Eine Oberschlesien-Miniserie feiert heute bei Netflix ihre Premiere
Eine junge Ärztin kämpft in den 1970er Jahren einsam gegen die extreme Luftverschmutzung und um das Leben der Kinder.
Ab heute ist die Serie „Die Bleikinder“ (Ołowiane dzieci) auf Netflix zu sehen. Im Mittelpunkt der sechsteiligen Produktion stehen wahre Ereignisse: der einsame Kampf einer Kattowitzer Ärztin gegen die extreme und vor allem für Kinder lebensgefährliche Luftverschmutzung durch ein Hüttenwerk.
Der aus Kattowitz (Katowice) gebürtige Regisseur Maciej Pieprzyca hat in seinem Portfolio bereits mehrere interessante Filme zur oberschlesischen Thematik, zum Beispiel „Barbórka“ (Der St.-Barbaratag) oder Drzazgi (Holzsplitter). Mit der Miniserie „Die Bleikinder“ macht er auf eine über Jahre verschwiegene Geschichte aufmerksam, die sich in den 1970er Jahren, der Ära des vermeintlichen sozialistischen Wohlstands unter dem ersten Parteisekretär Edward Gierek, in der Region abgespielt hat.

Die junge Kinderärztin Jolanta Wadowska-Król (1939-2023) entdeckte damals auf Grundlage der eigenen Untersuchungen, dass die Blei- und Zinkhütte im Kattowitzer Stadtteil Schoppinitz (Szopienice) in extremer Weise die Luft verschmutzte und dadurch nicht nur die Gesundheit, sondern auch das Leben der Kinder in der dortigen Gegend gefährdete. Daraufhin setzte sie alles aufs Spiel, um das weitere Vergiften der Menschen aus Schoppinitz zu stoppen. Damit machte sie sich zum Feind der kommunistischen Behörden, die mit Schikanen reagierten und – teilweise mit Erfolg – versuchten, ihre berufliche Karriere zu zerstören

Pieprzyca, der Oberschlesien mit all seiner Komplexität sehr gut kennt, lud zur Zusammenarbeit an der Serie mehrere polnische Schauspieler ein, die wie er aus der Region stammen: unter anderem den Direktor des Schlesischen Theaters Robert Talarczyk, den in Königshütte (Chorzów) aufgewachsenen Michał Żurawski und Grażyna Bułka – bekannt für ihre großartige Darstellung im Monodrama „Mianujom mie Hanka“. Außerdem sind in der Serie Joanna Kulig (als Hauptdarstellerin), Kinga Preis und Agata Kulesza zu sehen, die derzeit zu den erfolgreichsten polnischen Schauspielerinnen zählen.

In ihren Beiträgen über „Die Bleikinder“ vergleichen einige Medien in Polen Jolanta Wadowska-Król mit Erin Brokovich, deren Geschichte der gleichnamige Film mit Julia Roberts in der Hauptrolle weltweit bekannt machte. Regisseur Pieprzyca sieht keinen Grund, die Kattowitzer Ärztin als oberschlesische Erin Brokovich zu bezeichnen. Denn zwar kämpfte die letztere auch gegen ein großes Unternehmen, das für eine lebensgefährliche Luftverschmutzung verantwortlich war, doch spielte sich ihre Geschichte im demokratischen System ab. Wadowska-Król forderte hingegen mit ihrer unbeugsamen Haltung einen totalitären, kommunistischen Staat heraus, der vor keinem Mittel zurückscheute, um ihr den Mund zu schließen.
Die Dreharbeiten für „Die Bleikinder” fanden unter anderem in Hindenburg (Zabrze), Gleiwitz (Gliwice), Beuthen (Bytom), Ruda (Ruda Śląska), Schwientochlowitz (Świętochłowice) und Kattowitz statt.
Text: Dawid Smolorz
