. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war hier die Schuhmacherwerkstatt von Antoni Polończyk untergebracht, die bis zum Zweiten Weltkrieg bestand. In der Nachkriegszeit diente das Gebäude als normales Mietshaus. Antonis Sohn, Wiktor Polończyk, schenkte es 1974 dem Staat, damit es als Museum genutzt werden kann. Im Jahr 1992 öffnete das Bezirksmuseum in Bielsko-Biała das Haus für Besucher. Derzeit kann man im Rahmen der Dauerausstellung eine Rekonstruktion des Innenraums des Hauses und der Tuchmacherwerkstatt des Zunftmeisters besichtigen.

Die Fałatówka

Die letzte Abteilung des Historischen Museums in Bielsko-Biała ist eine Villa mit Garten, die so genannte „Fałatówka”. Der Name bezieht sich auf den Künstler Julian Fałat, der dort fast zwanzig Jahre seines Lebens verbrachte. Der Maler erwarb dieses Haus im Jahr 1909. Nach seinem Tod gingen das Grundstück und das Haus in den Besitz seiner Tochter Helena Niemczewska und seines Sohnes Kazimierz Fałat über.

Seit der zweiten Hälfte der 1940er Jahre bemühte sich das Museum in Bielsko-Biała, das in der Villa erhaltene Erbe des Künstlers zu sichern, sammelte Werke des Malers und verschiedene Archivmaterialien und organisierte Vorträge und Ausstellungen, um sein Werk sowohl in Bielsko-Biała als auch in anderen Städten Polens bekannt zu machen. Die erste Dauerausstellung umfasste Werke des Künstlers in Öl- und Aquarelltechnik, Archivmaterialien sowie Möbel, Malutensilien und andere Erinnerungsstücke an Julian Fałat. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte wurde der Ausstellungsraum der Fałatówka mehrfach modernisiert, und die Ausstellung wurde kontinuierlich um weitere Werke von Julian Fałat, Kompositionen anderer Künstler aus der Sammlung des Malers selbst sowie um immer umfangreicheres Archivmaterial erweitert: verschiedene Arten von Erinnerungsstücken, Dokumente, Fotografien, Korrespondenz von und an den Künstler, Diplome, persönliche Gegenstände und Einrichtungsgegenstände, die das Gebäude während Fałats Wohnzeit ausstatteten. Derzeit bietet die „Fałatówka” den Besuchern zwei Dauerausstellungen: „Julian Fałat – mit der Palette durchs Leben” und „Julian Fałat – Maler und Sammler” .

Weitere Informationen:

Muzeum Historyczne w Bielsku-Białej
ul. Wzgórze 16
PL-43-300 Bielsko-Biała
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Kontakt: sekretariat@muzeum.bielsko.pl

Text: Redaktion SILESIA News
Grundlagen/Quellen: Instytut Polski w Wiedniu, Muzeum Historyczne w Bielsku-Białej