Niederschlesien plant 300 km neue Eisenbahnstrecken

Der Verkehr soll auf mehreren Bahnstrecken wieder aufgenommen werden 

Es handelt sich um Linien, die von der Selbstverwaltung der Woiwodschaft verwaltet werden.

Bis 2029 sollen 300 km neue Eisenbahnstrecken in Niederschlesien entstehen. Die Züge sollen unter anderem nach Stronie Śląskie (Seitenberg), Kowary (Schmiedeberg), Lwówek Śląski (Löwenberg), Przemków (Primkenau) und Srebrna Góra (Silberberg) zurückkehren. Das ist eine weitere Etappe der Umsetzung der bereits Anfang 2021 angekündigten umfassenden Pläne für die Revitalisierung des niederschlesischen Eisenbahnnetzes.

Warum sind diese Pläne so wichtig?

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden in Niederschlesien – wie in ganz Polen – viele lokale Eisenbahnstrecken stillgelegt. Dies wurde damit begründet, dass sie unrentabel seien. Auf diese Weise entstanden auf der Landkarte der Region „eisenbahnlose” weiße Flecken. Viele dieser Strecken sind bis heute stillgelegt. Das bedeutet, dass mehrere größere Städte weiterhin aus dem Bahnverkehr ausgeschlossen sind.

In der Zwischenzeit hat die Woiwodschaftsverwaltung Niederschlesien fast 400 km solcher lokalen Strecken vom staatlichen Eisenbahninfrastrukturbetreiber (PKP PLK) übernommen. Derzeit werden sie von der Niederschlesischen Straßen- und Eisenbahnbehörde (Dolnośląska Służba Dróg i Kolei, DSDiK) verwaltet. Einige davon wurden bereits renoviert. In den letzten Jahren fuhren Züge unter anderem auf den Strecken Jelenia Góra (Hirschberg) – Karpacz (Krummhübel), Gryfów Śląski (Greiffenberg) – Świeradów-Zdrój (Bad Flinsberg) und Dzierżoniów (Reichenbach) – Bielawa (Langenbielau).

Nun hat die Selbstverwaltung der Woiwodschaft ein Programm zur Wiederherstellung der Eisenbahnverbindungen in großem Umfang angekündigt. Es geht darum, den Verkehr auf fast 300 km Gleisen wiederherzustellen, d. h. den Großteil der oben genannten stillgelegten Strecken wieder in Betrieb zu nehmen. 300 km sind eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass die DSDiK bisher 78 km Strecken modernisiert hat. Sind diese Pläne realistisch?

In der Infografik „Bahnlinien” sind in Schwarz bereits revitalisierte und gerade sanierten Bahnstrecken eingezeichnet, in Rot alle weiteren Strecken, die bis 2029 in Betrieb genommen werden sollten. Quelle: Marschallamt der Wojewodschaft Niederschlesien
Was bereits auf den Gleisen passiert

Eine Reihe von Investitionen befindet sich bereits in der Umsetzung. Im Frühjahr dieses Jahres soll der Abschnitt Mysłakowice (Erdmannsdorf) – Kowary (Schmiedeberg) fertiggestellt sein, sodass Züge aus Jelenia Góra (Hirschberg) den zweiten Ort erreichen können. Später soll der nächste Abschnitt, der Kowary mit Kamienna Góra (Landeshut) verbindet, renoviert werden. Die Ausschreibung für die Auftragnehmer läuft bereits.

Bis Juni 2026 sollen die Arbeiten an der Strecke Łagiewniki (Heidersdorf) – Strzelin (Strehlen) abgeschlossen sein, die jedoch vorerst vor allem vom Güterverkehr genutzt werden soll. Im Frühjahr dieses Jahres sollen die Arbeiten zur Sanierung der Strecke Kobierzyce (Koberwitz) – Łagiewniki beginnen. Die ersten Züge sollen dort im Sommer 2028 fahren.

Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten zur Verlängerung der Strecke in Bielawa abgeschlossen werden, wo zwei neue Haltestellen entstehen. In Zukunft soll diese Strecke bis nach Srebrna Góra (Silberberg) verlängert werden, um Touristen den Zugang zur dortigen Festung zu ermöglichen, die eine der größten Attraktionen Niederschlesiens ist.

Bis Ende 2027 sollen Verbindungen auf den Strecken von Kłodzko (Glatz) nach Stronie Śląskie und von Chocianów (Kotzenau) nach Przemków in Betrieb genommen werden. 

Derzeit wird auch die Strecke Wrocław (Breslau) – Trzebnica (Trebnitz) renoviert, die 2009 in Betrieb genommen wurde und die erste von der Selbstverwaltung der Woiwodschaft revitalisierte Strecke war. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die Züge dort schneller fahren – 100 km/h (bisher waren es 80 km/h). Es handelt sich um eine relativ kurze, typische Nahverkehrsstrecke, die jedoch zu den am stärksten frequentierten in Niederschlesien gehört. Jedes Jahr nutzen mehrere hunderttausend Fahrgäste diese Strecke.

Im September 2025 hat Niederschlesische Bahn auf der Linie Hirschberg (Jelenia Góra) – Krummhübel (Karpacz) die Wasserstofflokomotive getestet. Wasserstoffbetriebene Fahrzeuge sollen in Zukunft auf den regionalen Strecken zum Einsatz kommen. Foto. Sławomir Szymański
Was noch in Betrieb genommen werden soll

Geplant ist auch der Wiederaufbau der Strecke Lwówek Śląski (Löwenberg) – Wleń (Lähn) – Jelenia Góra (Hirschberg), der ehemaligen Bobertalbahn. Es handelt sich um eine der malerischsten Eisenbahnstrecken der Region mit drei Tunneln und einer spektakulären Brücke über der Bobertalsperre (Jezioro Pilchowickie). Auch die Strecke Lwówek Śląski – Jerzmanice-Zdrój (Bad Hermsdorf), also bis zum Knotenbahnhof bei Złotoryja (Goldberg), soll wiederhergestellt werden. Dies würde Verbindungen von Lwówek Śląski nach Legnica (Liegnitz) und sogar direkt nach Wrocław ermöglichen.

Ein Zug der Niederschlesischen Bahn (KD) auf dem Bahnhof in Bad Flinsberg (Świeradów-Zdrój), 2024, Foto. Marek Mróz, wikimedia commons

Es ist auch geplant, den Personenverkehr auf vielen lokalen Verbindungen wieder aufzunehmen, darunter: Strzegom (Striegau) – Bolków (Bolkenhain) – Marciszów (Merzdorf), Nowy Kościół (Neukirch) – Wojcieszów (Kauffung) oder Radków (Wünschelburg) – Ścinawka Średnia (Mittelsteine).

Der regionale Verkehrsbetreiber Koleje Dolnośląskie (Niederschlesische Bahn) ist praktisch auf allen aktiven Strecken in der Woiwodschaft Niederschlesien tätig, also auch auf denen, die vom staatlichen Eisenbahninfrastrukturbetreiber (PKP PLK) verwaltet werden. Er verkehrt auch auf einigen Strecken in die Woiwodschaften Lubuskie, Opolskie und Wielkopolskie. Im Jahr 2025 beförderte die Niederschlesische Bahn über 25,5 Millionen Fahrgäste, was einen neuen Rekord in der 18-jährigen Geschichte des Unternehmens darstellt.

Text: Sławomir Szymański