Das Kaufhaus Feniks feiert seinen 80. Geburtstag nach der Wiedereröffnung im polnischen Wrocław
Das frühere Warenhaus Gebrüder Barasch wurde 1904 eröffnet.
Beim Kaufhaus Feniks handelt es sich um das derzeit älteste Kaufhaus in Breslau, das seit über 120 Jahren (!) seine ursprüngliche Funktion bewahrt hat. Es hat alle historischen Wirren überstanden und ist seit Oktober 1904 ununterbrochen in Betrieb. Entstanden als Warenhaus Gebrüder Barasch ist es heute bekannt als Kaufhaus Feniks (Rynek 31/32) bekannt. In diesem Jahr feiert das Kaufhaus seinen 80. Geburtstag nach der Wiedereröffnung im polnischen Wrocław.


Die einzigen Unterbrechungen in der Handelsgeschichte des Gebäudes waren das Jahr 1945 – die Zeit der „Festung Breslau“ und der Grenzverschiebung, als Niederschlesien unter die polnische Verwaltung kam – sowie das Jahr 1997 – die Zeit des großen Hochwassers. Zwar reichte das Wasser nicht bis zum Ring, doch gab es nirgendwo Strom – ein Verkauf war daher unmöglich.

Über die im Oktober 1904 eröffnete Kathedrale der Kommerz oder den Warenpalast, wie der schöne, luxuriöse Prachtbau genannt wurde, sagte man, dass es in Konkurrenz zum Rathaus stehe. Dieses Gebäude gehörte zu den interessantesten Jugendstilgebäuden unter den Kommerzbauten. Für seine Realisierung war der Architekt Georg Schneider verantwortlich, der einige Versionen des Entwurfs vorbereitet hat (alle sind bis heute im Bauarchiv der Stadt Breslau erhalten geblieben). Die wesentlichen Unterschiede in den Entwürfen betrafen die Bekrönung des Eckturmes. Er sollte mit einer beleuchteten Glasweltkugel verziert werden. Letztendlich wurde der Globus, der einen Durchmesser von 6,50 Meter besaß, von vier Sphinxen gehalten.


Der Bau des Warenhauses ging sehr schnell und weckte großes Interesse bei den Breslauern. „Zu Hunderten standen sie Tag für Tag – nicht nur an Sonntagen – am Ringe und verfolgten mit Aufmerksamkeit und zuweilen auch mit einer Neugierde, als ob es Wunderdinge zu schauen gäbe, die Tätigkeit der Handwerker“ – so wurde am 3. Oktober 1904 in der Breslauer Zeitung geschrieben.
Das Gebäude, 120 m lang und 8000 qm groß, hatte sogar drei Adressen: Ring 31/32, Hintermarkt 1 und Schuhbrücke 75/76. Das Objekt sollte nicht nur dem Handel dienen (man konnte hier alles kaufen), sondern auch verschiedene Formen der Unterhaltung bieten. Die größte Besonderheit des Hauses bildete, neben der schon erwähnten Glasweltkugel, der im Erdgeschoss gelegene Wintergarten mit Pflanzen und künstlicher Tropfsteinhöhlenlandschaft für die vom Einkaufen ermüdeten Gäste, der Erfrischungsraum mit einer großen Glasveranda mit Blick zum Ring, wo regelmäßig Konzerte organisiert wurden, ein Reisebüro und ein Foto-Atelier. In den dreißiger Jahren, als eine Vergrößerung der Verkaufsfläche nötig war und als der Jugendstil nicht mehr modern war, entschieden sich die Brüder Barasch, das ganze Gebäude umzubauen. In eben dieser Form hat es bis heute überdauert. Damals wurden der große Lichthof und das Glasdach abgeschafft, die Etagenaufteilung eingeführt, die ersten Rolltreppen in Breslau installiert (sie führten in den ersten Stock) und die äußere Fassade umgebaut. Die Glaskugel wurde nicht vom Blitz getroffen, wie die städtische Legende sagt, sondern einfach abgetragen, weil sie nicht mehr modern war. „In die moderne Linie paßt aber der Globus schlecht hinein und so hat sich die Firma entschlossen, ihn zu beseitigen“ – lesen wir in der Breslauer Zeitung vom 18. Juli 1929. Auf diese Weise verschwand die gläserne Kugel, sie wurde durch eine Aussichtsplattform für Kunden ersetzt.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war das Kaufhaus der Brüder Barasch das erste Kaufhaus, das dem sogenannten „Arisierungs“-Prozess unterstand. Unter dem Begriff „Arisierung“ ist ein Prozess des Verkaufs von Vermögenswerten zu verstehen, der theoretisch rechtmäßig ablief, in Wirklichkeit jedoch unter Zwang stattfand. Das Kaufhaus wurde zu einem von den nationalsozialistischen Behörden festgelegten, unterbewerteten Preis an Kaufleute aus Göttingen und Stettin – Heinrich Müstermann und Gustav Haedecke – verkauft. Die neuen Eigentümer hatten es nicht eilig, den Namen des Kaufhauses zu ändern – noch zwei Jahre lang verwendeten sie den Namen Barasch und fügten lediglich in der Werbung hinzu, dass das Kaufhaus „jetzt in arischem Besitz“ sei. Erst von Ende 1938 bis 1945 firmierte das Kaufhaus unter dem neuen Namen Münstermann & Haedecke.
Während des Zweiten Weltkriegs und der Kämpfe um die Festung Breslau hatte das Kaufhaus Münstermann & Hadecke großes Glück. Die Fassade, die Fenster und das Dach wurden nur geringfügig beschädigt. Die größten Schäden, vor allem am Dach, wurden durch die Explosion der Türme der Maria-Magdalena-Kirche am 17. Mai 1945 verursacht, also bereits nach Kriegsende. Glücklicherweise war das aus Stahl und Beton erbaute und mit Sandstein verkleidete Gebäude nicht als Abbruchmaterial geeignet und entging so dem Schicksal vieler anderer Gebäude, deren Substanz für den Wiederaufbau Warschaus bestimmt waren.

Die Übernahme des Gebäudes durch den Vorstand der Allgemeinen Genossenschaft erfolgte im Herbst 1945. Um den Dachstuhl schnell zu reparieren, wurden mehrere Scheunen in der Umgebung von Breslau abgerissen. Da es an Fachkräften mangelte, wurde das Dach noch von deutschen Dachdeckern gedeckt. Der nachkriegszeitliche Zwangstransfer der Bevölkerung dauerte nämlich noch einige Jahre. Nach der Reparatur des Daches, dem Einsetzen der Fensterscheiben und den Aufräumarbeiten konnte der Verkauf beginnen. Die Aufnahme des Handels im Erdgeschoss des Genossenschaftlichen Kaufhauses erfolgte am 1. Juli 1946. Es war das erste und zu dieser Zeit einzige Handelsgebäude. Zwar fand der Handel in den ersten Jahren nur im Erdgeschoss statt (die übrigen Etagen wurden für Handelszwecke, Büros und Lagerräume umgebaut), doch erfreute er sich dennoch außerordentlicher Beliebtheit. Die Innenräume sind in gutem Zustand erhalten geblieben: Möbel und technische Einrichtungen, darunter Kühlschränke, Aufzüge und Rolltreppen. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellten die Rolltreppen eine Art Touristenattraktion dar, obwohl der Handel in den oberen Stockwerken noch nicht in Betrieb war.

Der Handel war in den ersten Nachkriegsjahren nicht einfach. Vor allem mangelte es an Waren. Eine Belebung setzte gegen Ende der stalinistischen Ära ein, als es zu einem enormen Bevölkerungswachstum kam und die Produktion von Artikeln des täglichen Bedarfs notwendig wurde. In den Jahren 1956–1957 wurde das Kaufhaus in die Allgemeine Lebensmittelgenossenschaft Altstadt eingegliedert und erhielt den Namen „Spółdzielczy Dom Handlowy“ (SDH, Genossenschaftliches Kaufhaus). Es war weitere 50 Jahre lang in Betrieb. In den Jahren 1961–1965 wurde das SHD zudem einer gründlichen Modernisierung unterzogen. All dies erfolgte ohne Unterbrechung des Verkaufsbetriebs, was eine echte Herausforderung darstellte (genau wie bereits Ende der 1920er Jahre). Es gelang zudem, das benachbarte Gebäude in der Schuhbrücke (ul. Szewska-Straße) 77 für Büroräume zu erwerben, weshalb die dritte und vierte Etage für Handelszwecke freigegeben wurden. Selbstverständlich wurden die Innenräume dem Zeitgeist entsprechend komplett umgestaltet. Die Eichenparkettböden, die Holzmöbel und die verzierten Geländer sind für immer verschwunden. Fenster, Schaufenster und Türen wurden ausgetauscht. Bei einer weiteren Renovierung verschwanden auch die Rolltreppen – jene aus dem Jahr 1929, die ersten Rolltreppen in Niederschlesien. Im Jahr 1965 wurde zudem ein Wettbewerb für einen neuen Namen des Einkaufszentrums ausgeschrieben. Den von der Zeitung „Słowo Polskie“ durchgeführten Wettbewerb gewann der Name SDH Feniks (dt. Phönix, heute Dom Handlowy Feniks).

Im Jahr 2026 jährt sich die Nachkriegsgeschichte des Kaufhauses „Feniks“ zum 80. Mal. Es ist erfreulich, dass es als einziges Einkaufszentrum in Breslau nach wie vor seine ursprünglichen Funktionen erfüllt. In Anlehnung an einen Werbeslogan aus der Vorkriegszeit könnte man schreiben: Von nah und fern – man kauft bei Feniks gern.
Text und Bilder: Małgorzata Urlich-Kornacka
Postkarten aus der Sammlung der Autorin und des Kaufhauses Feniks
