Das historische Wasserwerk am Weidedamm in Breslau öffnet seine Pforten

Das Wasserwerk gehört zu den Perlen der technischen Architektur in der Odermetropole

Neue touristische Attraktion in der Nähe von Hydropolis hat Potenzial zum Besuchermagnet.

Die ehemaligen Wasserwerke am Weidedamm (Na Grobli) wurden am 1. August 1871 eröffnet. Durch Jahrzehnte versorgten sie die Stadt Breslau mit Trinkwasser. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie von dem Städtischen Wasser- und Abwasserunternehmen MPWiK S.A. übernommen. Nachdem ein neuer, supermoderner Teil für die Wasserversorgung der niederschlesischen Hauptstadt gebaut wurde, konnte der historische Teil für Touristen geöffnet werden. Um das Thema Wasser zu popularisieren, eröffnete das Unternehmen MPWiK S.A. vor einigen Jahren ein modernes multimediales Zentrum des Wissens über das Wasser. Es heißt Hydropolis und befindet sich in einem unterirdischen Reservoir für sauberes Wasser aus dem 19. Jahrhundert.

Das Zentrum des Wissens über das Wasser Hydropolis befindet sich in einem unterirdischen Reservoir für sauberes Wasser (MPWiK).

Jetzt bereitet sich das Wasser-Wissenszentrum Hydropolis auf die neue touristische Saison vor und eröffnet ein Gebäude innerhalb des Komplexes, das jahrzehntelang unzugänglich war. Es geht um den östlichen Dampfkesselraum, der direkt an den malerischen Wasserturm am Weidedamm angeschlossen ist. Der Wasserturm selbst bleibt jedoch noch geschlossen.

Das ehemalige Wasserwerk am Weidedamm gehört zu den bedeutendsten Technikdenkmälern von Breslau. Der neu eröffnete Teil des historischen Gebäudes und eine Wechselausstellung über die großen Schiffe Titanic, Olympic und Britannic sollen Besuchermagnet sein.

Wasserversorgung im 19. Jahrhundert

Mit der raschen Entwicklung der Stadt im 19. Jahrhundert musste auch die Wasserversorgung entwickelt werden. Im Jahre 1860 wurde vom Stadtrat der Bau der Wasserwerke beschlossen und ein Wettbewerb ausgeschrieben. Der Stadtarchitekt Carl Friedrich Zimmermann wählte das Projekt des englischen Architekten John Moore, hat aber einige Änderungen vorgenommen. Er beschloss, dass sich der Dampfkesselraum außerhalb des Turms befinden wird, in einem extra dafür errichteten Gebäude mit einem charakteristischen Schornstein. Um den Dampf zu produzieren brauchte man Steinkohle, die aus Oberschlesien an den nahgelegten Kohlenhafen (heute Beach Bar an der Oder) mit den Schiffen gebracht wurde und dann mit Hilfe der Schmalspurbahn zum Dampfkesselraum geliefert wurde. In dem Wasserturm befanden sich Dampfmaschinen, die das Wasser nach oben zu pumpen, um es in die Häuser der Breslauer zu liefern.

Das moderne System wurde für 200 Tausend Einwohner geplant (damals zählte die Stadt ca. 165 Tausend). Am Anfang entnahm das Wasserwerk das Wasser aus der Oder. Es musste gereinigt werden, bevor es in das städtische Netz gelangen konnte. Zu diesem Zweck wurden die sogenannten langsamen Filter verwendet, d. h. mit Sand und Kies gefüllte Becken. Das Flusswasser, das in sie hineingegossen wurde, reinigte sich selbst und sickerte langsam durch das Kiesbett. Das in den Wasserwerken von Breslau verwendete System offener Filter, das Moore von den britischen Inseln nach Deutschland brachte, sorgte für einige Kontroversen. Man befürchtete, dass das Wasser in den Filtern im Winter gefrieren würde. Es stellte sich jedoch heraus, dass sich das System im mitteleuropäischen Klima hervorragend bewährte, weshalb bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zwei weitere offene Filter gebaut wurden. Dies war im Grunde genommen das einzige System zur Aufbereitung des Oderwassers in den ersten Jahren des Bestehens der Wasserwerke.

Im Laufe der Zeit wurde der Komplex erweitert und modernisiert: ein westlicher Heizraum wurde hinzugefügt und eine zweite Wasserentnahmestelle an der Oder geschaffen. Neben den genannten Gebäuden gehörten auch Werkstatt- und Lagergebäude, ein Wohngebäude für das Personal des Maschinenraums im Turm, Lagerplätze für Rohre und Sand für Langsam-Filter sowie eine Pförtnerloge am Eingang zum Werksgelände und ein städtisches Zollhaus zum Komplex. Das riesige Gelände veranlasste die Direktion zum Ausbau einer Schmalspurbahn, die zunächst von einer kleinen Dampflokomotive und später von einer Diesellokomotive betrieben wurde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann man, Wasser aus Grundwasserfassungen zum Wasserturm zu leiten. Die enorme Verschmutzung des Grundwassers mit Eisen und Mangan machte den Bau einer Enteisenungsanlage, einer Kalkungsanlage und einer Schnellfilteranlage nach dem Reisert-System erforderlich. In der Zwischenkriegszeit war sie der Stolz der Breslauer Wasserwerke. In den 1930er Jahren kamen zehn Schnellfilteranlagen nach dem Wabag-System hinzu. Derzeit umfasst das Wasserversorgungsnetz des städtischen Wasser- und Abwasserunternehmens 2035 Kilometer. Es wird weiterhin ausgebaut und modernisiert. Und das Wichtigste: es versorgt die Einwohner mit sauberem Wasser, das man direkt aus dem Wasserhahn trinken kann. Das Trinkwasser für Breslau kommt heutzutage aus den Flüssen Ohlau (Oława) und Glatzer Neiße (Nysa Kłodzka).

Das Innere des Kesselraumes kann ab Januar 2026 besichtigt werden.

Text: Małgorzata Urlich-Kornacka
Bilder: @MPWiK und Małgorzata Urlich-Kornacka