Renaissance der Eisenbahn in Niederschlesien

Die Selbstverwaltung der Wojewodschaft Niederschlesien wird insgesamt 400 km an Strecken in der Region modernisieren

Auch die Bahnstrecke mit der berühmten Brücke, die nicht von Tom Cruise gesprengt wurde, soll übernommen werden.

Niederschlesien zeichnet sich durch ein dichtes Eisenbahnnetz aus, doch bis vor kurzem sah dieses Netz auf der Landkarte viel besser aus als in der Realität. Viele Verbindungen, vor allem lokale, die in der Vergangenheit in Form der typischen Kleinbahn gebaut wurden, wurden als nicht rentabel geschlossen, überwuchert und verfallen. Das galt auch für beeindruckende, mit der Eisenbahn verbundene Bauwerke von historischem Wert wie Brücken, Viadukte, Tunnel, Bahnhöfe.

Professor Tomasz Przerwa von der Universität Breslau/ Wrocław, der die Geschichte Schlesiens nach 1740 erforscht, weist darauf hin, dass Niederschlesien in den 1980er Jahren eine eigentümliche Region war. Niederschlesien war eine Art Freilichtmuseum für Eisenbahn.

– Das lag an den niedrigen Investitionsausgaben. Diese Periode scheint hinter uns zu liegen, und jetzt beginnen wir, uns sowohl um die modernen Bahnverbindungen als auch um ihre historische, alte Substanz zu kümmern.

Aber ist die These von der Renaissance der Eisenbahn in Niederschlesien nicht etwas übertrieben? Keineswegs: In den kommenden Jahren wird es eine Reihe von Investitionen geben, die das Ziel der Wiederherstellung des Verkehrs auf stillgelegten Strecken verfolgen.

Eisenbahnnetz in Niederschlesien, in Rot die von der Selbstverwaltung der Wojewodschaft übernommenen Strecken, in Schwarz (dick) die Strecken in Betrieb. Quelle: wroclawskiefakty.pl

Züge kehren auf malerische Strecken zurück

Bereits in diesem Jahr sollen nach mehr als 20 Jahren wieder Personenzüge auf die Strecke von Breslau/ Wrocław nach Schweidnitz/ Świdnica über Zobten/ Sobótka zurückkehren. Die Revitalisierung erfordert eine gründliche Rekonstruktion und Erneuerung der Infrastruktur. Derzeit wird intensiv an dem Abschnitt Wrocław-Sobótka gearbeitet. Diese Verbindung wird von der Firma PKP PLK dank der EU-Mittel modernisiert. Züge der Koleje Dolnośląskie (Niederschlesische Bahn), des Verkehrsunternehmens der Wojewodschaft, werden hier fahren.

Eisenbahnlinie Breslau-Schweidnitz-Bad Charlottenbrunn, Quelle: PKP

Auch an der äußerst malerischen Strecke von Schweidnitz/ Świdnica nach Jedlina-Zdrój/ Bad Charlottenbrunn (seit 1989 stillgelegt) wird gearbeitet. Hier befinden sich mehrere historische Ingenieurbauwerke. Eine Fahrt mit der Weistritztalbahn, die Anfang des 20. Jahrhunderts im großen Stil erbaut wurde, wird bald eine große touristische Attraktion sein. Laut Plan soll dort 2022 der erste Personenzug im regulären Verkehr fahren.

Die größte Veränderung auf der Eisenbahnkarte Niederschlesiens bringt jedoch die Strategie der Selbstverwaltung der Wojewodschaft Niederschlesien mit sich, die bereits 150 km an Eisenbahnstrecken in der Region übernommen hat, darunter:

  • von Erdmannsdorf-Zillerthal/ Mysłakowice nach Krummhübel/ Karpacz,
  • von Greiffenberg/ Gryfów Śląski nach Bad Flinsberg/ Świeradów-Zdrój,
  • von Landeshut/ Kamienna Góra nach Hirschberg/ Jelenia Góra,
  • von Hermsdorf an der Katzbach/ Jerzmanice-Zdrój nach Löwenberg/ Lwówek Śląski und Landeshut/ Kamienna Góra.

Die Züge sollen auch nach Bad Landeck/ Lądek-Zdrój (die Strecke von Glatz/ Kłodzko) oder Silberberg/ Srebrna Góra (ein Fragment der ehemaligen Eulengebirgsbahn) zurückkehren.

Eisenbahnlinie Schweidnitz-Bad Charlottenbrunn in der Umgebung von Habelschwerdt, Quelle: Wratislaviae Amici.

Final plant die Wojewodschaft die Übernahme von 400 km Bahnstrecken in Niederschlesien. Wie im Februar dieses Jahres angekündigt wurde, wird eine davon auch die alte Bobertalbahn sein, also die Strecke von Hirschberg/ Jelenia Góra nach Löwenberg/ Lwówek Śląski, mit ihrer berühmten, über hundert Jahre alten Brücke über dem Stausee in Mauer/ Pilchowice, die glücklicherweise in einer Hollywood-Produktion – von Tom Cruise gesprengt – nicht zu sehen war (SILESIA News berichtete).

Welche von den derzeit renovierten oder für die Revitalisierung in den kommenden Jahren vorgesehenen Strecken sind am interessantesten in Bezug auf ihren historischen Wert und das touristische Potenzial?

– Ich bin weit davon entfernt, einen eindeutigen Wert dafür anzugeben, was am interessantesten oder am wichtigsten ist. Jede Strecke kann als äußerst malerisch und entscheidend für den Tourismus angesehen werden. Tatsächlich gibt es keine einzelne Linie, die unangefochten an der Spitze stehen würde. Rein subjektiv, aus meiner privaten Sicht als Tourist interessieren mich vor allem die Weistritztalbahn, die bald eröffnet wird, die Bobertalbahn, auf die ich eher warten werde, und auch die Eulengebirgsbahn. Die Zeit wird zeigen, ob die letztere Linie wieder in Stand gesetzt wird”, sagt Professor Tomasz Przerwa.

Das Ende des Freilichtmuseums?

Erwähnenswert ist, dass die Wojewodschaft bereits u. a. die Strecken von Schreiberhau/ Szklarska Poręba nach Jakobsthal/ Jakuszyce sowie von Breslau nach Trebnitz/ Trzebnica übernommen, modernisiert und in Betrieb genommen hat. Die erfolgte Renovierung der Infrastruktur auf den der PKP PLK gehörenden Hauptstrecken der Region (z.B. von Breslau nach Hirschberg oder von Breslau nach Liegnitz und weiter nach Kohlfurt/ Węgliniec) sowie die Einführung von modernen Zügen der Niederschlesischen Eisenbahn ermöglichten jedenfalls einen Abschied von der für ein Eisenbahn-Freilichtmuseum typischen Reisegeschwindigkeit.

Text: Sławomir Szymański
Übersetzung: Agnieszka Bormann