Visionär und Pionier mit oberschlesischer Seele

Zum ersten Todestag von Johann Bros

Der erfolgreiche Unternehmer entdeckte früh das Potenzial der postindustriellen Bauten für Geschäftstätigkeit und Kultur.

Johann Bros war erfolgreicher Unternehmer, doch in seiner oberschlesischen Heimat machte er sich vor allem als Pionier und Visionär einen Namen, der bereits in den frühen 1990er Jahren in postindustriellen Bauten Potenzial für Geschäftstätigkeit und Kultur entdeckte.

Inneres der Galerie „Szyb Wilson“. Quelle: www.szybwilson.org

Bros´ Lebenswerk sind zwei gelungene, große Sanierungsprojekte, die die Kattowitzer Stadtteile Schoppinitz (Szopienice) und Janow-Nikischschacht (Janów-Nikiszowiec) nachhaltig geprägt haben. In dem ersteren Viertel erwarb er 1991, also nur zwei Jahre nach dem Fall des Kommunismus, die 1880 von Peter Mokrski erbaute Brauerei. Anschließend verwandelte er sie in einen Geschäftskomplex, der unter dem Namen „Browar Factory Centrum“ teilweise auch kulturellen Zwecken dient. Ausschließlich als Kultureinrichtung war hingegen von Anfang an die Galerie „Szyb Wilson“ gedacht. Die ehemalige Lohnhalle des Bergwerkes „Wieczorek“ (ursprünglich Giesche-Grube), die nur 800 Meter von der unter den Touristen mittlerweile sehr beliebten Arbeitersiedlung Nikischschacht entfernt ist, gilt seit den frühen 2000er Jahren als Begegnungspunkt nicht nur für oberschlesische bzw. polnische Künstler und Musiker. Unter den vielen Konzerten und Ausstellungen, die in den postindustriellen Räumen veranstaltet werden, nimmt das 2008 initiierte Art Naif Festiwal einen besonderen Platz ein, da er direkt an die Tradition der sog. Janower Gruppe anknüpft (mehr zu diesem Thema hier. Mit ihrer Ausstellungsfläche von knapp 2.500 m² ist die Galerie „Szyb Wilson“ die größte private Kunstgalerie Polens. 

Bros war in der Region auch für sein soziales Engagement bekannt. Da die Einwohner der von der Schwerindustrie stark geprägten Stadtteile Schoppinitz und Janow im Zusammenhang mit der 1990er Jahren begonnenen Umstrukturierung ihre Lebensqualität oft einbüßen mussten, setzte er dort mehrere soziale Maßnahmen durch. Unter anderem förderte er Weiterbildungsprojekte für Jugendliche und stiftete Preise für talentierte Schüler einer örtlichen Berufsschule. Mit mehreren Initiativen unterstützte er zudem kranke, behinderte und ausgegrenzte Einwohner der beiden Viertel.

Johann Bros in der Galerie „Szyb Wilson“. Quelle: Galeria Szyb Wilson

Johann Bros stammte aus Loslau (Wodzisław Śląski), wo er 1950 in einer alteingesessenen Familie zur Welt kam. Wie Tausende Oberschlesier verließ er in der kommunistischen Zeit seine Heimatregion, um in der Bundesrepublik Deutschland ein neues Leben anzufangen. In Hamburg gründete er ein Handelsunternehmen, das ihm innerhalb relativ kurzer Zeit finanzielle Stabilität brachte. Nach dem Systemwechsel kehrte er nach Oberschlesien zurück – vor allem von dem Gedanken geleitet, das Potenzial dieses oft unterschätzten Landstrichs in diversen Bereichen entsprechend zur Geltung zu bringen.

Johann Bros starb nach schwerer Krankheit am 4. Juli 2025. Sein Werk setzt seine Frau Monika Paca-Bros fort.

Internetpräsenz: Browar Factory Centrum (Polnisch)
Galerie „Szyb Wilson“ (Polnisch, teilweise Englisch)

Text: Dawid Smolorz