Kirchenruinen in Schlesien

Zeugen der Vergangenheit und magische Fotomotive

Fünfzehn neue Objekte aus Ober- und Niederschlesien sind auf dem Portal „Vergessenes Erbe“ zu sehen.

Verlassene und verfallene Kirchen sind zwar nicht nur ein schlesisches Phänomen, doch haben sie in der Oder-Region ihre eigene Spezifik und oft ranken sich um sie spannende Geschichten. Daher schlug der Regionalforscher aus Gleiwitz (Gliwice) Dawid Smolorz dem Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit im vergangenen Jahr vor, dieser Gruppe von Bauwerken im Rahmen des Portals „Vergessenes Erbe“ ein besonderes Augenmerk zu widmen. Dank der Förderung der Erika-Simon-Stiftung aus Görlitz besuchten Smolorz und der Berliner Fotograf Thomas Voßbeck 15 Kirchen in Ober- und Niederschlesien, die aus verschiedenen Gründen seit langem keine Funktion mehr haben. Das Ergebnis dieser Reise ist eine Text- und fotografische Dokumentation.

Fotograf Thomas Voßbeck in der Kirchenruine Johannesberg. Foto: Dawid Smolorz

Der Hauptgedanke, der hinter dieser Initiative steht, ist die durchaus realistische Gefahr, dass sich der Zustand vieler verlassener Kirchen in den kommenden Jahren zusehends verschlechtern wird. Es lässt sich nicht ausschließen, dass einige von ihnen in absehbarer Zukunft endgültig verfallen und von der Erdoberfläche verschwinden werden. Mit dieser Dokumentation werden die gefährdeten Bauten in fotografischer und in Textform für die Nachwelt festgehalten.

Die Arbeit an dem Projekt könnte man teilweise mit Urbex vergleichen, weil sich einige der besuchten Kirchen im äußerst schlechten baulichen Zustand befinden und ihr Inneres schwer zugänglich ist. Deren Erkundung war daher nicht nur mit großem Aufwand, sondern manchmal auch mit gewissem Risiko verbunden. Es hat sich aber gelohnt, wie die beiden Projektbeteiligten betonen. Denn im Rahmen der Fotokampagne entstanden Aufnahmen, die zum Teil ein magisches Ambiente ausstrahlen und einen hohen künstlerischen sowie ästhetischen Wert haben.

Warum gibt es in der Region, vor allem in ihrem niederschlesischen Teil, verlassene Kirchen? Gründe dafür sind unterschiedlich. Im oberschlesischen Kreis Leobschütz findet man zum Beispiel mehrere Gotteshäuser, die im Frühjahr 1945 bei den erbitterten deutsch-sowjetischen Kämpfen stark beschädigt und nie wiederaufgebaut wurden. In Niederschlesien sank wiederum der Anteil der protestantischen Bevölkerung nach der Vertreibung der Deutschen und der Neubesiedlung durch meist katholische Polen vielerorts drastisch. Viele evangelische Gotteshäuser hatten daher jahrzehntelang keine Funktion und verfielen. Ein interessantes Phänomen sind zudem katholische Kirchen, die aufgrund ihrer Lage in bis 1945 protestantisch dominierten Gegenden Niederschlesiens seit der Reformation kaum benutzt wurden und heute nur als Ruinen existieren.

Nicht Kriegshandlungen, sondern menschliches Versagen ist an dem aktuellen Zustand des Gotteshauses in Ziemientzitz schuld. Foto: Thomas Voßbeck

Die porträtierten Kirchen sind auf dem Portal „Vergessenes Erbe“ unter folgenden Links zu finden:

Neukirch an der Katzbach (Nowy Kościół) 
Johannesberg (Janowa Góra)
Langheinersdorf (Długie)
Wanowitz (Wojnowice)
Mechwitz (Miechowice)
Waldenburg-Hermsdorf (Wałbrzych-Sobięcin)
Langwaltersdorf (Unisław)
Alt Jäschwitz (Stare Jaroszowice)
Grottkau (Grodków)
Freystadt i. Schl. (Kożuchów)
Patschkau (Paczków)
Pilgersdorf (Pielgrzymów)
Bladen (Włodzienin)
Deutsch-Neukirch (Cerekwia)
Ziemientzitz (Ziemiecice)

Text: Redaktion SILESIA News