Im Waldenburger Palmenhaus blühen Agaven

Das Palmenhaus im niederschlesischen Waldenburg ist das einzige Objekt dieser Art in Polen, das in seiner historischen Konstruktion erhalten geblieben ist

Gebaut wurde es 1908–1911 als „der größte Blumenstrauß für Daisy”.

Das Schloss Fürstenstein (Zamek Książ) in Waldenburg (Wałbrzych) ist nach Marienburg (Malbork) und dem Krakauer Wawel das drittgrößte Schloss in Polen. Erbaut als eine befestigte Burg im 13. Jahrhundert, mehrfach umgebaut, diente sie ab 1509 als Sitz der Familie von Hochberg. Mit dieser Familie – besonders mit den letzten Besitzern des Schlosses: Mary Theresa Olivia Cornwallis-West, genannt „Daisy“ (Gänseblümchen) aus Nord-Wales und Hans Heinrich XV. von Hochberg verbindet sich das spannendste Kapitel der hiesigen Geschichte. Laut umhergehender Gerüchte sollte der Reichtum von Hochberg den des deutschen Kaisers Wilhelm II. übertreffen. Die Hochberg besaßen außer Waldenburger Kohlenindustrie auch das Fürstentum Pleß (Pszczyna) mit zahlreichen Bergwerken und der Schwerindustrie, wodurch sie sich als siebtreichste Familie Europas etablierten.

Für seine schöne Frau Daisy ließ der Fürst Hans Heinrich XV. in der Nähe des Schlosses Fürstenstein ein Palmenhaus bauen, das man bis heute besichtigen kann. Die Fürstin war als Liebhaberin schöner Blumen und origineller Pflanzen bekannt. Das Palmenhaus, das in den Jahren 1908–1911 gebaut wurde, sollte der größte „Blumenstrauß für Daisy” sein. Neben dem Hauptgebäude des Palmenhauses wurden auch Gewächshäuser, ein Rosarium (das Herzstück der Anlage, in dem u.a. Rosen mit schneeweißen Blütenblättern gezüchtet wurden, die heute als Sorte „Daisy” bekannt sind), Gärten im japanischen Stil, ein Obst- und Gemüsegarten und eine Fläche für den Anbau von Sträuchern angelegt. Den zentralen Teil des Palmenhauses bildete ein 15 Meter hohes Gebäude aus Metall und Glas, in dem Dattelpalmen gepflanzt wurden. Hier findet man auch eine Palme, die von der Fürstin Daisy persönlich eingepflanzt wurde. Das Ganze war von einstöckigen Orangerien umgeben. Ursprünglich wurde auf dem Dach des Palmenhauses eine kleine Aussichtsgalerie eingerichtet, von der aus man das Panorama der Umgebung bewundern konnte (nicht mehr vorhanden).

Am außergewöhnlichsten war jedoch das Baumaterial, mit dem das Innere des Palmenhauses ausgekleidet war. Der Prinz Hans Heinrich XV. ließ sieben Eisenbahnwaggons aus Sizilien mit erstarrter Lava vom Vulkan Ätna anliefern. Große Stücke vulkanischen Tuffs wurden von den Bauarbeitern zerkleinert und im Palmenhaus verwendet. Seit der Gründung des Palmenhauses war die Anlage für Besucher zugänglich und in diesem Bereich hat sich nichts verändert. Es ist das einzige Objekt dieser Art in Polen, das in seiner historischen Konstruktion erhalten geblieben ist. Obwohl es sehr renovierungsbedürftig ist, hat noch viel von seinem ursprünglichen Reiz erhalten.

Hier kann man von dem strengen Winter vergessen.

Derzeit wachsen hier über 250 Pflanzenarten, die die Flora verschiedener Klimazonen und Kontinente repräsentieren. Sehenswert sind unter anderem Bambus, Ficus und Sträucher aus Asien, Eukalyptus, Fichten und Kiefern aus Australien, Stauden aus Afrika, Kakteen und Agaven aus Mittelamerika sowie Zitruspflanzen aus dem Mittelmeerraum. Übrigens, wenn man blühende Agaven sehen möchte, muss man sich beeilen. Sie blühen einmal im Leben, alle 15-20 Jahre. Hier, im Palmenhaus, wird der Prozess noch einige Wochen dauern. Außer den Pflanzen, kann man hier einige Tiere sehen – es leben hier Lemuren, Pfauen, Papageien, Schildkröten und Fische. Es gibt auch genug Plätze für Selfies und ein schönes Café unter den Pflanzen.  

Zum Waldenburger Palmenhaus kann man bequem mit dem PKW anreisen (der Parkplatz befindet sich direkt am Palmenhaus). Der Eintritt kostet 27 PLN. Für Wanderer, die auch die Umgebung vom Schloss Fürstenstein sehen wollen, ist die Fahrt mit der Bahn empfehlenswert. Von der Bahnstation Wałbrzych Szczawienko (Waldenburg Altwasser) kann man einen Spaziergang zum Palmenhaus machen und dann weiter über die alte Burg Fürstenstein und das Schloss Fürstenstein bis nach Freiburg (Świebodzice) wandern. Der Weg führt durch den Fürstensteiner Landschaftspark.

Das Schloss Fürstenstein im Winterambiente.

Hier der Ausflugvorschlag für erfahrene Wanderer:

Bahnstation Wałbrzych Szczawienko – Palmenhaus – Alte Burg Fürstenstein (Ruine) – Schloss Fürstenstein – Pferdegestüt Fürstenstein – Bahnstation Freiburg / Świebodzice

Stecke: ca. 13 km, 3,5 Stunden (mit Palmenhaus und Pausen etwa 6 Stunden)

Die malerische Burgruine „Alter Fürstenstein“.

Gegenüber dem Palmenhaus beginnt der grüne und später der rote Wanderweg in Richtung Alte Burg Fürstenstein (Stary Książ). Diese malerische romantische Ruine wurde im 18. Jahrhundert von Christian Wilhelm Tischbein im Auftrag von Hans Heinrich VI. erbaut. Sie diente den vielen Gästen des Schlosses Fürstenstein als Ausflugsziel. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts spielte die Ruine die Rolle des touristischen Objekts und wurde zahlreich von den Touristen aus Bad Salzbrunn besucht. Auf dem Innenhof befand sich eine Gaststätte. Im Jahre 1945 wurde die alte Burg Fürstenstein von der Roten Armee angezündet. Seit dieser Zeit bleibt sie eine richtige Ruine.

Von hier geht man nach unten bis zum grünen Wanderweg und zum Fluss Polsnitz (Pełcznica), dann über die Brücke und wieder hoch bis nach Fürstenstein. Der Wanderweg ist unglaublich malerisch – er führt aber direkt an Felsenabgründen vorbei (nicht für Menschen mit Höhenangst geeignet) bis zum Schloss Fürstenstein. Dann, durch den Fürstensteiner Landschaftspark bis nach Freiburg (Świebodzice) zur Bahnstation.

Der Plan der Wanderroute.

Text und Bilder: Małgorzata Urlich-Kornacka