Nationalpark Riesengebirge kauft Giersdorfer Teiche

Am 8. Mai wurde das Gebiet des Nationalparks Riesengebirge um Giersdorfer Teiche größer

Den Einkauf ermöglichte eine polnisch-kanadische Stiftung. Ziel ist der Schutz dieser einzigartigen historischen Anlage.

Am 8. Mai 2026 ist der Nationalpark Riesengebirge Eigentümer des historischen Teichkomplexes der Giersdorfer Teiche (Stawy Podgórzyńskie) geworden. Der Erwerb dieses ökologisch äußerst wertvollen Gebiets wurde durch eine Spende in Höhe von 29.580.000 Złoty (etwa 7 Mio. Euro) ermöglicht, die von der Stiftung „Drzewo i Jutro“ (Der Baum und der Morgen) bereitgestellt wurde. Die Fläche der erworbenen Grundstücke beträgt etwa 113 ha, wovon 87 % auf die Teichflächen entfallen. Das ist eine der größten Gebietserweiterungen in der Geschichte des Nationalparks Riesengebirge.

Die Giersdorfer Teiche sind der älteste Zuchtteichkomplex im Sudetengebirge. Er wurde im 15. Jahrhundert vom Zisterziensern angelegt und zeichnet sich durch einzigartige naturkundliche, historische, kulturelle und landschaftliche Merkmale aus. Etwa 180 Brut- und Zugvogelarten sind hier zuhause, darunter fast 100 Wasser- und Sumpfvogelarten. Außerdem befinden sich hier wertvolle Lebensräume wie Feuchtgebiete, Moore, Wiesen und Auen. Das Gebiet ist ein wichtiger Brutplatz für Amphibien und Lebensraum für seltene Wirbellosenarten. Die Teiche erfüllen zudem eine äußerst wichtige Funktion als ökologischer Korridor.

Die Stiftung „Drzewo i Jutro“ wurde 2016 von James Van Bergh gemeinsam mit seiner Frau Agnieszka Van Bergh gegründet. James Van Bergh ist Unternehmer und Investor, ehemaliger Gründer des Unternehmens Benefit Systems, wo er als Geschäftsführer und Vorsitzender des Aufsichtsrats tätig war.

Die Stiftung unterstützt Nichtregierungsorganisationen in Polen und Kanada finanziell. In den über 10 Jahren ihres Bestehens hat die Stiftung bis heute 87 Millionen Zloty an Spenden an 53 Nichtregierungs- und soziale Organisationen vergeben, darunter 43 Millionen für Projekte im Bereich der Umwelterziehung und des Naturschutzes. Seit 2022 finanziert die Stiftung zudem den Erwerb von ökologisch wertvollen Flächen – als eines der wirksamsten Instrumente für deren nachhaltigen Schutz.

Naturjuwel mit jahrhundertelanger Geschichte

Die Giersdorfer Teiche liegen am Rand von Giersdorf (Podgórzyn), unweit des Kurortes Bad Warmbrunn (Cieplice Śląskie-Zdrój). Sie wurden im 15. Jahrhundert von Zisterziensern aus Bad Warmbrunn angelegt und im 18. Jahrhundert – damals im Besitz der Familie Schaffgotsch – erheblich erweitert. In ihrer Blütezeit umfasste die Anlage 67 Fischteiche. Das war der größte Komplex dieser Art im gesamten Sudetengebiet. Heute besteht das Gelände aus 22 Teichen und befand sich bis vor kurzem in Privatbesitz.

Anfang des 20. Jahrhunderts führte sogar eine Straßenbahnlinie über den Damm zwischen den Teichen – von Bad Warmbrunn nach Giersdorf. Heute erinnert ein historischer Straßenbahnwagen an diese Zeit. Er steht an der Straße von Hirschberg (Jelenia Góra) nach Hain (Przesieka).

Beliebtes Naherholungsgebiet

Die Giersdorfer Teiche sind nicht nur ein bedeutendes Naturbiotop, sondern auch ein Ort, an dem sich Hirschberger Bewohner und Touristen gern erholen. Spaziergänger, Radfahrer und Familien kommen regelmäßig hierher – über Wege, die direkt aus dem Stadtzentrum von Bad Warmbrunn führen. Bis vor kurzem war am Ufer ein beliebtes Fischrestaurant in Betrieb, berühmt für Karpfen, Forellen und Fischsuppe. Im Sommer wurde auf der Terrasse serviert – mit einem der schönsten Ausblicke auf das Riesengebirge. Auch das Panorama über den Teichen gilt als eine der schönsten in der Region.

Ein Verkaufsangebot, das die Region elektrisierte

Der rund 120 Hektar große Komplex, davon etwa 100 Hektar Wasserfläche, wurde im vergangenen Jahr für 49,9 Millionen Złoty zum Verkauf angeboten. Die Aussicht, dass ein privater Investor das Gelände erwerben und bebauen könnte, löste große Besorgnis aus. Eine Bürgerpetition forderte den Schutz des Gebiets und warnte vor der Gefahr, dass wertvolle Lebensräume zerstört und das Landschaftsbild unwiederbringlich verändert würden. Die Petition trug maßgeblich dazu bei, dass der Nationalpark Riesengebirge aktiv wurde.

Unmittelbar nach dem Kauf werden bereits Pläne für eine sinnvolle Erschließung diskutiert: Beobachtungsstege, Naturpfade, Plattformen für Vogelbeobachtung (birdwatching), sowie die mögliche Wiedereröffnung des Fischrestaurants. 

Text und Bilder: Iza Liwacz
Redaktion SILESIA News
Quelle: Nowiny Jeleniogorskie, Karkonoski Park Narodowy