„Schicksal“ – Breslauer Geschichten in Dresden

Der Film dokumentiert Begegnung von einem Deutschen und einem Polen, die als Jugendliche in der Festung Breslau festsaßen

Die Filmvorführung mit anschl. Gespräch mit der Filmemacherin Joanna Mielewczyk findet am 14.09.2025 im Kraszewski-Museum statt.

Am 14. September 2025 um 15 Uhr wird im Kraszewski-Museum in Dresden der Film “Schicksal” von Joanna Mielewczyk gezeigt. Das anschließende Publikumsgespräch mit der Filmemacherin moderiert Agnieszka Bormann, Kulturreferentin für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz. Die Filmvorführung ist Teil des Begleitprogramms zu der Sonderausstellung „Dresden-Wroclaw-Drezno-Breslau. Vier Namen. Zwei Städte. 65 Jahre Partnerschaft, die noch bis zum 26. Oktober 2025 im Kraszewski-Museum zu sehen ist.

Begegnung von zwei Breslauern

Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte eines deutschen Bewohners von Breslau, der bis 1947 in der Stadt blieb, und eines polnischen Bewohners, der als Zwangsarbeiter 1944 nach Breslau gebracht wurde und bis heute in der seit 1945 polnischen Stadt lebt. Beide Männer saßen als Jugendliche im Winter und Frühjahr 1945 in der Festung Breslau fest. Joanna Mielewczyk hat ihre Begegnung in Wrocław 2022 initiiert und filmisch begleitet. Im Gespräch mit Bartek Gaweł, dem 13-jährigen Sohn der Regisseurin, berichten sie vor der Kamera darüber, wie der Krieg ihr Leben beeinflusst und für immer verändert hat. Sie sprechen über die Belagerung der Festung Breslau durch die Rote Armee, über ihre Arbeit und das alltägliche Leben in der belagerten Stadt. Es sind die unterschiedlichen Perspektiven eines Deutschen und eines Polen, die doch auf eine bewegende Art und Weise sehr ähnlich sind. Die in Wrocław entstandenen Filmaufnahmen wurden durch Material aus deutschen und polnischen Archiven sowie Familienfotos ergänzt. 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges dokumentiert der Film das Schicksal zweier Zeitzeugen, die beispielhaft für deutsch-polnische Versöhnung stehen.

Der Film feierte seine Premiere im Januar 2023 im Rahmen der Deutschen Filmwoche in Breslau (Wrocław) und wurde bereits an vielen Orten in Deutschland und Polen präsentiert, so auch in Görlitz und Zgorzelec im Rahmen von deutsch-polnischen Literaturtagen an der Neiße im April 2025.

Wer sind die Protagonisten des Filmes?

Jürgen Hempel, geboren 1932, stammt aus einer Breslauer Familie, die in der Stadt eine Juweliergroßhandlung betrieb. Im Dokumentarfilm erzählt er von dem nicht mehr existierenden Mietshaus, in dem er lebte, von der kunstaffinen Gesellschaft, in der seine Eltern verkehrten, und später von seinem Leben während des Krieges im Keller. Nach dem Krieg hat die Familie alles verloren. Die Mutter und Jürgen überlebten, der Vater und der Bruder starben.

Der zweite Protagonist des Filmes ist Jerzy Podlak, geboren 1931, Sohn eines Lehrers aus Großpolen. Während des Krieges landete die Familie über die Arbeitslager in Breslau. Sie lebten im Lager und arbeiteten jeden Tag, um die Stadt zu sichern.

Beide Männer blieben als Jugendliche in der Festung Breslau. Sie haben fast identische Erfahrungen mit der Arbeit in der belagerten Stadt, sprechen die gleichen Worte, erzählen von den gleichen Ereignissen. Sie waren mit dem Bau von Barrikaden, dem Überbringen von Berichten und später mit der Beseitigung von Leichen auf den Straßen beauftragt.

Jerzy Podlak und Jürgen Hempel, Foto: Maciej Lulko

Die Männer werden von dem 13-jährigen, zweisprachigen Bartek Gaweł vor der Kamera interviewt. Er ist vergleichbar alt, wie die Protagonisten des Filmes damals waren, und bringt in den Film die Sichtweise eines Kindes mit. Der Höhepunkt des Films ist die Begegnung zwischen den beiden Männern. Es stellt sich heraus, dass sich ihre Schicksale während der Belagerung der Stadt mehrfach überschnitten haben.

Breslauerin wird zur Görlitzerin

Die Regisseurin, Produzentin und Drehbuchautorin des Films ist Joanna Mielewczyk, eine Radiojournalistin, die seit sechs Jahren Geschichten über die Bewohner von Wrocław aus der Vor- und Nachkriegszeit sammelt und diese in Form von Radiosendungen über das Breslauer Radio RAM ausstrahlt. Joanna Mielewczyk ist auch Autorin der Buchreihe „Breslauer Häuser“ (Kamienice), die die Geschichte der Stadt mit den Geschichten ihrer Bewohner beschreibt. Seit 2024 lebt sie mit ihrer Familie in Görlitz.

Termin

Text: Agnieszka Bormann, Kulturreferat für Schlesien