Hindenburg/Zabrze war Drehort für einen Hollywood-Streifen
Die Kulisse wurde nicht zufällig gewählt. Die St. Josefskirche gehört zu den beeindruckendsten Objekten, die im 20. Jahrhundert in der Region erbaut wurden.
An den letzten Mai- und den ersten Junitagen versammelten sich tagsüber Fans um die Hindenburger St. Josefskirche in Zabrze in der Hoffnung auf das Autogramm eines Hollywood-Stars. Polnische Filmteams waren in den letzten Jahren relativ häufig in Hindenburg zu Gast, um nur die jüngste Produktion „Die Bleikinder“ zu nennen. Viel seltener kamen hingegen Filmemacher aus dem Ausland, von Hollywood ganz zu schweigen.


Aus inoffiziellen Quellen war bekannt, dass in den in Hindenburg gedrehten Szenen Jeremy Irons und Russell Crowe auftreten würden. Die Dreharbeiten fanden im Innenraum des Kirchengebäudes statt, der komplett umgestaltet wurde. Die Kirchenbänke wurden entfernt, die Glasfenster verdeckt, Reihen von Schreibtischen, Bildschirmen und elektronischen Geräten aufgestellt, und über dem Altar wurde eine Metallkonstruktion angebracht. Für Filmzwecke verwandelte sich die Josefskirche in den Sitz der Organisation „The Watchers“ – einer geheimen Gruppe, die die Unsterblichen beobachtet. Bei dem Film handelt es sich um ein Remake des erfolgreichen Spielfilms „Highlander – Es kann nur einen geben“ von 1986, in dem Christopher Lambert die Haupt- und Sean Connery eine der Nebenrollen spielten. In der Neuverfilmung, die im kommenden Jahr in die Kinos kommen wird, werden außer Jeremy Irons und Russell Crowe auch Henry Cavill und Dave Bautista zu sehen sein.

Aufgrund der Dreharbeiten musste der Alltag der Pfarrgemeinde St. Josef vorübergehend neu organisiert werden. Der Pfarrer und die Kurie gaben diesbezüglich eine offizielle Mitteilung an die Gläubigen, in der zu lesen war, dass zwischen dem 28. Mai und dem 3. Juni die Gottesdienste in der Krypta und die Sonntagsmessen im Freien, unter einem hinter der Kirche befindlichen Kreuz stattfinden würden.

Die St. Josefskirche, die heute eine Landmarke und zugleich die Zierde der südöstlichen Innenstadt darstellt, wurde 1930-1931 für die Einwohner der schnell wachsenden neuen Wohnviertel errichtet. Sie zählt zu den interessantesten modernistischen Objekten in ganz Schlesien und wird manchmal als spektakulärster Sakralbau bezeichnet, der im 20. Jahrhundert in der Region entstand. Aufgrund der originalen Architektur prägten Kunsthistoriker und Journalisten für das Gotteshaus mehrere poetische Vergleiche, u. a. „Fabrik Gottes“, „eine mit Licht gemalte Kirche“ oder „Ziegelfestung des Glaubens“. Entworfen wurde das Gebäude von dem bereits damals bekannten und angesehenen Architekten Dominikus Böhm. Die Hindenburger Kirche erinnert stilistisch an eines seiner früheren Werke, nämlich die St.-Kamillus-Kirche in Mönchengladbach. Trotz der anfänglichen Skepsis vonseiten der Breslauer Bischofskurie und des für den Bau verantwortlichen Pfarrers der Pfarrgemeinde St.-Andreas konnte Böhms Entwurf nicht zuletzt dank der enthusiastischen Einstellung des lokalen Stadtbaurates doch umgesetzt werden.
Text: Dawid Smolorz
