Breslau (Wrocław) bietet touristische Attraktionen jeder Art
Wenn Sie nach eher untypischen Sachen suchen, haben wir hier einige Tipps.
Die fünf ungewöhnlichsten Denkmäler und Kunstinstallationen der niederschlesischen Hauptstadt Breslau (Wrocław):
1. Die Kunstinstallation „Der Zug zum Himmel“

Die Kunstinstallation „Der Zug zum Himmel“ von Andrzej Jarodzki, die sich in Breslau auf dem Plac Strzegomski neben dem Museum für zeitgenössische Kunst befindet, wurde im Oktober 2010 enthüllt. Für ihren Bau wurden eine echte historische Dampflokomotive vom Typ Ty2-1035 sowie ein Stück Gleis verwendet. Die Installation ist 21 m hoch und wiegt 82 Tonnen. Sie wurde senkrecht aufgestellt und zum Himmel ausgerichtet. Sie sollte die Idee einer in den Himmel fahrenden Dampflokomotive verkörpern, „eines Werkzeugs, einer Maschine, die es dem Menschen ermöglicht, seine Träume von der Überwindung von Zeit, Grenzen und dem Unmöglichen zu verwirklichen“. Der „Zug zum Himmel“ nimmt auch Bezug auf die bis 1945 in der Nähe dieses Ortes ansässigen Linke-Hofmann-Werke AG – damals war dies der größte Industriebetrieb in Breslau und einer der größten Hersteller von Eisenbahnwaggons und Lokomotiven in Europa.
2. Das Denkmal der Breslauer Intelligenz

Im Jahre 2013 wurde vor dem Bürokomplex Green Towers (ulica Strzegomska) eine künstlerische Installation von Prof. Józef Hałas enthüllt. Sie ist der Breslauer Intelligenz gewidmet und genau: dem vergessenen Vater der modernen Psychologie: dem Professor William Louis Stern (eigentlich Ludwig Wilhelm Stern), der fast neunzehn Jahre in Breslau tätig war. Er gab hier einige wichtige Werke heraus, u.a. im Jahre 1912 „Die psychologischen Methoden der Intelligenzprüfung”, in dem er die Ideen zur Messung der Intelligenz vorstellte. Das war der erste Versuch, mit Hilfe der Mathematik die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns zu messen und begreifen zu können. Dank Stern wurde Breslau zu einem weltweiten Zentrum der Forschung der Persönlichkeitspsychologie und der Psychologie individueller Unterschiede. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland führte dazu, dass er aufgrund seiner jüdischen Herkunft auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft aus dem wissenschaftlichen Leben ausgeschlossen wurde. Über die Niederlande emigrierte er zusammen mit seiner Frau Clara in die USA, wo er bis zu seinem Tod (1938) als Gastprofessor an der Duke University in Durham lehrte. Die Breslauer Installation knüpft an das 100. Jubiläum der Erfindung des IQ-Begriffes.
3. Das Denkmal des gemeinsamen Gedenkens

Das Denkmal befindet sich an der Stelle, wo sich vor dem Zweiten Weltkrieg ein großer städtischer Friedhof mit Krematorium befand und wo sich heute ein großer Park erstreckt, nämlich in der Gräbschener Straße (ulica Grabiszyńska). Nach dem Zweiten Weltkrieg, überwiegend in den 1960er und 70er Jahren, wurden über siebzig der Breslauer Friedhöfe zerstört – weil sie deutsch waren. Die Grabsteine wurden als Baumaterial genutzt oder zerkleinert und zum Straßenbau verwendet, es wurden aber keine Exhumierungen vorgenommen… Sie gelten heute als „unsichtbare Friedhöfe“. Nach der Wende, in den 1990er Jahren, entstand eine Idee zur Errichtung eines Lapidariums zum Gedenken an die verstorbenen Breslauer, die vor 1945 auf inzwischen aufgelösten Friedhöfen beigesetzt worden waren. Von einem Steinmetz wurden zweihundert ehemalige deutsche Grabsteine abgekauft, die dort gefunden wurden. Danach wurde ein Architektur-Wettbewerb für das Denkmal organisiert.
„Das war nicht meine Idee, aber sie wurde zu meiner Amtszeit realisiert“ – sagte der ehemalige Breslauer Oberbürgermeister Rafał Dutkiewicz. „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden fast alle Breslauer Friedhöfe zerstört. Wir wollten, dass sie nicht vergessen werden“ – setzte er fort. „Nach der Enthüllung des Denkmals stellte sich heraus, dass die Breslauer spontan dorthin kamen und Kerzen aufstellten – niemand hatte dazu aufgerufen. Das war eine schöne Geste“.
4. Denkmal für die Versuchsratte


Die Breslauer Ratte hält in ihren Pfoten den Buchstaben Psi (Großbuchstabe: Ψ, Kleinbuchstabe: ψ). Er steht als Abkürzung für das griechische Wort psyche (Seele, Geist) und repräsentiert das Psychische sowie die Wissenschaft der Seele. Der Bildhauerin Dorota Hadrian war es wichtig, die außergewöhnliche Intelligenz des Tieres hervorzuheben, weshalb sie der Ratte ein „professorenhaftes Aussehen“ verlieh. Das Denkmal wurde aus einem mit Marmormehl vermischten Verbundharz gefertigt.
Die Idee, ein Denkmal für Ratten zu errichten, die zur Entwicklung der Wissenschaft beigetragen haben, ging von der Studentenvertretung der USWPS (Universität für Geistes- und Sozialwissenschaften) in Breslau aus, die im März 2025 einen Wettbewerb für den Entwurf einer Skulptur einer Laborratte ausschrieb, der sich an Studierende der Breslauer Hochschule richtete.
Gewonnen hat der Entwurf von Olga Murawiak und Gabriela Kurek – Studentinnen des zweiten Studienjahres der Psychologie. „BehawiuRATysta“ – der Name spielt auf den Behaviorismus an, also eine Strömung in der Psychologie, die sich auf beobachtete Verhaltensweisen und Möglichkeiten zu deren Veränderung durch Reize und Konsequenzen konzentriert. Das hervorgehobene Wort „RAT“ ist die englische Bezeichnung für Ratte.
An der Universität für Geistes- und Sozialwissenschaften wird oft betont, dass Ratten eine besondere Rolle in der Psychologie gespielt haben. Sie waren unter anderem an Forschungen zu Themen Lernen, Motivation, Emotionen und Suchterkrankungen beteiligt. Dank ihnen gelang es, einige für die Menschheit bahnbrechende Entdeckungen zu machen. Das Denkmal befindet sich in der ulica Ostrowskiego 30B.
5. Die erste Recycling-Kapelle in der Welt

Noch während seiner Amtszeit hat der ehemalige Oberbürgermeister Rafał Dutkiewicz öffentlich versprochen, dass er, wenn die Umgehungsautobahn von Breslau gebaut wird, eine Votivkapelle stiften wird. „Es war im Dezember, als wir – Politiker – uns traditionell beim gemeinsamen Weihnachtsliedersingen im Breslauer Dom trafen. Und damals machte ich einen kleinen Witz. Zu der Melodie eines bekannten polnischen Weihnachtsliedes sang ich Folgendes: Oj, sehr klein, sehr klein, sehr klein ist die Breslauer Autobahn. Wenn wir größere errichten, werde ich für Ihn (gemeint Christus) eine Kapelle stiften“. Und damit machte ich das Versprechen“ – berichtet Dutkiewicz. Und nachdem er seine Amtszeit beendet hatte, fand er einige private Sponsoren und konnte die Votivkapelle errichten, die übrigens die erste Recycling-Kapelle in der Welt war… Sie besteht aus verschrotteten Bändern, die die Autobahn schützen. Im Inneren befinden sich eine Bank und ein symbolisches Kreuz. Die Kapelle steht in der Nähe der Umgehungsautobahn an der Kreuzung der Straßen ulica Żernicka und ulica Szczecińska.
Text und Bilder: Małgorzata Urlich-Kornacka
