Am 1. Januar 2026 erhielt Branitz erstmalig in seiner Geschichte das Stadtrecht
Jahrzehntelang galt der an der tschechischen Grenze gelegene Ort als größtes Dorf des Leobschützer Landes. Nun ist er die kleinste Stadt im Kreis.
Branitz (Branice) schaut auf eine über siebeneinhalbjahrhundertelange Geschichte zurück. Gegründet wurde es Mitte des 13. Jahrhunderts im Rahmen einer von Olmützer Bischöfen geführten Besiedlungsaktion. Wohlgemerkt gehörte er trotz mehrmaligen Wechsels der staatlichen Zugehörigkeit faktisch bis 1945 und formell sogar bis 1972 zu diesem Bistum.
Von Anfang an lag Branitz im sprachlichen Mischgebiet, wo Deutsch und die mährische Variante des Tschechischen gesprochen wurden. Seit den Schlesischen Kriegen Mitte des 18. Jahrhunderts liegt es auch in unmittelbarer Nähe einer Staatsgrenze. Zunächst trennte diese den preußisch gewordenen von dem österreichisch verbliebenen Teil Schlesiens. Nach dem Zerfall des Habsburgerreiches 1918 wurde sie zu einer Grenze zwischen Deutschland und der neu gegründeten Tschechoslowakei. Heute stehen an dem Grenzfluss Oppa Schilder mit dem polnischen und dem tschechischen Staatswappen und Branitz wirbt für sich mit dem Spruch „Hier beginnt Polen“.


Interessanterweise hatte der Ort vor dem Zweiten Weltkrieg deutlich mehr Einwohner als heute. Im Jahr 1939 lebten in Branitz, das damals schon einen durchaus städtischen Eindruck vermittelte, ca. 5.200 Menschen. Jetzt hat die jüngste Stadt Oberschlesiens knapp über 2.000 Einwohner. Grund für die Senkung der Bevölkerungszahl sind Kriegsverluste, Vertreibung der meisten deutschen Einwohner und der Umstand, dass der Ort – wie viele andere im Leobschützer Land – infolge der erbitterten Kämpfe zwischen der deutschen Wehrmacht und der Roten Armee im Frühjahr 1945 stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

In der Region ist Branitz vor allem wegen seiner Heil- und Pflegeanstalten bekannt. Diese für die Jahrhundertwende hochmoderne psychiatrische Klinik wurde 1897 auf einem zehn Hektar großen Gelände angelegt. Initiator ihrer Entstehung und Stifter war der damalige Ortspfarrer, spätere bischöfliche Kommissar für den deutschen Teil des Erzbistums Olmütz und seit 1943 Weihbischof dieser Diözese Joseph Nathan. Das 1945 teilweise zerstörte Ensemble umfasste zwölf Kranken- und Pflegegebäude, landwirtschaftliche und handwerkliche Werkstätten sowie Wohnungen des Personals. Die Zierde der Anlage ist die zwischen 1929 bis 1933 errichtete Anstaltskirche, deren Ausstattung im Art-Déco-Stil Kunsthistorikern weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist.


Die Stadtwerdung eröffne vor dem Ort neue Entwicklungschancen – daran hat die lokale Verwaltung keinen Zweifel. Man hoffe darauf, dass Branitz nun dank des veränderten Status´ einen leichteren Zugang zu Regierungs- und EU-Fördermitteln haben würde und dass sich die Kooperationen mit den tschechischen Nachbarn unkomplizierter gestalten würden, was bei einem Grenzort von großer Bedeutung ist. Überdies erwartet man in Branitz, dass man als Stadt für potentielle neue Einwohner attraktiver sein wird als eine Landgemeinde.
Text: Dawid Smolorz
