Eins der wichtigsten Werke zur regionalen Geschichte ist auch digital verfügbar
Das „Buch der im Jahr 1945 Verhafteten, Internierten und aus Oberschlesien in die Sowjetunion Deportierten“ beschreibt Schicksale von über 46.000 Menschen.
Das polnischsprachige „Buch der im Jahr 1945 Verhafteten, Internierten und aus Oberschlesien in die Sowjetunion Deportierten“ beinhaltet Informationen über das Schicksal von über 46.000 Einwohnern der Region. Es ist eins der wichtigsten Werke zur regionalen Geschichte – und seit kurzem auch online zugänglich.


aus Oberschlesien in die Sowjetunion Deportierten“.
Die Verschleppung der Oberschlesier in die Sowjetunion 1945 gehörte bis zum Untergang des Kommunismus´ zu den absoluten Tabuthemen. Wer an die brutale „Befreiung“ durch die Rote Armee und die darauffolgenden Massendeportationen der oberschlesischen Männer erinnerte, erklärte sich in den Augen der Behörden zum Feind der Volksrepublik Polen. Deshalb schwiegen die Betroffenen und ihre Angehörigen über Jahrzehnte. Als die Wende kam, lebten die meisten direkten Zeugen nicht mehr. Das Wissen über die dramatischen Ereignisse von 1945 war deshalb fragmentarisch, die Listen der Verschleppten unvollständig und das Schicksal der Deportierten in vielen Fällen unbekannt. Bis der Historiker Dr. Dariusz Węgrzyn, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Schlesischen Zentrum für Freiheit und Solidarität in Kattowitz (Śląskie Centrum Wolności i Solidarności w Katowicach), früher Mitarbeiter des Kattowitzer Büros des Instituts für Nationales Gedenken IPN (Instytut Pamięci Narodowej), beschloss, sich mit diesem Thema intensiver auseinanderzusetzen. Wie er in einem Gespräch mit Silesia News vor drei Jahren sagte, hatte er sich dieser Herausforderung gestellt, weil ihn die langen, meist fruchtlosen Diskussionen über die Notwendigkeit der Erstellung einer vollständigen Liste der Deportierten zusehends irritiert hätten.

Fünfzehn Jahre arbeitete Dr. Węgrzyn mit unterschiedlicher Intensität an dem „Buch der im Jahr 1945 Verhafteten…“. Das dreibändige Werk enthält Angaben zu 46.202 Personen, die entweder in die Sowjetunion verschleppt oder von der sowjetischen Militärverwaltung in Oberschlesien verhaftet wurden. Obwohl die Veröffentlichung in polnischer Sprache verfasst wurde, sind die meist relativ kurzen Einträge auch ohne Polnischkenntnisse weitgehend verständlich. Sie beinhalten außer dem Geburts- und Wohnort, auch den Namen des Lagers bzw. den Sterbeort und das Sterbedatum, ggf. auch die Namen der Zeugen oder der Quellen. Über das Schicksal eines der Verhafteten, Karl Gomolka, schrieb Silesia News im Februar dieses Jahres.

geborene Arbeiter aus Schichowitz wurde vom NKWD verhaftet und in das Lager
Kandalakscha überstellt, wo er 1947 starb.
Die einzelnen Bände des „Buches der im Jahr 1945 Verhafteten, Internierten und aus Oberschlesien in die Sowjetunion Deportierten“ können von der Homepage des Instituts für Nationales Gedenken unter „Do pobrania“ als PDF einzeln heruntergeladen werden.
Text: Dawid Smolorz
