Weiterhin im hohen Tempo

Fernstraßenbau in Schlesien

Der Bau von Autobahnen in Schlesien ist weitgehend abgeschlossen. In Umsetzung und Planung sind allerdings noch mehrere Abschnitte von Schnellstraßen.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Straßenkarte Polens, und somit auch Schlesiens, grundlegend verändert. Dies erfolgte vor allem dank den EU-Fördermitteln, aber auch dank der durchdachten Infrastrukturpolitik des polnischen Staates. Sowohl in Ober- als auch in Niederschlesien entstehen weiterhin wichtige Abschnitte von vierspurigen Fernstraßen, obwohl der Bau des Autobahnnetzes in den beiden Teilregionen so gut wie abgeschlossen ist.

Autobahnen sowie Schnell- und Nationalstraßen in Polen. Karte mit aktuellem Stand (Quelle: https://ssc.siskom.waw.pl/). Zeichenerklärung: rot: in Betrieb, grün in Bau, violett: vertrag unterzeichnet, alle anderen Farben: in Planungs- oder Vorbereitungsphase.

Die A4 ist in ihrem schlesischen Abschnitt seit 2009 fertig und seit 2016 von der deutsch-polnischen Grenze in Ludwigsdorf (Jędrzychowice) bei Görlitz bis zum polnisch-ukrainischen Grenzübergang Korczowa komplett in Betrieb. Auch können die Autofahrer seit mehreren Jahren schon die Nord-Süd-Autobahn A1 nutzen, die von Danzig (Gdańsk) über Lodz (Łódź), Tschenstochau (Częstochowa) und Gleiwitz (Gliwice) zur polnisch-tschechischen Grenze östlich von Ratibor (Racibórz) führt. Dort mündet sie in die tschechische Autobahn D1.

Erwähnenswert ist, dass im Jahr 2023 „die längste Treppe Europas“ endgültig verschwand, wie man den aus Betonplatten erbauten Abschnitt der ehemaligen Reichsautobahn zwischen Forst und Bunzlau (Bolesławiec) manchmal ironisch nannte. Nun ist die modernisierte und ausgebaute Strecke auf Landkarten offiziell als Autobahn A18 markiert.

Ein neues Verkehrsrückgrat für die westpolnischen Gebiete ist nun die Schnellstraße S3. Sie führt von dem Ostsee-Kurort Swinemünde (Świnoujście) über Stettin (Szczecin), Grünberg (Zielona Góra) und Liegnitz (Legnica) zur tschechischen Grenze im Raum Landeshut (Kamienna Góra). Mit deren Verlängerung auf böhmischer Seite werden sich die Autofahrer jedoch mindestens noch bis 2029 gedulden müssen.

Derzeit wird in Ober- und Niederschlesien an mehreren Schnellstraßenabschnitten gearbeitet. Anzumerken sei an dieser Stelle, dass sich die Schnellstraßen in Polen baulich von den Autobahnen kaum unterscheiden. Anders sind im Grunde genommen nur ihr rechtlicher Status und das geltende Tempolimit (120 statt 140 km/h).

Bei Landeshut endet die polnische S3 direkt an der Staatsgrenze. Auf ihre Verlängerung auf der tschechischen Seite wird man noch warten müssen. Quelle: GDDKiA

Äußerst wichtig für den Verkehr in Richtung Beskiden und Slowakei ist der Bau des südlichen Teiles der S1. Bis Ende 2027 wird parallel zu der noch in den Zeiten der Volksrepublik Polen erbauten vierspurigen Straße Kattowitz (Katowice) – Tichau (Tychy) – Bielitz-Biala (Bielsko-Biała) eine knapp 50 km lange moderne Schnellstraße entstehen. Für den Verkehr freigegeben wurde bereits der Abschnitt Berun (Bieruń) – Bielitz-Biala. Im Norden Oberschlesiens wird wiederum die S11 weitergebaut. Nach ihrer Fertigstellung wird sie Beuthen (Bytom) mit dem pommerschen Köslin (Koszalin) verbinden. Innerhalb der regionalen Grenzen ist bisher ein ca. 30 km langer Abschnitt bei Rosenberg (Olesno) in Betrieb. Bis Mitte 2028 ist die Freigabe der weiteren Teilstücke im Raum Kreuzburg (Kluczbork) und Landsberg OS (Gorzów Śląski) geplant. In den kommenden drei Jahren soll zudem die Schnellstraße S8, die zur Zeit von der polnisch-litauischen Grenze über Warschau (Warszawa) und Lodz nach Breslau (Wrocław) führt, nach Süden verlängert werden. Im Jahr 2029 wird sie Wartha (Bardo) erreichen, um danach in Richtung Glatz (Kłodzko) weiter gebaut zu werden.

Vor allem für den Transitverkehr ist die Nachricht von Bedeutung, die Anfang dieses Jahres nach langen Spekulationen offiziell bestätigt wurde: Auf der Höhe von Breslau wird zwischen Kanth (Kąty Wrocławskie) und Ohlau (Oława) südlich der bestehenden Autobahn ein Parallelabschnitt der A4 gebaut. Dadurch wird der Fernverkehr vom lokalen Verkehr von und nach der schlesischen Metropole nicht mehr beeinträchtigt. Auch wird damit der Verlauf dieser Fernstraße begradigt. Umgesetzt wird dieses Vorhaben voraussichtlich zwischen 2029 und 2034.

Derzeit (Mai 2026) hat das polnische Autobahn- und Schnellstraßennetz eine Länge von über 5.400 Kilometern. Davon liegen ca. 1.020 km in Ober- und Niederschlesien. Über ein längeres Netz moderner Fernstraßen verfügen in Europa nur Spanien, Deutschland, Frankreich und Italien.

Text: Dawid Smolorz