Eins der markantesten Bauwerken im Riesengebirge wurde 1974 fertiggestellt
Nun wird die Ikone der polnischen Nachkriegsmoderne saniert.
Das Hochgebirgsobservatorium auf der Schneekoppe zählt zu den markantesten Bauwerken des Riesengebirges und gilt als eine Ikone der polnischen Nachkriegsmoderne. Die Anlage wurde nach Entwürfen der Architekten Witold Lipiński und Waldemar Wawrzyniak errichtet und 1974 fertiggestellt. Charakteristisch sind die drei übereinander angeordneten, miteinander verbundenen scheibenförmigen Baukörper, deren futuristische Form an fliegende Untertassen erinnert. Die außergewöhnliche Architektur hebt sich deutlich von der rauen Gebirgslandschaft des Riesengebirges ab. Schon von Weitem ist das Observatorium an seiner markanten Silhouette zu erkennen. Seit seiner Fertigstellung gilt es als Wahrzeichen der Schneekoppe und als eines der bekanntesten Bauwerke der polnischen Nachkriegsmoderne.
Nun beginnt für das Observatorium ein neues Kapitel: Das Institut für Meteorologie und Wasserwirtschaft (IMGW) hat die Baustelle offiziell an das Unternehmen Pre-Fabrykat aus Miłków (Arnsdorf) übergeben. Die umfassende Modernisierung soll bis 2031 dauern und ca. 5,8 Millionen Euro kosten.
Im Mittelpunkt der Arbeiten steht die unterste der drei charakteristischen „Untertassen”. Dort befand sich über viele Jahre eine Gaststätte, die 2015 geschlossen wurde. Nach Abschluss der Bauarbeiten soll dieser Bereich wieder für Besucher geöffnet werden. Neben der umfassenden Sanierung der Innenräume sind neue technische Anlagen, moderne Brandschutzsysteme sowie die Erneuerung von Fenstern, Dach und Teilen der Gebäudehülle vorgesehen.
In den kommenden Wochen werden die früheren Restaurationsräume umfassend modernisiert. Geplant sind Arbeiten an der gesamten technischen Infrastruktur sowie eine grundlegende Erneuerung der Innenräume.
Ob Touristen künftig tatsächlich wieder in einer Gaststätte auf der Schneekoppe einkehren können, hängt allerdings von einem weiteren Projekt ab. Voraussetzung ist der Bau einer Abwasserleitung zur Kläranlage in Krummhübel. Nach Angaben des IMGW laufen bereits entsprechende Vorbereitungen.


Bauen unter Extrembedingungen
Eine Baustelle auf 1.603 Metern Höhe stellt alle Beteiligten vor außergewöhnliche Herausforderungen. Während in den Sommermonaten zahlreiche Wanderer den Gipfel besuchen, herrschen auf der Schneekoppe oft Bedingungen, die eher an arktische Regionen erinnern. Starke Winde, Vereisung, Nebel und lange Winterperioden schränken die Bauzeit erheblich ein.
Der Zugang zum Gipfel ist zudem nur eingeschränkt möglich. Materialtransporte und Bauarbeiten müssen exakt geplant werden. In der Praxis stehen den Bauunternehmen pro Jahr lediglich wenige Monate zur Verfügung, um Arbeiten im Freien sicher durchführen zu können. Diese schwierigen Rahmenbedingungen sind einer der Gründe dafür, warum die Modernisierung auf mehrere Jahre angelegt wurde.
Hinzu kommt, dass das Observatorium seit 2020 unter Denkmalschutz steht. Sämtliche Arbeiten erfolgen daher in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde und müssen den charakteristischen architektonischen Charakter des Bauwerks bewahren.


Mehr als nur eine Wetterstation
Das 1974 eröffnete Observatorium gehört zu den wichtigsten meteorologischen Messstationen Polens. Auf der Schneekoppe werden seit mehr als 140 Jahren ohne Unterbrechung Wetterdaten erhoben. Die dort gewonnenen Informationen fließen in Wettervorhersagen, Klimaforschung und wissenschaftliche Analysen ein.
Auch während der Bauarbeiten sollen die Messungen fortgesetzt werden. Dafür wurde auf dem Gipfel ein provisorischer meteorologischer Messgarten eingerichtet. Über einen längeren Zeitraum werden die Daten der neuen Messpunkte mit den bisherigen Instrumenten am Gebäude verglichen, bevor die Messungen während der Dachsanierung vollständig auf die Außenstation verlagert werden.
Mit der nun begonnenen Modernisierung soll eines der bekanntesten Bauwerke des Riesengebirges technisch auf den neuesten Stand gebracht werden, ohne seinen unverwechselbaren Charakter zu verlieren. Für viele Besucher der Schneekoppe ist das Observatorium längst mehr als eine Wetterstation. Es ist ein Symbol des Gipfels selbst.
Wenn die Arbeiten planmäßig verlaufen, werden die legendären „Untertassen“ auch in Zukunft die Silhouette der Schneekoppe prägen, diesmal jedoch in neuem Glanz und mit einer wiedereröffneten Gastronomie für Wanderer und Bergfreunde.
Text und Bilder: Iza Liwacz
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