Das Historische Museum in Bielitz-Biala (Bielsko-Biała) zeigt Porzellan aus Meißen
Im Zentrum steht Aleksander Józef Sułkowski (1695–1762), ein einflussreicher sächsisch-polnischer Minister während der Herrschaft August III. und der 1. Herzog von Bielitz.
Das heute weltweit bekannteste Wahrzeichen, das mit der Person des Grafen Alexander Josef Sułkowski (1695–1762) in Zusammenhang steht – bis 1738 erster Minister der sächsischen Regierung und Günstling von König August III. von Sachsen, seit 1752 erster Fürst von Bielsko (Bielitz) – sind Teile seines persönlichen Porzellanservices, das in der Königlichen Porzellanmanufaktur in Meißen hergestellt wurde.


Die wesentlichen Teile entstanden in den Jahren 1735–1737, und der Entwerfer der meisten Gefäße war der leitende Modellbauer der Manufaktur Johann Joachim Kaendler (1706–1775), der für Sułkowski ein charakteristisches Reliefornament in Form eines Korbgeflechts, das sogenannte Sulkowski-Ozier, entwarf. Während die Idee für diese Verzierung zweifellos von Kaendler stammte, ist das Design der Korpusgefäße Sułkowski selbst zuzuschreiben. Auf seinem Befehl hin, wurde die Manufaktur in Meißen, zwecks Nachbildung in Lehm, aus der ihm unterstellten Hofsilberkammer, mit den Teilen eines silbernen, vergoldeten Tischservices beliefert, das 1719 von dem Augsburger Goldschmied Johann Ludwig Biller (1656–1732) anlässlich der Hochzeit des Prinzen Friedrich August II – dem späteren polnischen König August III. von Sachsen, hergestellt wurde.

Das Service zeichnete sich durch ausdrucksstarke, rhythmische Vertiefungen, Beine in Form von Voluten im Stil Ludwigs XIV. sowie gebogene Griffe und Kartuschen aus. Zu einem wiedererkennbaren Element wurden vollplastische Figuren von Löwen, die Wappenschilder tragen, Frauen mit lächelnden Gesichtern oder auch Zierelemente in Form von Artischocken. Die gekonnt integrierte Flechtarbeit verlieh den Gefäßen einen bis dahin unbekannten künstlerischen Ausdruck.
Die Skulptur wurde durch eine personalisierte, glasierte Bemalung mit Vergoldungen ergänzt. Sie besteht aus dem dominierenden, auf einer Konsole befestigten Wappen der Allianz zwischen Sułkowski (mit dem überhängenden Band des Ordens des Weißen Adlers) und seiner Ehefrau Maria, geborene Baronin von Stein zu Jettingen, gekrönt von einer Grafenkrone mit Labra und flankiert von zwei gegensätzlich laufenden Löwen. Um das Wappen herum wurde eine frei verstreute Komposition aus indischen Blumen – indianischen Blumen – angeordnet, die, wenn auch nicht immer, von einem charakteristischen Motiv aus gekreuzten Reisgarben begleitet wurde. Die florale Verzierung wurde mit der Absicht eingeführt, die für die damaligen Erzeugnisse charakteristischen Unvollkommenheiten im Glasur zu kaschieren, und stammt aus dem sogenannten Tafelservice für die Krönungsfeierlichkeiten, für den sie in den Jahren 1729–1731 entworfen wurde.

Mehrere Faktoren haben zum Renommee und zur Bedeutung des Sułkowski-Services in der Geschichte der europäischen Porzellanherstellung beigetragen. Es war das erste personalisierte Service, das in dermaßen großem Stil für einen königlichen Beamten entworfen wurde. Dank der auf Porzellan übertragenen Goldschmiedformen des Barock war es das erste Service, das von den bisher verwendeten asiatischen Mustern abwich. Zum ersten Mal wurden bei einem Tischservice in Meißen der Körper und die Form des Gefäßes zu einem einheitlichen Ganzen verbunden. Wie Forscher des 20. Jahrhunderts betonten, wurde das Service von Sułkowski zu einer der herausragendsten künstlerischen Leistungen im Bereich des Porzellanservices, innovativ in Bezug auf die Anzahl (ca. 600–1000 Exemplare) und die Vielfalt der Gefäße.


Es ist anzumerken, dass Sułkowskis Service auch aufgrund seiner ersten offiziellen Verwendung beim Mittagessen in Anwesenheit von König August III. einen Durchbruch darstellte. Dieses Debüt fand am 28. Februar 1737 im Dresdner Schloss des Grafen statt, der eine Hochzeitsfeier für seine Schwägerin Joanna Baronin von Stein (1723–1783) und ihren Bräutigam Georg Ignaz (Jerzy Ignacy) Fürst Lubomirski (1687–1753) organisierte. Der Herrscher speiste damals mit seiner Familie und den höchsten Beamten ein Abendessen, das zum ersten Mal auf Geschirr aus Kaolin-Ton statt auf Silber serviert wurde, wie es das Hofprotokoll vorschrieb.
Im Februar 1738 kam es zur Aufsehen erregenden Entlassung Sułkowskis, zu der nach vielen Anzeichen sein Rivale um die Gunst des Königs, Graf Heinrich Brühl, beigetragen haben soll und einer der Gründe dafür soll gewesen sein, dass Alexander Joseph das inoffizielle Wettrennen um ein persönliches Service aus sogenanntem Weißgold gewonnen hatte (der erste Musterteller des sogenannten Schwanenservices für Brühl entstand 1736).

Nachdem Sułkowski sich auf den von König Stanisław Leszczyński erworbenen Gütern in Großpolen niedergelassen hatte, die aus Mitteln finanziert wurden, die er nach seiner Entlassung durch König August III. erhalten hatte, brachte er seine gesamte Kunstsammlung, darunter Meissener Porzellan, zusammen mit seinem Wappenservice in das Schloss in Rydzyna. Zwar war man allgemein der Meinung, dass Sułkowski seinen bisherigen Status seinem Gönner zu verdanken hatte, doch die Erlangung des Fürsten- sowie Herzogtitels und der damit verbundene Erwerb des Freien Standesherrschaft Bielitz in Österreichisch-Schlesien zeigten, dass er nicht nur ehrgeizig, sondern auch äußerst fleißig war.
Nach dem Tod von Alexander Josef wurde das große Vermögen zusammen mit der erlesenen Sammlung unter seinen vier Söhnen August, Alexander Antoni, Franz und Antoni aufgeteilt. Als jedoch 1786 die beiden älteren Brüder starben, spaltete sich die Familie in zwei Zweige: der jüngste Sohn Antoni (1735–1796) wurde Eigentümer der Güter in Großpolen und III. Ordynat von Rydzyna, während sein älterer Bruder Franz (1733–1812) gemäß dem Erstgeburtsrecht (Primogenitur) das Vermögen in Schlesien übernahm und damit nomineller IV. Herzog von Bielitz wurde.

Damals gelangte ein großer Teil des Porzellans, das Franz gehörte, in das Schloss in Bielitz. Hier wurde es über mehrere Generationen hinweg durch Brände und Erbteilungen nach und nach verkleinert. Im Januar 1945 wurden die noch im Besitz von Alexander Ludwig (1893–1956) – dem IX. Fürsten von Bielitz – verbliebenen 32 Teile zusammen mit anderen Familienerbstücken nach Leoben in Österreich, dem Heimatort seiner Ehefrau Anna, geb. Mallinger, evakuiert. Nach seinem Tod verkaufte die Fürstin, die nach Mitteln zum Lebensunterhalt suchte, die Familienerbstücke der Sułkowskis im Auktionshaus Sotheby’s (1967). Heute sind die in jeder Hinsicht wegweisenden Stücke des Meißner Services von Alexander Joseph Sułkowski äußerst wertvoll und bei Museen und Sammlern auf der ganzen Welt begehrt, was sie mit einem Augenzwinkern als „Gioconda” der europäischen Porzellanwelt bezeichnen lässt.
Ausstellung im Schloss der Fürsten Sułkowski
In den Jahren 2025–2027 feiert das Historische Museum in Bielitz-Biala den 290. Jahrestag der Entstehung des berühmten Services von Alexander Josef Sułkowski, während sich im Juni 2026 die erste und bislang einzige öffentliche Präsentation eines größeren von der Fürstenfamilie zur Verfügung gestellten Teils dieses Services in Bielitz zum 123. Mal jährt. Aus diesem Anlass hat das Historische Museum in Bielsko-Biała die Ausstellung „Am Fürstentisch. Der 290. Jahrestag der Entstehung des Meißner Services von Alexander Joseph Sułkowski” vorbereitet, die vom 20. Januar bis zum 31. August 2026 im Hauptsitz der Institution, im Schloss der Fürsten Sułkowski, zu sehen ist.
Die Ausstellung umfasst Teile des Services aus den eigenen Beständen des Museums (7 Teile) sowie Leihgaben aus dem Museum Königsschloss in Warschau (6 Teile) und den Nationalmuseen in Posen, Warschau und Breslau (je 1 Exponat). Eine besondere Attraktion der Ausstellung sind 13 Exponate (17 Elemente), die aus der Familiensammlung von Herrn Roman Herzig aus Wien, dem Enkel des Fürsten Roman Sułkowski (gest. 1940), ausgeliehen wurden. Die Ausstellung hat einen Annex in den „Salons der Familie Sułkowski” (Teil der Dauerausstellung), wo spätere Tischdekorationen im Zusammenhang mit der Fürstenfamilie aus den eigenen Sammlungen des Museums in Bielsko präsentiert werden.


Zu der Ausstellung erschien eine erste Monografie über das Service, eine 208-seitige Publikation von Grzegorz Madej Historia miśnieńskiego serwisu Aleksandra Józefa Sułkowskiego i jego dzieje na zamku w Bielsku (Die Geschichte des Meissener Services von Alexander Joseph Sułkowski und seine Historie im Schloss in Bielsko), Bielsko-Biała 2025, die reichhaltiges Bildmaterial enthält.
Die Ausstellung kann sowohl in polnischer als auch in englischer Sprache besichtigt werden.
Text: Grzegorz Madej
Übersetzt von Arkadiusz Gacka
Der Artikel ist eine erweiterte Fassung des unter dem polnischen Titel Przy książęcym stole z „Giocondą” Sułkowskiego (Am Fürstentisch mit Sułkowskis „Gioconda”) in „Muzealne Wiadomości. Informator Muzeum Historycznego w Bielsku-Białej” (Museumsnachrichten. Informationsblatt des Historischen Museums in Bielsko-Biała) 1 (17) Januar 2026, S. 2–3, veröffentlichten Textes.
