Eine der ältesten Brauereien Schlesiens, zuletzt Teil des Heineken-Konzerns, wurde geschlossen
Das weitere Schicksal des Werkes ist ungewiss.
Das Unternehmen Grupa Żywiec, Teil des Heineken-Konzerns, entschied über die Schließung der traditionsreichen Brauerei in Namslau (Namysłów), etwa 50 km östlich von Breslau (Wrocław) in der Wojewodschaft Oppeln (Opole). Das weitere Schicksal des Werkes ist ungewiss.

Für viele Einwohner der Stadt ist das seit einigen Wochen geschlossene Tor der Brauerei ein Bild, das noch vor kurzer Zeit unvorstellbar war. Schließlich wurde in Namslau seit 1321 Bier gebraut und das Werk gehörte trotz der historischen Umwälzungen zu den wichtigsten Arbeitgebern in der Stadt. Vielmehr noch: Es galt als eines ihrer Symbole. Die Entscheidung der Grupa Żywiec steht nicht im direkten Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Situation der schlesischen Brauerei. Beeinflusst wurde die Maßnahme vor allem durch die Lage auf dem internationalen Biermarkt.

Der Konzern begann bereits Gespräche mit potenziellen Investoren über den Verkauf der Aktiva des Namslauer Werkes. Näheres hinzu ist aber im Moment noch nicht bekannt. Interessanterweise bedeutet die Schließung der Brauerei nicht das Ende der Marke „Namysłów“. Wie Grupa Żywiec mitteilte, werde das Namslauer Bier weiterhin in anderen Brauereien des Konzerns produziert. Moderne Technologien würden ermöglichen, auch bei Herstellung an anderen Standorten, die Qualität und die Eigenart des schlesischen Bieres vollständig aufrechtzuerhalten.


Das Bierbrauen begann in Namslau im 14. Jahrhundert auf Initiative der dortigen Herzöge. Seit 1538 gab es dort eine städtische Brauerei. Für die jüngere Vergangenheit gilt jedoch das Jahr 1862, in dem der aus Thüringen stämmige August Haselbach die relativ unbedeutende Schlossbrauerei Namslau erwarb, als entscheidende Zäsur. Innerhalb kurzer Zeit baute er sie zu dem mit Abstand wichtigsten Betrieb der Stadt aus und machte das Haselbach-Bier zu einer weit über die Grenzen Schlesiens hinaus bekannten Marke. Vor dem Ersten Weltkrieg exportierte diese eine der erfolgreichsten Brauereien Ostdeutschlands das Bier nicht nur ins europäische Ausland, sondern auch in die deutschen Kolonien. Im Jahr 1944 ließ der Enkel des Firmengründers angesichts der nahenden Front das Werk nach Bayern evakuieren. Noch bis 1982 wurde das Haselbach-Bier im Münchener Stadtteil Riem gebraut.
Text: Dawid Smolorz
