Oberglogau wurde 800 Jahre alt

Oberschlesiens kleine Perle

Mit vielfältigen Veranstaltungen feierte vergangenes Jahr diese malerische und alte Stadt ihr Gründungsjubiläum.

Konzerte, Festsitzung des Stadtrates, Auszeichnung verdienter Bürger, zahlreiche Sportveranstaltungen und Umzüge – so würdigte die kleine oberschlesische Stadt ihr großes Jubiläum im Jahre 2025.

Panorama von Oberglogau. Quelle: AirMonsterrr, Wikimedia Commons

Oberglogau (Głogówek), eine der malerischsten und ältesten Städte der Region, nimmt aus mehreren Gründen einen besonderen Platz unter den oberschlesischen Städten ein. Nicht nur schaut es auf eine spannende Geschichte zurück. Wahrscheinlich gibt es in der Region keinen zweiten Ort, der auf kleiner Fläche so viele interessante, historische Bauwerke aufweisen kann. Das Renaissance-Schloss, die teilweise erhaltene Stadtmauer mit einem Turm und einem Tor, Kirchen, das Franziskanerkloster mit dem Loreto-Haus, die Nachbildung des Heiligen Grabs und der älteste Wasserturm Schlesiens machen das 5.500 Einwohner zählende Städtchen zu einem der attraktivsten Orte auf der touristischen Karte Oberschlesiens.

Das von Oppersdorff´sche Schloss. Quelle: km2bp, Wikimedia Commons

Der Stolz der Stadt ist das Schloss, das sich mehrere Jahrhunderte lang im Besitz der Familie von Oppersdorff befand und in dem 1806 als deren Gast Ludwig van Beethoven weilte. Während des Aufenthaltes in der Stadt arbeitete der Komponist an seiner 5. Sinfonie. In Anlehnung an diesen hohen Besuch werden in Oberglogau seit etwa 30 Jahren die Beethoven-Festspiele veranstaltet. Noch ist das Schloss für Besucher nicht zugänglich, doch soll sich diese Situation in absehbarer Zukunft ändern.

Ring mit Rathaus. Quelle: Jan Mehlich, Wikimedia Commons

Eine interessante Geschichte verbindet sich mit dem vor den Toren der Stadt gelegenen Kloster Mochau (Mochów). Mitte des 17. Jahrhunderts, als große Teile des benachbarten Polen vom schwedischen Heer besetzt waren, fand der polnische König Johann II. Kasimir im Oppersdorff´schen Schloss Asyl. Um eventueller Schändung oder einem Raub durch protestantische Soldaten vorzubeugen, wurde auch das verehrte Gnadenbild der Heiligen Mutter von Tschenstochau ins schlesische Exil gebracht und bei den Paulinern in Mochau aufgenommen. Bis heute spekuliert man, dass nach dem Ende des Konflikts nicht das Original, sondern nur eine Kopie des Gemäldes auf den Hellen Berg von Tschenstochau (Częstochowa) zurückkehrte. Sollte die Behauptung der Wahrheit entsprechen, so befindet sich die authentische Schwarze Madonna immer noch im Altar der Mochauer Klosterkirche.

Das Bild der Schwarzen Madonna im Altar der Klosterkirche von Mochau. Quelle: Tomix-Opole, Wikimedia Commons

In den Zeiten des Kommunismus´ bezeichnete man Oberglogau inoffiziell manchmal als Klein-Berlin. Grund dafür war der hohe Anteil der einheimischen Bevölkerung und die – trotz des Polonisierungsdrucks – nicht selten offen manifestierte deutsche Gesinnung. Heute gehört Oberglogau zu den neun Städten in Polen, an deren Eingang zweisprachige deutsch-polnische Schilder stehen. Im Jahr 2015 besuchte das Team des Zweiten Deutschen Fernsehens das oberschlesische Klein-Berlin, um – was ein äußerst seltener Fall war – einen deutschsprachigen Sonntagsgottesdienst aus einer Stadt außerhalb der Bundesrepublik zu übertragen. Das Video von der hl. Messe, die in der wunderschönen, barocken St. Bartholomäus-Kirche stattfand, kann samt einem interessanten Einführungswort hier abgerufen werden:

St. Batholomäus-Kirche. Quelle: Kamil Czaiński, Wikimedia Commons

Text: Dawid Smolorz