Ein vergessener Bergmannsdichter wird in seiner Heimat wiederentdeckt

Paul Habraschka (1897-1969) gehörte nicht zu den herausragendsten Vertretern der oberschlesischen Literatur

Doch sein autobiografisches Buch über die Flucht aus dem Arbeitslager in der Sowjetunion ist ein wichtiges Zeugnis der Geschichte der Region im 20. Jahrhundert.

Paul Habraschka (1897-1969) gehörte nicht zu den herausragendsten Vertretern der oberschlesischen Literatur. Doch ist sein autobiografisches Buch über die Flucht aus dem Arbeitslager in der Sowjetunion ein wichtiges Zeugnis der Geschichte der Region im 20. Jahrhundert.

Den Band „Meinen Tod will ich selber sterben“ brachte er bereits nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik 1966 heraus. Ende 2025 erschien im Verlag des Schlesischen Zentrums für Freiheit und Solidarität (ŚCWiS) in Kattowitz (Katowice) unter dem Titel „Sam zadecyduję o swojej śmierci“ die polnische Übersetzung dieses Buches. Das Thema der Verschleppung der deutschen und der polnischen Staatsangehörigen aus Oberschlesien in die Sowjetunion im Jahr 1945 bleibt nach wie vor ein wichtiges Thema der historischen Forschung in der Region (auch bei SILESIA News wurde es mehrmals aufgegriffen, u.a. „Das Buch der im Jahr 1945 Festgenommenen, Internierten und aus Oberschlesien in die Sowjetunion Deportierten“ und „Einer von Zehntausenden – das Schicksal Karl Gomolkas“.

Habraschka, der so wie Tausende seiner Landsleute im Februar 1945 als lebende Kriegsreparation von den sowjetischen Behörden in den Osten verschleppt wurde, verbrachte ein halbes Jahr im Donezk-Becken, wo er unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert blieb und im Bergbau Zwangsarbeit leisten musste. Anfang August 1945 unternahm er zusammen mit zwei Kameraden einen erfolgreichen Fluchtversuch aus dem Lager, da ihm bewusst war, dass er die weitere Internierung nicht überleben würde. Seinen Wohnort Rokittnitz (poln. Rokitnica, heute Stadtteil von Zabrze) erreichte er nach einer fast einjährigen Odyssee. Merkwürdigerweise schildert Habraschka in dem Band „Meinen Tod will ich selber sterben“ die erste Phase seiner Flucht bis zum Dnjepr aufs Detaillierteste. Nur sehr spärliche Informationen erhält der Leser hingegen über den weiteren Verlauf. Man kann nicht ausschließen, dass er auf diese Weise seine Helfer in der Sowjetunion vor möglichen Repressalien bewahren wollte.

Die Castellengo-Grube in Rokittnitz – die Arbeitsstätte von Paul Habraschka. Quelle: www. polska-org

Zu schreiben begann der Bergmann der Bergwerke Karsten-Zentrum in Beuthen (Bytom) und Castellengo in Rokittnitz nach einem Grubenunglück im Jahr 1925, infolge dessen er durch einen Gebirgsschlag verschüttet und erst nach acht Stunden gerettet werden konnte. In seinen frühen literarischen Werken setzte er sich mit dem Erlebten auseinander. Auch sein späteres Schaffen war vom Bergbau dominiert. Habraschka schrieb Gedichte, Erzählungen und Humoresken über das Leben der Bergleute, die Gefahren des Bergbaus und die Kultur Oberschlesiens. Gleichzeitig blieb er weiterhin Bergmann, was ihn von vielen anderen Heimatschriftstellern unterschied. Seine Werke wurden nicht nur in Druckform herausgegeben – manchmal las er sie auch in dem damals noch recht jungen Medium Rundfunk persönlich vor.

In dem Begleittext zur polnischen Ausgabe von „Meinen Tod will ich selber sterben“ betont das Schlesische Zentrum für Freiheit und Solidarität, dass Habraschkas Buch das einzige literarische Werk sei, in dem sich ein Oberschlesier mit seiner Verschleppung in die Sowjetunion auseinandersetzt.

Text: Dawid Smolorz