Górnik Zabrze gewinnt den polnischen Fußball-Pokal

Triumpf nach 54 Jahren 

Dreißig Jahre vergingen, seit der Ruch Chorzów als letzte Mannschaft aus Oberschlesien einen Sieg im Landespokal feierte.

Symbolischer hätte die Szene nicht sein können. Nach dem Sieg von Górnik Zabrze im Endspiel des polnischen Fußballpokals am 2. Mai überreichte Staatspräsident Karol Nawrocki die Trophäe drei Männern: dem Mannschaftskapitän Erik Janža, dem Spieler und zugleich neuen Eigentümer des Hindenburger Vereins Lukas Podolski und dem 88-jährigen Stanisław Oślizło, der lebenden Legende von Górnik, einem Menschen, der zwischen 1965 und 1972 als Mannschaftskapitän sechsmal den glänzenden Pokal in der Siegergeste hochgehoben hatte. Vor allem für die jüngere und für große Teile der mittleren Generation der weit über die Grenzen Oberschlesiens hinaus verstreuten weiß-blau-roten Fanfamilie war dies ein äußerst bewegender Moment. Denn an den letzten großen Triumpf ihres Vereins – die polnische Meisterschaft von 1988 – können sie sich nicht erinnern.

Górnik-Fans im Warschauer Nationalstadion mit aktualisierter Liste der Pokalsiege. Quelle: Facebook-Account Kibice Górnika Zabrze

Die Anhänger von Górnik dominierten eindeutig auf den Tribünen des beinahe ausverkauften Nationalstadions in Warschau. Wie Erik Janža nach dem Abpfiff betonte, hatte die Hindenburger Mannschaft deshalb das Gefühl, in der eigenen Heimatarena zu spielen. Die Gegner, Raków Tschenstochau (Częstochowa), gehören derzeit zu den besten polnischen Mannschaften. Vor drei Jahren feierten sie die erste Meisterschaft in der Vereinsgeschichte, 2021 und 2022 gewann Raków wiederum den polnischen Pokal. Dennoch hatte Górnik auf dem Rasen fast über die gesamte Partie die Kontrolle, was mit zwei schönen Toren bestätigt wurde. Wie in den Kommentaren der Fachleute zu lesen war, wandte der slowakische Trainer der oberschlesischen Elf, Michal Gašparik (selbst ein ehemaliger Spieler von Górnik), eine sehr durchdachte Strategie an, die die Rivalen ihre größten Stärken nicht ausspielen ließ.

Górnik hatte keinen leichten Weg ins Finale, vor allem, weil er alle Spiele auswärts absolvieren und mit drei Ekstraklasa-Vereinen ringen musste. Vor allem der Sieg in Posen gegen den amtierenden (und vielleicht auch werdenden) polnischen Meister Lech Poznań hatte die Mannschaft mental sehr gestärkt.

Fast zeitgleich mit dem lang ersehnten Triumph erreichte die Öffentlichkeit auch eine weitere Nachricht, die von den meisten Fans mit Freude bzw. Enthusiasmus, aufgenommen wurde. Der aus Gleiwitz (Gliwice) stämmige Lukas Podolski, Weltmeister von 2014, seit 2021 Spieler seines oberschlesischen Lieblingsvereins, erwirbt bald weitere Aktien von Górnik und wird somit Eigentümer dieses Sportklubs. Offizielle Vertragsunterzeichnung ist für den 23. Mai dieses Jahres geplant. Eine Revolution sei allerdings nicht zu erwarten, kündigt er an. Vielmehr wolle er langsam, Schritt für Schritt, einen Verein aufbauen, der dauerhaft zu den stärksten des Landes gehören wird. In einer humorvollen Form bestätigte er seine Strategie auch bei der offiziellen Begrüßung der Pokalsieger im Hindenburger Stadion am 3. Mai. Auf den Sprechchor der Fans „Den Pokal haben wir, nun warten wir auf die Meisterschaft“ reagierte Poldi nämlich auf Deutsch mit den Worten „langsam, langsam“. 

In der Ekstraklasa befindet sich Górnik auf Platz zwei und hat vier Spieltage vor Saisonende immer noch Chancen auf die Meisterschaft.

Spieler und Fans im Siegesrausch. Im Vordergrund Janža, Oślizło und Podolski. Quelle: Facebook-Account Górnik Zabrze S. A.
Finale des polnischen Fußballpokals

Górnik Zabrze – Raków Częstochowa 2:0 (1:0)
Tore: Roberto Massimo (32), Maksym Chłań (65)
Zuschauer: 50.072

Text: Dawid Smolorz