Ehemalige städtische Sparkasse in Breslau wurde in ein Hotel verwandelt
Das Anfang der 1930er Jahre entstandene Gebäude wird oft irrtümlich als „sozialistischer Bau“ identifiziert.
Das Gebäude der ehemaligen Sparkasse am Ring 9/11 in Breslau (Wrocław) hat schon immer mit seinem modernistischen Aussehen provoziert. Es wurde jedoch nicht, wie die meisten Touristen glauben, zu sozialistischen Zeiten entworfen… Das Gebäude entstand in den Jahren 1930–1931 nach dem Entwurf von Heinrich Rump und beherbergte die städtische Sparkasse und andere Institutionen. Seit der letzten komplexen Sanierung (2026) beherbergt es nun eine Bank und ein B&B Hotel.


Die Sparkasse entstand auf dem großzügigen Grundstück an der Ecke Ring 9, 10, 11 und Blücherplatz 1 (heute Plac Solny). Bei der Ausschreibung des Wettbewerbs wandte man sich an den Kreis der örtlichen und Berliner Architekten und Mitglieder des Bundes Deutscher Architekten (BDA). Zum Wettbewerb wurden mindestens 30 Arbeiten eingereicht. Die Wettbewerbsprojekte wurden vom 13. –16. Juni 1929 in der Halle des nicht mehr existierenden Schlesischen Museums für Kunstgewerbe und Altertümer ausgestellt.


Den ersten Preis im Wettbewerb erhielt das Projekt des Breslauer Architekten Heinrich Rump. Wenn man sich aber das ursprüngliche Projekt anschaut, stellt man fest, dass es große Veränderungen bei der Umsetzung gab, vor allem am Baukörper des Hauptgebäudes und bei der Fassadengestaltung. Das Gebäude machte durch seine Größe einen riesengroßen Eindruck. Es war das zweite Hochhaus der Stadt (das erste war das Breslauer Postcheckamt von Lothar Neumann). Der neue Sitz des Bankunternehmens sollte Anregung für lokale Investitionen geben, da sich die zweite Hälfte der zwanziger Jahre bekanntlich durch Krise und anhaltende Stagnation auszeichnete.
Am Eingang zur Bank, an dem Portal, das von Gustav Adolf Schmidt fertiggestellt wurde, wurden „ägyptische“ Reliefs angebracht, die an die Entdeckung des Grabs von Tutanchamun erinnern. Nach der Entdeckung, die 1922 Howard Carter im Königlichen Tal machte, war ganz Europa begeistert von ägyptischer Kunst (die sog. „Ägyptomanie“). Die Breslauer Reliefs zeigen Tätigkeit des Handwerks, des Bankwesens, der Landwirtschaft und des Handels sowie Büroarbeit, Lehre, Erholung und Bauwesen. Die gesamte Komposition stellt den Geldumlauf sowie das Prosperieren verschiedener Unternehmungen dar, welches durch Sparen ermöglicht wird. Rechts vor dem Eingang sind Elemente des Stadtwappens und das Jahr zu sehen, in dem das Gebäude errichtet wurde.


Die Sparkasse wurde mit einem Paternoster ausgestattet, der bis heute ein funktionierendes Wunder der Technik ist. Aus Sicherheitsgründen wurde er jedoch nach der letzten Sanierung vom Betrieb ausgeschlossen. Er kann aber von den Touristen angeschaut werden. Der Mechanismus des Fahrstuhls wurde in einem der Krimis des Breslauer Autoren Marek Krajewski verewigt:
Das monströse, moderne Bürogebäude an der Ecke zwischen Markt und Blücherplatz, in dem sich die Direktionen vieler städtischer Behörden sowie eine Bank befanden, war mit einem Aufzug besonderer Art ausgestattet: Dieser bestand aus vielen kleinen Einzelkabinen, die türlos hintereinander aufgereiht und ununterbrochen in langsamer Bewegung waren. Die Menschen mussten während der Fahrt ein- und aussteigen, und wenn jemand nicht aufgepasst und den Ausstieg versäumt hatte, konnte er, ohne irgendetwas befürchten zu müssen, die ganze Schleife über den Dachboden oder durch den Keller fahren, bis er sein Stockwerk abermals erreichte. Das war für jeden Passagier ein unvergessliches Erlebnis: In der Kabine wurde es stockfinster, sie bewegte sich rumpelnd und knirschend mithilfe einer komplizierten Kettenkonstruktion weiter, bis sie wieder im gewünschten Geschoss angekommen war. (Marek Krajewski, „Tod in Breslau“, S. 281)


Diese Emotionen werden leider den Hotelgästen heute erspart, man hat aber dafür neue bekommen, die vor hundert Jahren unzugänglich waren. Den größten Eindruck nach der Sanierung macht das Appartement in der letzten Etage, von dem man auf das Rathaus und den ganzen Ring schaut. Auch das Treppenhaus entzückt vor allem alle Architekturliebhaber. Hier ist alles, was die Architektur der damaligen Zeit auszeichnete: der Verzicht auf überflüssige Dekoration, die Sachlichkeit der Form und die Verwendung von Beton. Von innen sieht das Gebäude wesentlich besser als von außen!
Text und Bilder: Małgorzata Urlich-Kornacka
