Große Ausstellung der mittelalterlichen Kunst in Breslau

Nach 100 Jahren: mittelalterliche Meisterwerke im Vier-Kuppel-Pavillon

„Das Jahrhundert“ wird 100 Jahre nach der legendären Ausstellung „Schlesische Malerei und Plastik des Mittelalters“ organisiert.

Im Breslauer Museum für Moderne Kunst Vier-Kuppel-Pavillon (Abteilung des Nationalmuseum Breslau in der Nähe der Jahrhunderthalle) kann man nach einem Jahrhundert wieder besondere mittelalterliche Meisterwerke sehen. Das Nationalmuseum erinnert an die legendäre Ausstellung aus dem Jahre 1926 – ein Ereignis, das zu einem Meilenstein in der Erforschung der mittelalterlichen schlesischen Kunst wurde. Die aktuelle Ausstellung Stulecie (Das Jahrhundert) ist nicht nur den mittelalterlichen Meistern und ihren Werken, sondern auch den Kuratoren und Forschern gewidmet.

Das Ziel der Ausstellung „Das Jahrhundert“ ist es, die Veränderungen aufzuzeigen, die sich in den Museen und im Bereich der Kunstgeschichte in den letzten hundert Jahren vollzogen haben. Die Ausstellung „Schlesische Malerei und Plastik des Mittelalters“ wurde 1926 von den Kuratoren Heinz Braune (1880–1957) und Erich Wiese (1891–1979) organisiert. Erstmals in der Geschichte der schlesischen Museen und zugleich zum letzten Mal vor dem Zweiten Weltkrieg versammelten sie die bedeutendsten Werke schlesischer mittelalterlicher Kunst an einem Ort. Viele von ihnen wurden damals ein letztes Mal präsentiert, da sie im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden oder bis heute als verschollen gelten.

„Die wissenschaftlichen Forschungen der Kuratoren der Vorkriegszeit hatten einen tiefgreifenden Einfluss auf das heutige Verständnis der mittelalterlichen schlesischen Kunst. Ihnen verdanken wir unser Wissen über mittelalterliche Künstler, deren Identität unbekannt blieb. Sie waren auch die Ersten, die den mittelalterlichen Meistern gängige Beinamen gaben“ – erzählte die Kuratorin der Ausstellung Dr. Agata Stasińska.

Die Besucher können bis Ende Dezember 2026 mittelalterliche Kunstwerke bewundern, die bereits vor einem Jahrhundert ausgestellt waren, sowie solche, die aus verschiedenen Gründen zurückgezogen oder der Öffentlichkeit nicht gezeigt wurden. Zu sehen sind die wertvollsten Werke aus der Sammlung des Nationalmuseums in Breslau, z.B. Zyklus der Madonnen mit den Löwen. Auch schlesische Denkmäler aus den Sammlungen anderer Museen – Nationalmuseum in Warschau, Museum der Jagiellonen-Universität, Oberschlesisches Museum in Beuthen (Bytom) – sind ausgestellt. Unter den Leihgaben befinden sich unschätzbare Beispiele gotischer Skulptur und Malerei, die üblicherweise in Kirchen zu finden sind, u.a. der Altar aus der Kathedrale in Schweidnitz (Świdnica), aus der St. Jakobus und St. Agnes-Kirche in Neiße (Nysa) oder aus der ehemaligen Schlosskirche in Oels (Oleśnica). Ausgewählte Objekte wurden vor ihrer Ausstellung einer umfassenden Restaurierung unterzogen.

„Die Ausstellung zeigt auch die Veränderungen, die sich in den letzten hundert Jahren in Museen und der Erforschung der schlesischen mittelalterlichen Kunst vollzogen haben. Diese Veränderungen zeigen sich in vielen Bereichen, unter anderem in der Art und Weise der Präsentation und des Schutzes der Denkmäler, in der Art des Konservierungsverfahrens und letztlich des Wissens über diese unschätzbaren Objekte“ – sagte der Direktor des Nationalmuseums Dr. Piotr Oszczanowski.

Moderne Innenräume des Pavillons machen es möglich, eine neue Perspektive auf die gotischen Denkmäler zu werfen.

Mittelalterliche Denkmäler werden 2026 an demselben Ort präsentiert, den die Kuratoren für die Ausstellung im Jahre 1926 ausgewählt hatten, nämlich im Vier-Kuppel-Pavillon. Moderne Innenräume des Pavillons und das zeitgenössische Bühnenbild für die Werke machen es möglich, eine neue Perspektive auf die gotischen Denkmäler zu werfen. Archivfotografien aus dem Jahre 1926, die in der Ausstellung gezeigt werden, erlauben einen Vergleich der Veränderungen, die sich in der Präsentation und Konservierung von Kunstwerken ergeben haben.

„Das Jahrhundert“ – eine große Ausstellung der mittelalterlichen Kunst im Vier-Kuppel-Pavillon in Breslau (Wrocław).

Die Ende Juli geöffnete Ausstellung wird bis zum 30. Dezember 2026 präsentiert. Eine Führung auf Deutsch findet am 11. Oktober 2026 um 11 Uhr statt (Eintritt mit einem gültigen Ticket).

Text (anhand der Informationen des Nationalmuseum Breslau) und Bilder: Małgorzata Urlich-Kornacka