Nicht nur zur Osterzeit – das „Universitäts-Ei“ schlägt Rekorde seiner Popularität
Das ungewöhnliche Pförtnerhaus an der Breslauer Universität ist auch außerhalb der Osterzeit sehenswert.
Das „Universitäts-Ei“, also das ungewöhnliche Pförtnerhaus an der Breslauer Universität, schlägt Rekorde seiner Popularität. Niemand – nicht einmal seine Architekten Tomasz und Konrad Urbanowicz – haben vermutet, das ihr Werk sich so großer Beliebtheit unter den Einwohnern und Touristen erfreuen wird.

Eine solche Pförtnerloge hat wohl tatsächlich noch niemand irgendwo gesehen. Der Grund für die Entstehung dieses überraschenden Bauwerks war mit der Anpassung an die neuen Zeiten verbunden. Die Universität war lange Zeit für Menschen mit Behinderung nicht zugänglich. Das änderte sich erst, nachdem im Innenhof ein Aufzug gebaut worden war. Dadurch entstand 2019 die Notwendigkeit, im Flur des 1737 erbauten Verbindungsgebäudes zwischen dem Universitätsgebäude und der Universitätskirche, eine Pförtnerloge zu errichten. Aber es durfte kein gewöhnliches Pförtnerhaus sein. Es sollte etwas Außergewöhnliches entstehen, das zu den barocken Innenräumen passten sollte. Als ein Entwurf nach dem anderen abgelehnt wurde, wandte man sich mit der Bitte um eine unkonventionelle Idee an die Urbanowiczs, die das Glasstudio Archiglass führen. Und so entstand die Idee für eine Pförtnerloge mit einer eiförmigen Form.


Doch die Künstler wollten kein Osterei schaffen. Es sollte ein Kunstwerk sein. Bei der Anfertigung eines Modells aus Lindenholz fiel ihnen auf, dass die Jahresringe ein einzigartiges Muster bildeten. Dies inspirierte sie zu den Mustern, die wir an der Oberfläche des Eis sehen werden. Den Körper der Portierloge bilden Glasscheiben, die einzeln in Formen in einem Glasofen bei 850 Grad Celsius gegossen wurden und auf denen von Hand Glasreliefs angefertigt wurden. Sie sollen den Eindruck des Barockglases schaffen. Das Ganze wurde auf einer Konstruktion aus Edelstahl angebracht.

„Das Ei“ passt perfekt in barocke Architektur, schließlich leitet sich der Name dieser Epoche vom portugiesischen Wort „barocco“ ab, das eine seltsame, unförmige Perle bezeichnet. Mit dem Begriff Barock wurden ursprünglich Kuriositäten und Unregelmäßigkeiten in der Kunst bezeichnet – das lässt sich hier auch feststellen. Für die Besucher weckte die Form Assoziationen mit einem Ei und so wurde das Kunstwerk als Universitäts-Ei bezeichnet. Das Glas-Ei ist 5,5 Meter groß und es befindet sich am Universitätsplatz 1. Man kann es an den Werktagen in den Öffnungszeiten der Universität sehen.

Das Projekt „Umbau der Eingangshalle des Hauptgebäudes der Universität Breslau“ belegte den dritten Platz beim Wettbewerb „Bau des Jahres 2019“, der vom Polnischen Verband der Bauingenieure und Bautechniker organisiert wurde. „Der abgeschlossene Umbau ist eine einzigartige Verbindung von moderner Technologie, Architektur und Kunst“, argumentierten die Ingenieure bei der Verleihung des Preises. Das Werk der Urbanowiczs wurde auch beim internationalen Wettbewerb CODAawards 2020 als bestes Kunstobjekt in der Architektur ausgezeichnet. Wie man sieht, hat das Universität-Ei auch internationale Kariere gemacht. Und ist es überhaupt funktional? „Am Anfang war es eng, aber wir haben uns daran gewöhnt und fühlen uns hier rundum wohl. Es ist schön warm, gemütlich und es gibt eine gute Belüftung – antwortet die Pförtnerin Agata, die man oft treffen kann. – „Es ist eine angenehme Arbeit, es passiert immer etwas Neues. Es kommen auch Touristen zu uns“ – fügt die Portierin hinzu.

Text und Bilder: Małgorzata Urlich-Kornacka
