Lukas Podolski spielt für Górnik Zabrze

Versprechen gehalten

Vor sieben Jahren sagte Poldi, die Karriere möchte er mal bei seinem oberschlesischen Lieblingsverein aus Hindenburg ausklingen lassen.

Daran, dass diese Erklärung ernst gemeint war, war allerdings nicht leicht zu glauben. Aus seiner Liebe zu Górnik machte der gebürtige Gleiwitzer zwar nie ein Geheimnis, aber die Vision, der Weltmeister von 2014 würde im Trikot des in den letzten Jahrzehnten nicht gerade erfolgreichen Klubs der polnischen Ekstraklasa auslaufen, schien kaum realistisch. Jahre vergingen, doch von Poldis Umzug bzw. Rückkehr nach Oberschlesien war nichts zu vernehmen. Anfang 2020 berichteten die Medien unerwartet, dass die Gespräche zwischen dem Spieler und Górnik weit fortgeschritten seien. Am Ende entschied sich Podolski jedoch für das türkische Antalya. Viele oberschlesische Fans brachten daraufhin in den sozialen Medien ihre Enttäuschung zum Ausdruck, denn sie verstanden diese Entscheidung als endgültige Bestätigung, dass das Versprechen in Wirklichkeit nur ein Scherz gewesen sei. Ein Renner war im Februar/ März 2020 ein Meme, das Podolski nach seinem Umzug nach Hindenburg/Zabrze darstellen sollte, und zwar als grauhaarigen, hochbetagten Mann mit grauem Bart. Poldi gab damals der Sportzeitschrift „Przegląd Sportowy” ein langes Interview. Ausführlich und wohl auch überzeugend erklärte er darin, dass er vor allem aus familiären Gründen noch nicht nach Oberschlesien kommen konnte.

Lukas Podolski während der Pressekonferenz. Quelle: Górnik Zabrze S.A.

Was 2020 nicht ging, gelang 2021. Vor wenigen Tagen wurde offiziell bestätigt, dass der 130-fache deutsche Nationalspieler in der neuen Saison für Górnik Tore schießen wird. Damit hat er sein Versprechen gehalten. Zur Begrüßungsfeier, die am 8. Juli im Hindenburger Ernest-Pohl-Stadion stattfand, kamen 10.000 Fans. Wohlgemerkt gibt es in der polnischen Ekstraklasa nicht wenige Vereine, deren Zuschauerzahlen im Schnitt nicht einmal die Hälfte davon betragen. Ungeduldig wartet man in der Region schon auf das erste Heimspiel der neuen Saison am 30. Juli gegen Lech Poznań.

Lukas Podolski, Jahrgang 1985, verbrachte die ersten Jahre seines Lebens im Gleiwitzer Stadtteil Sosnitza/Sośnica, in dem die Herzen der Fußballfans für Górnik schlagen. Auch nach der Übersiedlung in die Bundesrepublik besuchten die Podolskis oft die in Oberschlesien verbliebenen Verwandten und so wurde der Verein aus Hindenburg, dessen Stadion sich ca. drei Kilometer von Poldis ursprünglichem Wohnhaus befindet, der Lieblingsklub des künftigen Weltmeisters. Der 14-fache polnische Meister Górnik, der in den 60er, 70er und 80er Jahren seine größten Triumphe feierte und als einziger Verein aus Polen jemals am Endspiel eines europäischen Fußballwettbewerbs teilnahm, ist für viele Fußballfreunde in Oberschlesien eine Legende und neben Ruch Chorzów der beliebteste und erfolgreichste Klub der Region. Mit Poldis Umzug nach Hindenburg wird die Kraft dieser Legende nun noch einmal bestätigt.

Text: Dawid Smolorz