Dokumentation deutscher Spuren in Schlesien

20 neue Objekte auf dem deutsch-polnischen Portal „Vergessene Inschriften“

Die Dokumentation umfasst Fotos von Thomas Voßbeck und Texte von Dawid Smolorz.

Erhaltene deutsche Inschriften in Ober- und Niederschlesien galten zunächst als unerwünschtes und später lange als unbeachtetes Erbe. In den Zeiten der Volksrepublik Polen wurden sie systematisch zerstört (übermalt oder abgemeißelt), da sie eindeutig daran erinnerten, dass Schlesien in der Vergangenheit Teil Deutschlands war. Trotz der von den kommunistischen Behörden nach 1945 durchgeführten sog. „Entdeutschungsaktion“ kann man auch heute noch in Schlesien vielerorts unter bröckelndem Putz historische deutsche Schriftzüge sehen. Politisch motivierte Zerstörung droht ihnen nicht mehr, doch sind sie in unserer Zeit anderen Gefahren ausgesetzt. Denn bei Renovierungsarbeiten oder Modernisierungsmaßnahmen fallen sie manchmal dem mangelnden Verständnis für dieses Kulturerbe zum Opfer.

Das wiedergefundene „Goldene Gitter“ in der Anstaltskirche in Branitz. Foto. Thomas Voßbeck

Um solche gefährdeten Relikte in fotografischer und in Textform festzuhalten, schlug der Gleiwitzer Regionalforscher Dawid Smolorz 2018 dem Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit vor, sie systematisch zu dokumentieren. Aus dieser Initiative entwickelte sich als Teil der Internetplattform „Vergessenes Erbe“ das Portal „Vergessene Inschriften“ (https://zapomnianedziedzictwo.pl/de/inschriften.html). Derzeit sind dort an die 160 Objekte mit historischen deutschen Schriftzügen zu sehen. Der jüngste Teil der Dokumentation entstand in diesem Jahr dank der Förderung der Erika-Simon-Stiftung . In den zuletzt veröffentlichten Materialien findet man u.a. die Geschichte der Wiederfindung des „Goldenen Gitters“ mit deutschem Text aus der Anstaltskirche in Branitz (Branice), die Bautafeln am Köhlerbergtunnel  und die Inschriften aus der k. u k.-Zeit am Bielitzer Bahnhof. In den kommenden Monaten wird das Portal eine Erweiterung erfahren.

Teilweise erhaltenes Schild des Gasthofs zum goldenen Zepter in Jauer (Jawor). Foto. Thomas Voßbeck

Auf der Grundlage der Fotos und Texte aus dem Portal (aber nicht nur) hat das Kulturreferat für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz die Ausstellung „Zeichen der Zeit“ erarbeitet, die am 31. Januar dieses Jahres eröffnet wurde. Noch bis zum 1. November kann man sie im Schönhof sehen. Auf den Großformatbildern des Berliner Fotografen Thomas Voßbeck werden etwa 40 Objekte aus Ober- und Niederschlesien präsentiert, an denen historische deutsche Schriftzüge erhalten blieben oder restauriert wurden. Als Ergänzung ist ein Bildband erschienen, der auch viele in der Ausstellung aus Platzgründen nicht berücksichtigte Inschriften zeigt.

Gedenktafel am Ring von Bad Reinerz (Duszniki Zdrój). Foto. Thomas Voßbeck

Ausgewählte weitere neue Objekte auf dem Portal „Vergessene Inschriften“ befinden sich in:

(neu sind die letzten zwei Objekte)

Köhlerbergtunnel (Tunel pod Sajdakiem) bei Bad Charlottenbrunn (Jedlina Zdrój)
Foto. Thomas Voßbeck

Text: Redaktion SILESIA News