Seit 20 Jahren ist die Villa Greta die bekannteste Adresse im niederschlesischen Dobków
Vor einigen Wochen wurde das Restaurant in den renommierten Michelin-Guide aufgenommen.
Dobków(Kleinhelmsdorf), ein kleines sudetisches Dorf, liegt abseits der großen Hauptstraßen – etwa 25 Kilometer von den nächsten Städten und fast 100 Kilometer von Breslau entfernt. Eigentlich kein Ort, an dem man Spitzen-Gastronomie vermutet. Und doch hat es diese idyllische Ecke Niederschlesiens völlig unerwartet auf die kulinarische Landkarte Europas geschafft. Das Familienhotel mit Restaurant Villa Greta, geführt von Ewelina und Krzysztof Rozpędowski, wurde kürzlich in den renommierten Michelin-Guide aufgenommen.


Die Nachricht kam für die Besitzer völlig unerwartet und löste große Überraschung aus. Es grenzt an ein kleines Wunder, wie ein so abgelegenes Fleckchen Erde die Aufmerksamkeit der anonymen Inspektoren eines der einflussreichsten Gastronomieführer der Welt auf sich ziehen konnte. Die Betreiber betonen selbst immer wieder die extreme Abgeschiedenheit ihres Dorfes, da die nächsten größeren Städte wie Hirschberg (Jelenia Góra), Goldberg (Złotoryja) und Jauer (Jawor) ein gutes Stück entfernt liegen. Dennoch gehört die Villa Greta nun zu dem exklusiven Kreis von nur 147 ausgezeichneten Lokalen in ganz Polen.
Sofortiger Boom bei internationalen Gästen
Die positiven Auswirkungen der Michelin-Empfehlung machten sich umgehend bemerkbar. Die Gastgeber registrierten direkt nach der Bekanntgabe einen spürbaren Zuwachs an Urlaubern aus dem Ausland. Dies galt für das Paar als eindeutiges Zeichen dafür, dass die Menschen gezielt wegen dieser neuen Auszeichnung zu ihnen reisen.
Dabei zeigt sich, dass die Feinschmecker das Besondere suchen. Die Besucher wählen auf der Speisekarte gezielt außergewöhnliche Kreationen, die sie nirgendwo anders finden. Dazu gehören beispielsweise die hauseigenen Schokoladenbomben.
Der Weg zu diesem Erfolg war jedoch steinig. In der Anfangsphase der 2005 gegründeten Pension kümmerte sich Ewelina Rozpędowska noch komplett allein um das Frühstück, Mittag- und Abendessen für die Pensionsgäste. Erst auf Anraten von Freunden eröffnete das Paar ein öffentliches Restaurant, da es in der gesamten Umgebung an gastronomischen Einkehrmöglichkeiten mangelte.
Radikal lokal: Zutaten aus dem eigenen Garten und Nachbardorf
Das entscheidende Kriterium für die Michelin-Kritiker war die konsequente Regionalität. Die Villa Greta setzt ausschließlich auf Erzeugnisse von lokalen Lieferanten. Bekannte aus der Umgebung bauen Kohl und Gurken an, und Fleisch wird direkt aus der Region bezogen. Es kommt zudem nur dann auf den Teller, wenn es frisch verfügbar ist.
Viele Gäste nehmen weite Wege auf sich, um den Kaninchenbraten oder das in Weißwein und Estragon geschmorte Lammfleisch zu probieren. Letzteres wird mit einem Gratin aus Kartoffeln aus dem Nachbardorf serviert. Ein großer Favorit im Frühjahr ist die saisonale Brennnesselsuppe, für die frische Brennnesseln direkt im eigenen Garten gepflückt werden.

Die Hauptstadt des Geofood
Seit 2024 gilt Dobków als die informelle Hauptstadt des UNESCO-Geoparks „Land der erloschenen Vulkane”. Ewelina Rozpędowska war maßgeblich an der Entstehung dieses Geoparks beteiligt. Passend dazu greift sie im Restaurant den weltweiten Trend des sogenannten Geofood auf.
Die Dessertkarte ist eine Hommage an die geologische Geschichte der Region. Auf den Tellern finden sich süße Vulkane mit heißer Himbeerlava, vulkanische Erde oder die berühmten Schokoladenbomben. Dekoriert wird das Ganze mit viel Obst, was auf die hohe Fruchtbarkeit von Vulkanböden anspielen soll.
Die eigentliche Bewertung durch die Michelin-Kritiker geschah völlig unbemerkt. Einige Wochen vor der Verkündung der Ergebnisse erhielt das Hotel eine englischsprachige E-Mail mit der Bitte, einen Fragebogen zu Nachhaltigkeit und zum Umgang mit Lebensmitteln auszufüllen. Das war der erste Hinweis darauf, dass das Haus im Fokus der Tester stand. Da die Besitzer nicht wussten, ob die Inspektoren erst noch anreisen würden, wurde das gesamte Serviceteam in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Zu diesem Zeitpunkt war die finale Empfehlung jedoch schon längst beschlossene Sache.

Ein Ort aus Liebe gebaut – Die bewegende Familiengeschichte
Hinter dem kulinarischen Erfolg steht eine tief verwurzelte Familiengeschichte, die bis in das Jahr 1760 zurückreicht. Seit diesem Jahr befindet sich das Haus im Besitz derselben Familie – was in Niederschlesien eine absolute Ausnahme darstellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung der deutschen Bevölkerung siedelde sich Krzysztofs Großvater in Dobków an. Als sogenannter „Sybirak” hatte er die sowjetische Deportation nach Kasachstan überlebt und später an der Front gekämpft.
In Dobków lernte er Margareta Witwer kennen, die spätere Großmutter von Krzysztof Rozpędowski. Trotz aller damaligen gesellschaftlichen sowie politischen Hürden verliebten sie sich und heirateten schließlich. Krzysztof Rozpędowski betont oft mit Stolz, dass er der Enkel von Oma Greta und Opa Janek ist und der Name der Villa Greta eine direkte Hommage an seine Großmutter darstellt.
Nach dem Tod der Großmutter stand das Haus und der gesamte Vierseitenhof eine Zeit lang leer. Krzysztof und Ewelina trafen die Entscheidung, ihr Leben in Krakau aufzugeben, in die schlesische Provinz zu ziehen und dem Hof ein neues Leben einzuhauchen. Die Arbeiten begannen mit einer Dachsanierung, gefolgt von der Renovierung des Hauptgebäudes.
Da das Paar zu dieser Zeit selbst kleine Kinder hatte, wurde die Anlage von Beginn an extrem familienfreundlich gestaltet. So entstanden eine große Freiflächen zum Spielen, ein alter Garten wurde mitbespielt.


Die Villa Greta zeigt eindrucksvoll, dass man selbst an einem vermeintlich abgelegenen Ort mit Leidenschaft, Respekt vor der Geschichte und Liebe zu regionalen Produkten ein Projekt realisieren kann, das sowohl Urlauber als auch die anspruchsvollsten Restaurantkritiker der Welt begeistert.
Weitere Informationen über die Villa Greta finden Sie hier – wie auch das aktuelle Menü.
Text: Anna Enders-Roszyk
Textquelle: Informationen basieren auf einem Bericht des polnischen Nachrichtenportals Fakt.pl.
Bildnachweis: Die Fotos wurden uns freundlicherweise von der Villa Greta zur Verfügung gestellt (Urheber: Marcin Kaźmieruk). Sie sehen hier den Vierseitenhof mit Pension und Restaurant „Villa Greta” sowie ausgewählte Speisen.






