Niederschlesien startet früh in die Osterzeit

Märkte und Feste füllen Plätze der Region mit Farben, Düften und handwerklicher Vielfalt

Zwischen wiederbelebten Traditionen, neuen Initiativen und regionalen Spezialitäten zeigt sich die Lebendigkeit des österlichen Brauchtums. 

Das Osterfest fällt im Jahr 2026 auf den 5. und 6. April, doch die Saison der Ostermärkte beginnt deutlich früher. Zu den etabliertesten Veranstaltungen gehört der Ostermarkt auf dem historischen Gutshof von Schloss Lomnitz (Łomnica), der seit über zwanzig Jahren regelmäßig organisiert wird und am 21. und 22. März erneut zahlreiche Gäste anzog.

Die behutsame Restaurierung des Gutshofes hat hier eine alte Markttradition neu belebt. Die Besucher erwartete eine sorgfältig zusammengestellte Auswahl an handgefertigten Osterdekorationen, regionalen Produkten sowie traditionellen Spezialitäten wie Wurst‑ und Käsesorten, Honigen, Gewürzen und hausgemachten Köstlichkeiten. Familien mit Kindern konnten an kreativen Workshops teilnehmen oder eine Ponyfahrt genießen, während die Gutsküche saisonale Gerichte servierte. Livemusik sorgte für eine fröhliche Frühlingsstimmung.

Tallsack kehrt zurück. Palmsonntagsmarkt in Bad Warmbrunn

Auch in Bad Warmbrunn (Cieplice Śląskie Zdrój) herrscht vorösterliche Betriebsamkeit. Der dortige Ostermarkt namens Cieplicki Jarmarkt Safanduły, findet – wie es die Tradition verlangt – am Wochenende des Palmsonntags statt und dauert in diesem Jahr vom 27. bis zum 29. März. Renata Czaplińska war Initiatorin der Wiederbelebung des alten deutschen Marktes. Obwohl die moderne Form des Festes erst zum zweiten Mal stattfindet, knüpft sie an eine jahrhundertealte Geschichte an.

Zu deutschen Zeiten war der Tallsackmarkt ein beliebtes Palmsonntagsfest für Jung und Alt. Günther Grundmann beschrieb ihn in seinem autobiographischen Werk „Erlebter Jahre Widerschein“ als lebendigen Markt mit Verkaufsbuden, Schaustellern, Bänkelsängern, Karussells, Luftschaukeln und einem großen Gondelrad im Kurpark. Der Name „Tallsack“ wurde schon damals oft diskutiert; wahrscheinlich geht er auf das Wort „Tollpatsch“ zurück. Passend dazu konnte man damals den Pfefferkuchen-Tallsack kaufen – eine Figur mit Rosinenaugen und Zuckerguss. Viele der historischen Elemente- von Bunzlauer Keramik bis zu schlesischen Spitzen – leben heute in neuer Form weiter und prägen die regionale Osterkultur.

Schweidnitz, Bad Salzbrunn und Bielau – Märkte in der Region

Auch in Schweidnitz (Świdnica) herrscht festliche Stimmung. Vom 27. März bis zum 2. April verwandelt sich der Marktplatz täglich von 10 bis 19 Uhr in ein buntes Zentrum des vorösterlichen Treibens. Die Aussteller bieten regionale Spezialitäten wie Wurstwaren aus Ostpolen, Gänseprodukte, Sauerteigbrote, ökologische Säfte und Konfitüren an. Für Naschkatzen gibt es ungarischen Baumkuchen, Lebkuchen, handwerklich hergestelltes Eis und Schokoladenfrüchte.

Am 28. und 29. März lädt die historische Wandelhalle im Kurpark von Bad Salzbrunn (Szczawno Zdrój) zu einem eleganten Ostermarkt ein, dessen Kurarchitektur dem Ereignis ein unverwechselbares Flair verleiht. Gleichzeitig findet am 29. März im Stadtpark von Bielau (Bielawa) am Fuße des Eulengebirges ein großes Familienfest statt, das Kunsthandwerk, Workshops und frühlingshafte Aktivitäten verbindet.

Im Zeichen der Natur

2026 steht ganz im Zeichen der Rückkehr zur Natur. An vielen Ständen dominieren Leinen, Holz und konservierungsfreie Lebensmittel. Die regionalen Ostermärkte bieten damit nicht nur die Möglichkeit, lokale Kunsthandwerker zu unterstützen, sondern auch die Energie des erwachenden Frühlings zu erleben.

Text und Bilder: Iza Liwacz