Fünfhundert Jahre Erfolgsgeschichte
Die Stadt ist für ihren besonderen Charakter und die starke lokale Identität ihrer Einwohner bekannt. Seit Jahrhunderten gehören die Tarnowitzer in mehreren Bereichen zu den Vorreitern.
Seit Jahrhunderten gehören die Einwohner von Tarnowitz (Tarnowskie Góry) in mehreren Bereichen zu den Vorreitern. In dem Ort, der einst zusammen mit Kuttenberg (Kutna Hora) in Böhmen und Freiberg in Sachsen zu der elitären Gruppe der freien Bergstädte und somit zu den wichtigsten Montanzentren Mitteleuropas zählte, wurde 1788 die erste Dampfmaschine des europäischen Festlandes in Betrieb genommen. Um sie zu bewundern, unternahm kein geringer als Johann Wolfgang von Goethe eine Reise nach Oberschlesien.


Im 20. Jahrhundert war die Stadt wiederum Pionier im Bereich des Industrietourismus´. Bereits in den 1930er Jahren wurden dort regelmäßige Besichtigungen der historischen Bergwerksobjekte angeboten und seit 1957 ist der „Stollen der Schwarzen Forelle“, der ursprünglich der Entwässerung der Bergwerke diente, für Touristen zugänglich. Schon 1903 wurden auf Bestreben der Stadtverwaltung Teile der Berghalden rekultiviert und in einen Park verwandelt. Überdies war Tarnowitz die erste oberschlesische Stadt, in der es zu einem Streik kam. Im August 1534 legten die Knappen wegen fehlender Lohnzahlung die Arbeit nieder, was zu Unruhen führte.

Im Jahr 2017 erlebte die alte Bergstadt erneut einen großen Augenblick, als 28 thematisch mit dem Bergbau verbundene Objekte zum UNESCO-Welterbe erklärt wurden. Somit ist Tarnowitz der erste Ort in Oberschlesien, der auf dieser elitären Liste steht.

Der direkte Grund für die Entstehung eines neuen Ortes und seine spätere Stadtwerdung im Jahr 1526 war die Entdeckung reicher Silbervorkommen in der Nähe des Dorfes Tarnowitz (heute amtlich Tarnowice Stare), von dem die neue Stadt wohlgemerkt ihre deutsche Namensvariante übernahm. Die polnische weist wiederum eindeutig auf den Entstehungshintergrund. Denn „Tarnowskie Góry“ oder präziser gesagt „Tarnowskie Gory“ bedeutete ursprünglich im oberschlesischen Polnisch „Tarnowitzer Bergwerke“. Der neue Ort entwickelte sich so rasch, dass er bereits 1526 vom Herzog Johann II. von Oppeln und Georg von Brandenburg-Ansbach die Bergfreiheit und das Stadtrecht erhielt. Das damals verliehene Stadtwappen wurde in der kommunistischen Zeit „polonisiert“, indem der schwarze Adler des Markgrafen von Brandenburg entfernt wurde. Erst 2002 beschloss der Stadtrat die Rückkehr zum ursprünglichen Symbol (mehr zu der heraldischen Polonisierung in der Ära der Volksrepublik hier).


Im Jubiläumsjahr fanden bzw. finden in Tarnowitz zahlreiche Veranstaltungen statt. Einen besonders feierlichen Charakter hatte in diesem Jahr das wiederkehrende Fest der Bergknappen (Gwarki tarnogórskie), das diesmal ganze vier Tage dauerte. Länger als sonst wurde aus demselben Anlass das „Barbara-Fest Mitten im Sommer“ gefeiert, das an die alten Bergfeste des 18. Jahrhunderts anknüpft und an die Entdeckung neuer Silberlagerstätten im Jahr 1784 erinnert.
Text: Dawid Smolorz
