Die Kelten in Oberschlesien

In Oberschlesien befand sich eines der größten Zentren der keltischen Kultur in Mitteleuropa

Archäologen und Schatzsucher zieht es nach Deutsch-Neukirch (Nowa Cerekwia), wo der Boden immer noch unentdeckte Schätze birgt.

Der Boden um Deutsch-Neukirch (Nowa Cerekwia) im Kreis Leobschütz (Głubczyce) birgt immer noch unentdeckte Relikte der weit entfernten Vergangenheit. Daher steuern ihn gerne sowohl Archäologen als auch illegale Schatzsucher an.

Zwischen dem 4. und dem 2. Jahrhundert v. Chr. existierte im südlichen Oberschlesien ein keltisches Siedlungsgebiet. Charakteristisch für die größeren Siedlungen dieses Volkes war ihre Lage auf Plateaus, die die umliegende Gegend überragen. Deutsch-Neukirch (Nowa Cerekwia) passt sehr gut in dieses Muster. Die ersten Funde wurden in der Nähe des Ortes im Zusammenhang mit dem Abbau des Basalts zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckt. Immer wieder stießen die im Steinbruch arbeitenden Menschen auf historische Artefakte. Ab 1925 führten dort daher deutsche Archäologen systematische Ausgrabungen durch, bei denen Münzen verschiedener Art, aber auch Figuren und Schmuck gefunden wurden. Damit wurde die Existenz einer keltischen Siedlung bestätigt. Leider gingen sowohl die meisten Funde als auch die dazugehörige Dokumentation, die im Museum Ratibor (Racibórz) aufbewahrt waren, während der Belagerung der Stadt im Frühjahr 1945 verloren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten polnische Archäologen die Ausgrabungen bei Deutsch-Neukirch fort. Da jedoch keine Relikte von Erdwällen identifiziert wurden, ging man lange davon aus, dass die Größe der einstigen keltischen Siedlung ungefähr der eines kleinen Dorfes entsprach. Als die offiziellen Ausgrabungen abgeschlossen worden waren, nahmen illegale Schatzsucher ihre Aktivitäten auf. In den europäischen Auktionshäusern tauchten auf einmal wertvolle Gegenstände auf, die Fachleute eindeutig mit den „oberschlesischen“ Kelten in Verbindung brachten. Daraufhin kehrten die Archäologen zurück und auch sie wurden wieder fündig. Aufgrund der hohen Anzahl und der Art der gewonnenen Gegenstände sowie der Fläche, auf der man sie fand, stellten die Historiker später fest, dass sich bei Deutsch-Neukirch eines von drei größten und wichtigsten protourbanen keltischen Zentren in Mitteleuropa befand. Der Ort war ein bedeutendes Handelsumschlagplatz an der Bernsteinstraße, die von der Ostsee an das Adriatische Meer führte. Mit ihm waren zwei weitere Zwillingssiedlungen verbunden, die sich in der Nähe von Niemtschitz an der Hanna (Némčice nad Hanou) in Mähren und Roseldorf in Niederösterreich befanden.

Viele der Funde aus Deutsch-Neukirch sind heute im Museum des Oppelner Schlesien zu sehen, unter anderem in seiner Dauerausstellung. Die Sammlung wird systematisch erweitert. Denn aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen besuchen die Archäologen immer wieder den südoberschlesischen Ort und ihre Arbeit bringt meistens Früchte, die am Ende dem Oppelner Museum übergeben werden.

Text: Dawid Smolorz